Abenteuer Journalismus: Gudrun Lux und Bischof Ramazzini

Ein Interview mit Bischof Ramazzini in Guatemala war Gudrun Lux' größtes journalistisches Abenteuer.

Gudrun Lux, Jahrgang 1980, arbeitet als Freie Journalistin und Autorin, Dozentin und Beraterin für Krisenkommunikation. 2004 bis 2006 war sie Stipendiatin des ifp, ab Oktober diesen Jahres gehört sie der ersten ifp-Führungsakademie an. Sie war kna-Redakteurin und Pressereferentin des Mannheimer Katholikentag 2012. Jetzt schreibt sie u.a. für katholisch.de und die Zeitschrift Leben & erziehen.

Lux beschreibt ihr Abenteuer:

Ich habe in Mainz studiert, Politik im Hauptfach und in den Nebenfächern Theologie und Spanisch. Und so kam es, dass ich im Frühjahr 2007 drei Monate in Guatemala leben und für meine Abschlussarbeit recherchieren konnte. Da ging es um die Rolle der katholischen Kirche im Demokratisierungsprozess des Landes.
Aber freilich: Auch wenn mein Reisezweck akademisch war, so wollte ich doch ein, zwei journalistische Stücke machen. Und so kam es, dass ich gemeinsam mit meiner Freundin Eva-Maria Verfürth (wer mag, sehe sich ihr preisgekröntes Magazin www.tea-after-twelve.com an) einen Mietwagen nahm, um von Guatemala-Stadt nach San Marcos zum damaligen Vorsitzenden der guatemaltekischen Bischofskonferenz Alvaro Ramazzini Imeri zu fahren, um ihn für Publik-Forum zu interviewen.
Schon die Fahrt war ein kleines Abenteuer für sich. Eva schaffte es irgendwie, uns durch den in meinen Augen unüberschaubaren Hauptstadtverkehrsdschungel zu kutschieren und war dann froh, dass ich die Überlandfahrt übernahm. Auf der Karte sieht die Distanz von Guatemala-Stadt zu San Marcos am Rande der Republik nicht so groß aus. Auf mäßig guten Straßen und über Berge war es dann doch eine Herausforderung.
Wir kamen an, es war spät und es regnete. Im Bischofshaus wurden wir herzlich aufgenommen und Bischof Ramazzini, damals knapp 60 Jahre alt, nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview. Ich war schon als Schülerin und Studentin fasziniert von befreiungstheologischen Ideen und fragte als erstes, natürlich: „Muss man als Christ politisch sein?“ und Ramazzini antwortete „Christ sein bedeutet nicht nur, ausgerichtet zu sein auf das Jenseitige, sondern eben auch, im Hier und Jetzt zu ermöglichen, dass jeder menschenwürdig leben kann.“
 Diese Antwort wurde in den folgenden Jahren zum selbstverständlichen Auftrag, insbesondere jetzt, da ich mich wieder sehr stark parteipolitisch engagiere. Ramazzini wurde immer wieder bedroht, auch darauf sprach ich ihn an, und er sagte ohne zu zögern und aus freiem Herzen: „Nein, ich habe keine Angst“ – in einem Land, in dem ohne juristische Konsequenzen schonmal ein Kopfgeld von 10.000 Dollar auf ihn ausgesetzt worden war.
Ramazzinis klare Haltung und Entschlossenheit beeindrucken mich bis heute. Seine Entscheidung, nicht einfach ruhig leben zu wollen, sondern immer und ohne Einschränkung an der Seite derer zu stehen, die keine eigene Stimme haben, ist ein Beispiel dafür, wie ich mir Kirche wünsche.
Von dem Satz, ein guter Journalist mache sich mit nichts gemein, halte ich übrigens nicht viel in seiner Pauschalität. Ja, Meldungen einer Agentur sollten neutral formuliert sein. Wenn es uns als katholischen Publizisten und Publizistinnen aber darum ginge, uns mit nichts gemein zu machen, würden wir unseren Beruf verfehlen.

 

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