Abenteuer im Beruf: Kampf um die Primetime

Joachim Opahles berufliches Abenteuer besteht darin, sich als kirchlicher Radiomann in einem säkularen Medienumfeld zu behaupten.

Opahle (61) ist seit mehr als 20 Jahren Leiter der Rundfunkarbeit im Erzbistum Berlin und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Senderbeauftragten in der ARD. Zuvor war er Redakteur beim Funkkolleg Religion des Süddeutschen Rundfunks und Öffentlichkeitsreferent  im Erzbistum Bamberg.

„Wir wollen entschiedene Leute an entscheidenden Stellen“ – sagte einmal ein Prälat zu mir, der mir auf meinem Berufsweg eine wichtige Weiche gestellt hat. Gerne folgte ich seinem Werben um eine berufliche Laufbahn im kirchlichen Dienst. Ich habe es bis heute nicht bereut, obwohl meine mittlerweile mehr als 25-jährige Erfahrung in der kirchlichen Medienarbeit nicht nur helle Momente kennt; sogar eine Bistumspleite war dabei.

Ich gehöre einer Generation von Theologen an, die noch stark vom Konzil und der Würzburger Synode geprägt waren, vor allem von dem damaligen Medien-Optimismus. Von der „Kirche als einem Glashaus“ war die Rede, von menschennaher, dem Leben zugewandter Evangelisierung, selbstbewusst in der katholischen Identität und zugleich auf Relevanz bedacht gegenüber einer säkularen Alltagswelt.  
Es mangelte nicht an beruflichen Herausforderungen: Als ich nach dem Wechsel vom eher wissenschaftlichen Redakteursdasein beim Funkkolleg Mitte der 80er Jahre in die Pressestelle des Erzbistums Bamberg wechselte, war in Bayern gerade der Privatfunk auf Sendung gegangen. Die Kirchen waren programmlich stark involviert. Es war eine Pionierzeit, in der manches kühne Format erprobt wurde.
Als dann die Mauer fiel, konnte ich dem Sog in Richtung Osten schwer widerstehen. Im Berliner Katholizismus, eingeklemmt zwischen dem „antikommunistischen“ RIAS und dem „linken“ SFB, besann man sich auf eine mediale Offensive. Wieder war Aufbauarbeit zu leisten: Zusammen mit Jürgen Fliege, damals in den Diensten der evangelischen Kirche,  putzte ich Türklinken bei Wellenchefs und Radiomanagern. Es ging um experimentelle Formate und eine Abkehr vom moralgetränkten Kirchensprech.
Aber zur Wahrheit gehört auch: Die Verkündigungsarbeit der Kirche im Rundfunk ist kein Selbstläufer. „Nur wenige Beiträge vermitteln das Gefühl, dass die Kirche mit offenen Armen ihre atheistischen Kinder aufnimmt…“, schrieb einmal eine Wellenchefin eines Brandenburger Privatradios – und begründete damit den Rauswurf unserer Beiträge aus ihrem Programm. Immer wieder wird das sogenannte „Drittsenderecht“ der Kirchen auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Frage gestellt, wenn auch eher subtil: „Raus aus meiner Primetime“ lauten dann die Rufe der Radioleute. Das Gute daran ist, dass kirchliche Verkündigung damit einem strengen Qualitätscontrolling von außen unterliegt.
Nicht alle Kirchenleute wollen sich darauf einlassen. Manche ziehen sich zurück und sagen: „Da seht ihrs, die Medien sind gegen uns!“ – Mir hat diese eher defensive Mentalität jedoch nie imponiert. Denn ich finde sie weder im Neuen Testament noch in den Verkündigungslehrtexten der Kirche. Da ist stattdessen von „Licht auf dem Berg“ und „Zeugnis von den Dächern“ die Rede. „Nur zu, keine Angst, es hören ja nur 500 000 Leute zu“, sage ich manchmal zu einem Verkündigungsautor, wenn er an seiner Mission zweifelt, „auch Paulus war nicht erfolgreich in Athen!“

 

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