Ärger über Eil-Meldungs-Overflow

Jens AlbersJens Albers ist seit 2011 Online- und Social-Media-Redakteur und stv. Pressesprecher im Bistum Essen. Zudem ist er als Referent in Workshops zum Thema Internet unterwegs. Er ist besonders genervt von aufdringlichen Eilmeldungen auf dem Smartphone.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?
Das Smartphone vibriert und auf dem Bildschirm erscheint eine Eilmeldung. Statt die Eilmeldung zu lesen, ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich das Smartphone genervt zurück auf den Tisch lege. Denn irgendwie habe ich mehr und mehr das Gefühl, einem Eil-Meldungs-Overflow ausgesetzt zu sein. Scheinbar ist die Push-Funktion vieler News-Apps für viele Redaktion zum bevorzugten Mittel im Aufmerksamkeitswettstreit geworden – quasi die Weiterentwicklung des nervenden blinkenden Werbebanners auf der Webseite, das fest davon überzeugt ist, dass man „hier klicken“ muss.

Mich nervt dieser Trend nur noch. Ich würde mir wünschen, dass Redaktionen sich wieder kritisch hinterfragen, was eigentlich eine Eil-Meldung ausmacht. Für mich ganz klar ein Ereignis, welches positiv wie negativ – für einen großen Teil der Gesellschaft von Relevanz ist. Ein Ereignis, über das Menschen zeitnah informiert werden müssen – sei es für die Meinungsbildung oder aber auch um konkret zu handeln. Aber sicher nicht – wenn wieder mal ein Promi seine Nicht-Freundin auf Ibiza geküsst hat.
An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?
Über die AfD ist in der vergangenen Zeit viel geschrieben worden. Oft ist darüber gesprochen worden, ob es überhaupt sinnvoll ist, einer einzelnen Partei so viel Aufmerksamkeit zu schenken und scheinbar damit ihrer Medienstrategie Genüge zu tun. In all diesen journalistischen Auseinandersetzungen erfreue ich mich seit einiger Zeit an den Texten einer Kollegin der Rheinischen Post. Seit Februar 2016 ist Julia Rathcke in der Politikredaktion des Blattes für die Berichterstattung rund um die AfD zuständig. Sie schafft es immer wieder aufs Neue, Fakten über die Partei journalistisch fundiert aufzubereiten und in einer ihr eigenen Art zu präsentieren. Vielleicht hilft ihr hier auch die klare Sprache ihrer Heimat, des Ruhrgebiets. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, ist nachvollziehbar. Ich freue mich daher umso mehr, dass sie einfach immer weitermacht und sich von Kommentaren wie „Ich habe Sie gleich an Ihren schönen Augen erkannt“ oder „Sie wirken in natura noch weitaus attraktiver als auf Ihrem Bild bei Facebook und das ist wirklich selten“ nicht hat abbringen lassen. Daher kann ich nur jedem ihren persönlichen Jahresrückblick „Annäherungsversuch an die AfD“ (erschienen am 5. Mai 2017) zur Lektüre ans Herz legen.
Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?
Ich habe das große Glück, im wunderschönen Münsterland zu wohnen und von ganz, ganz viel Natur umgeben zu sein. Einfach den Hund schnappen und raus an die frische Luft. Es dauert nicht lange und der Ärger löst sich in Luft auf. Und sonst hilft es mir auch ab und an, eine Gif-Datei herauszusuchen, das meine aktuelle Stimmung gut wiedergibt und dieses in den Sozialen Netzwerken zu teilen. Probieren sie es einfach mal – ein Gif am Abend wirkt wahre Wunder.

 

 

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