Ärger über Fußwaschungs-Spott

Daniel Deman, Theologe und seit 2014 Redakteur und Moderator bei Bibel TV in Hamburg, hat sich über eine Bemerkung von Michael Sauga vom SPIEGEL-Hauptstadtbüro geärgert.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Es ist Gründonnerstag und noch früh am Morgen. Ich freue mich auf das bevorstehende Triduum. Wie jeden Vormittag lese ich „Die Lage“, den Newsletter von SPIEGEL ONLINE. Und da ist er: der Ärger. Michael Sauga, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, nimmt die Liturgie des Gründonnerstags aufs Korn und bemerkt spöttelnd, dass das Ritual der Fußwaschung „zu einem bizarren Wettlauf um die originellste Fußgruppe entartet“ sei. Als Beispiele nennt er katholische Pfadfinder in der Münchner Liebfrauenkirche, Häftlinge im Hochsicherheitsgefängnis Regina Coeli in Rom und Mitglieder des Ruhrkohle-Chors im Essener Münster, denen an diesem Tag allesamt vom jeweiligen Ortsbischof die Füße gewaschen werden.

Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, in denen die Fußwaschung ausschließlich den etablierten Granden der Pfarrei zuteil wurde und finde das Bild eines Papstes, der sich zu den Füßen eines gesellschaftlich ausgestoßenen Sträflings herabbeugt, nach wie vor spektakulär. Herr Sauga aber hat allem Anschein nach die liturgische Tiefe und die wechselseitige Dynamik des gottesdienstlichen Geschehens nicht verstanden. Nicht schlimm, möchte man meinen – schließlich haben es die Apostel im Abendmahlssaal auch nicht begriffen. Allerdings gibt es schon zu denken, dass nach rund 2000 Jahren Vermittlungsgeschichte einer der Top-Journalisten eines deutschen Leitmediums keine tiefere Kenntnis der kirchlichen Vollzüge und nur wenig geistliches Gespür zu haben scheint. Da gesellt sich zum Ärger schnell die Sorge: Verkriecht sich die theologische Kompetenz, das Wissen um Wesen und Sendung der Kirche in christliche Nischenmedien und kirchliche PR-Schmieden? Und wie kann die Kirche dann noch öffentlich diskurs- und anschlussfähig bleiben? Erscheint sie abseits ihres sozial- und gesellschaftspolitischen Engagements dann eben doch nur bizarr und darf im günstigsten Fall auf milde-amüsierten Spott hoffen? Mein Ärger hatte glücklicherweise im großen österlichen Drama keine wirkliche Chance und ist alsbald verflogen. Jedoch: die Sorge und die Fragen, sie bleiben.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

An der Titelstory der Karsamstags-Ausgabe des SPIEGEL:  „Die letzten Tage des Jesus von Nazareth“. Eine spannende Reise in die Welt der jüngsten archäologischen Erkenntnisse rund um das Grab Jesu.  

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Die wöchentliche Chorprobe meines Vokalensembles in der Hamburger Neustadt ersetzt mir jede Therapie: Stimmen, die ineinander verschmelzen, Musik-Momente, die allen Ärger zerbröseln lassen.  

 

 

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