
Im fünften Gang durch Rom
Früh einen Gang hoch schalten, das soll energiesparend sein. Und dann das:
Unterwegs mit Matthias Kopp geht die bewährte Gleichung plötzlich nicht
mehr auf. Egal, wo sich die GKP-Reisegruppe über vatikanisches oder
römisches Pflaster bewegte, irgendwo zwischen Apostolischem Palast,
Petersdom und diversen Kongregationen – immer eilte ihr ein Matthias Kopp
mit großen Schritten voraus. Von wegen energiesparend: „Fünfter Gang“,
lautete stets die Anweisung des Reiseleiters. Mit anderen Worten: „Presto,
der nächste Kardinal wartet.“

Kardinal Tauran
Das Programm der GKP-Exkursion Ende November war abwechslungsreich,
hochkarätig und vom neuen Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz perfekt
organisiert: Rund zwei Dutzend Besuchs- und Gesprächstermine im und um den
Vatikan packte Kopp in fünf arbeitsreiche Tage. Zwei Themenfelder bildeten
den inhaltlichen Schwerpunkt. Zum einen ging es um die Beziehungen des
Heiligen Stuhls beziehungsweise der katholischen Kirche mit anderen
Staaten und Religionen. In den Hintergrundgesprächen mit dem israelischen
Botschafter
Mordechay Lewi, mit dem Chefdiplomaten im Staatssekretariat,
Pietro Parolin, und auch mit dem Präsidenten des Päpstlichen Rates für den
Interreligiösen Dialog, Kardinal
Jean-Louis Tauran, ging es insbesondere
um die Beziehungen zum Judentum und die Hintergründe einer geplanten
Israelreise des Papstes. Die Pläne für den Besuch im Heiligen Land
sickerten während des Aufenthalts der GKP-Mitglieder in Rom durch und
wurden inzwischen offiziell bestätigt.

Erzbischof Celli
Zum anderen ging es bei der Reise auch immer wieder um die Medienarbeit im
Vatikan. Hierzu trafen die 25 mitgereisten GKP-Mitglieder den Präsidenten
des päpstlichen Medienrates. Erzbischof
Claudio Maria Celli sprach vor
allem darüber, wie die virtuelle Welt die sozialen Beziehungen zwischen
den Menschen verändert. Angesprochen auf das Mediennutzungsverhalten
Jugendlicher und die Bedeutung interaktiver Webangebote sagte Celli, man
ziehe durchaus in Erwägung, den Heiligen Vater eines Tages auf der
Videoplattform „Youtube“ Botschaften verkünden zu lassen. Solche
theoretischen Überlegungen zur Medienarbeit wurden bei anderen Treffen in
ganz praktische Fragen übersetzt.
Pater Lombardi
Pater
Federico Lombardi, Direktor des
Vatikanischen Pressesaals und zugleich Chef des vatikanischen Fernsehens
und von Radio Vatikan, äußerte sich unter anderem positiv zu den in
Deutschland diskutierten Fernsehplänen der katholischen Kirche. Er
verfolge die Initiative mit Interesse, bei Bedarf werde man aus Rom
Bildmaterial zuliefern. Die Chefredakteurin der deutschsprachigen Ausgabe
des Osservatore Romano,
Astrid Haas, sowie
Stefan von Kempis, Redakteur
bei Radio Vatikan, berichteten von ihrer Arbeit. Bei den Abendessen
stießen zur geselligen Runde die Rom-Korrespondenten
Andreas Englisch
(„Bild“),
Antje Pieper (ZDF),
Alexander Smoltczyk („Spiegel“) und
Johannes
Schidelko (KNA).
Andreas Englisch, rechts.

Georg Genswein
Einen Einblick in den „geheimnisvollen“ Vatikan sollte die Reise geben –
ein Versprechen, das voll und ganz eingelöst wurde. Beim dritten Besuch
fühlte sich die GKP-Reisegruppe im Apostolischen Palast schon fast wie
zu Hause. Im Aufzug mit silberner Christophorus-Plakette ging es nach
oben, wo die Journalisten aus Deutschland von Prälat
Georg Gänswein und
von Kardinalstaatssekretär
Tarcisio Bertone empfangen wurden. Bertone,
zweitmächtigster Mann im Vatikan, sprach über die große Politik (USA,
Irak-Konflikt, Beziehungen zu Deutschland), machte aber auch kein
Geheimnis aus seinen persönlichen Interessen: Hinter dem Kardinal parkte
im prunkvollen Audienzsaal ein Formel-1-Modellauto eines italienischen
Rennstalls repräsentativ auf einem goldenen Tisch. Besuche im Vatikan
haben durchaus ihre heiteren Momente.
Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone

Bei der Basisgemeinde Sant Egidio
Eindrucksvoll war das Treffen mit
Cesare Zucconi. Der Leiter der
Basisgemeinschaft Sant Egidio verdeutlichte unter anderem, welche
Bedeutung die weltweit agierende Laienbewegung nicht nur im sozialen
Bereich, sondern auch als Moderatorin bei Friedensverhandlungen in vielen
Krisenregionen hat. Um caritative Hilfsaktionen des Vatikan ging es im
Gespräch mit Kardinal
Josef Cordes (Päpstlicher Rat Cor Unum). Cordes
betonte, dass der moralische Wert von Hilfsprojekten oft größer sei als
der materielle.
Weitere Gesprächspartner während des fünftägigen Aufenthalts waren unter
anderem Kardinal Walter Kasper (Päpstlicher Rat für die Einheit der
Christen), Kardinal Giovanni Lajolo (Präsident des Governatorats von
Vatikanstadt), Erzbischof Luis Francisco Ferrer (Sekretär der
Glaubenskongregation), Erzbischof Josef Clemens (Laienrat) sowie Abtprimas
Notker Wolff.

Kardinal Walter Kasper (l) und Kardinal Giovanni Lajolo (r)

Erzbischof Josef Clemens (l) und Abtprimas Notker Wolff (r)

In der Mosaikwerkstatt
Darüber hinaus ließ es sich Matthias Kopp nicht nehmen, die
Reisegruppe an wichtige Plätze in und rund um Rom zu führen: Petersdom,
Lateran, Vatikanische Mosaikwerkstätten. Ein Höhepunkt der Reise war der
Besuch des Klosters in Subiaco, das über der Einsiedlerhöhle des Heiligen
Benedikt erbaut wurde. Herrliche Wand- und Deckenfresken zieren die
mehrstöckige Kirche.
Die Reisegruppe in Subiaco
Am letzten Tag führte Matthias Kopp die Gruppe schließlich unter die Erde.
Bei der Führung in der Domitilla-Katakombe bekamen die GKP-Mitglieder
sonst nicht zugängliche Teile der Friedhofanlage zu sehen. Kopp hatte hier
einst selbst an archäologischen Grabungen teilgenommen und konnte so
zahlreiche Schätze wie alte Mosaike und Deckenmalereien zeigen. Und
ausnahmsweise marschierte die Gruppe in der unbeleuchteten Katakombe mal
nicht „im fünften Gang“ – die Gefahr von Verlusten wäre hier einfach zu
groß gewesen.
(Text und Fotos: Christian Klenk, Eichstätt)

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