Abenteuer im Beruf: rein ins kalte Wasser

Wie ein Sprung ins kalte Wasser war es für Pia Dyckmans, als sie als erste Frau PR- und Öffentlichkeitsreferentin der Jesuiten in Deutschland wurde.

Abenteuer Beruf. Klingt für mich auf Anhieb nicht nach einem Büro am Englischen Garten in München. Also überlege ich weiter. Da wäre ein Praktikum bei Radio Vatikan in Rom während des Konklaves und den ersten Tagen eines bis dahin unbekannten Papstes. Oder die darauffolgenden zwei Jahre in Rom leben und arbeiten während des Volontariats.  Auch das war wahrlich ein Abenteuer. Wer schon mal versucht hat, in Rom Strom und Wasser anzumelden, der weiß, wovon ich rede. Aber diese Abenteuer sind bestanden. Nach den ersten Monaten stelle ich fest: Diese Arbeit hier im Provinzialat der Jesuiten ist durchaus ein Abenteuer, und das in vielerlei Hinsicht.

Als ich den ersten Kollegen erzählt habe, dass ich die PR und Öffentlichkeitsarbeit für die Jesuiten übernehmen werde, sagten viele: „Wow, super, dass eine junge Frau diese Chance bekommt.“ Oder: „Wer sonst als die Jesuiten können so einen Vorstoß wagen.“ Mich freuen die Reaktionen ungemein, weil sie genau die Atmosphäre des Ordens widerspiegeln, die ihn – meines Erachtens – unter anderem so attraktiv macht. Es zeigt auch, dass sich die Rolle der Frau in der Kirche wandelt. Aber die Reaktionen stimmen mich auch nachdenklich. Denn solange solche überraschten Reaktionen auf eine derartige Stellenbesetzung kommen, muss sich noch einiges ändern. Ich für meinen Teil kann nur sagen: Abenteuer „Frau im größten Männerorden“ nehme ich gerne an.
Aber ich will gar nicht weiter über die Rolle der Frau in der Kirche lamentieren, weil spätestens nach den ersten Wochen klar ist: Das Geschlecht spielt hier keine Rolle. Viel wichtiger ist die Arbeit, die für mich das viel größere Abenteuer ist. Als gelernte Redakteurin saß ich die letzten Jahre auf der anderen Seite des Schreibtisches. Ich schrieb Menschen wie mich an und fragte nach Informationen und Geschichten. Genau die muss ich nun verkaufen. Dass die Jesuiten ein unfassbares Potential haben, das sich gut verkaufen lässt, steht außer Frage. Doch dafür muss ich den Laden nun richtig gut kennenlernen. Ich reise also durch die Provinz, lerne die verschiedensten Patres und Werke kennen. Da ist das Werk „Jesuit Worldwide Learning“ mit Peter Balleis SJ, der versucht, Menschen in Krisenländern Bildung zu ermöglichen. Oder Pater Axel Bödefeld, der mit Glitzern in den Augen von seiner Arbeit am Gymnasium in Prizren/Kosovo erzählt. Wie es Schüler von ihm schaffen, Gleichaltrige ohne Bildungschancen so zu motivieren, dass sie wieder zurück ins staatliche Bildungssystem integriert werden wollen. Während ich die Menschen, ihre Expertise und die Geschichte des Ordens kennenlerne, muss das Tagesgeschäft nahtlos weitergehen.
Die ersten Wochen fühlten sich an wie der Sprung ins kalte Wasser. Mein Fazit: Es war erfrischend und ich hoffe, es bleibt noch lange so, denn so lernt es sich am schnellsten und man bleibt neugierig.      

Pia Dyckmans, Jahrgang 1989, studierte Germanistik und katholische Theologie in München. Für ihr Volontariat zog sie nach Rom und atmete bei Radio Vatikan zwei Jahre Weltkirchen-Luft. Nach einem Zwischenstopp beim Sankt Michaelsbund in München als Radioredakteurin für Antenne Bayern ist sie nun die PR- und Öffentlichkeitsreferentin der Jesuiten in Deutschland.

 

Druckversion

AddThis

|||||