
Michaela Pilters kommentiert
Späte Einsicht der Justiz
Die anhaltende öffentliche Diskussion um seine Person habe in den vergangenen Wochen die Priester und Gläubigen im Bistum schwer belastet.“ So begründete Bischof Walter Mixa in seinem Rücktrittsgesuch an den Papst seinen Schritt. Eine typische Argumentation und ein Lehrbeispiel für ein gestörtes Verhältnis zu den Medien, wird doch ihnen zumindest eine Teilschuld an der Situation zugeschrieben. Nicht sein eigenes Verhalten ist in den Augen des Bischofs eine Bürde für die Katholiken, sondern die Diskussion darüber in der Öffentlichkeit, angefacht von den Medien. Hätten diese geschwiegen, wäre sein Rücktritt nicht erforderlich geworden. So klingt es zumindest.
In der Tat spielen Journalisten im Fall Mixa eine entscheidende Rolle. Die Süddeutsche Zeitung hatte mit ihrer Veröffentlichung der Zeugenaussagen von Menschen den Stein ins Rollen gebracht, die eidesstattlich versichern, vom damaligen Stadtpfarrer in Schrobenhausen brutal verprügelt worden zu sein.
Der Augsburger Bischof reagiert über seinen Pressesprecher mit einem Lehrbeispiel, wie es nicht gemacht werden sollte: Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ wird alles abgestritten und Mixas Medienberater Dirk Voss droht allen mit juristischen Konsequenzen, die solches behaupten. Für die Opfer ist ein solches Verhalten eine erneute Ohrfeige, werden sie doch dadurch der Lüge bezichtigt und selbst kriminalisiert. Ihre traumatischen Erfahrungen werden geleugnet und nicht ernst genommen. Wundert sich da noch jemand, dass Opfer jahrelang geschwiegen, sich nicht getraut haben, die Wahrheit zu sagen, weil sie genau solche Reaktionen befürchten mussten?
Es steht Aussage gegen Aussage, aber diesmal ist die Öffentlichkeit auf Seiten der Opfer und nicht auf Seiten der „fürstbischöflichen“ Macht. Das Klima ist gekippt, dazu haben zahlreiche Berichte und ständig neue Enthüllungen der Medien beigetragen. Der Kredit an Glaubwürdigkeit der Institution Kirche und die Autorität des Bischofs sind verspielt. Umfragen werden veröffentlich, die besorgniserregende Zahlen an Kirchenaustritten und Vertrauensverlust aufweisen.
Sind die Medien daran schuld? Sie sind lediglich ihrer Pflicht nachgekommen zu recherchieren, aufzudecken und zu informieren, haben weitere Beweise für Unregelmäßigkeiten im Finanzgebaren des Bischofs gefunden. Eine weitere Rolle in der Chronik der Ereignisse spielt dann die „Augsburger Allgemeine“. Durch ihre Vorabveröffentlichung des Rücktrittsgesuchs setzt sie Bischofkonferenz und Bistum unter Zugzwang. Vielleicht hatten die Verantwortlichen gehofft, erst die Entscheidung des Papstes abzuwarten, bevor man an die Öffentlichkeit geht. Anstatt zu agieren, blieb den Verantwortlichen wieder einmal nur die Reaktion, das Heft des Handelns und die Tonalität bestimmten die Medien, Gelungenes Krisenmanagement sieht anders aus.
Bischof Mixas Rücktritt hinterlässt bei den meisten Katholiken ein Gefühl der Erleichterung, wird eher als Befreiungsschlag empfunden in der Situation der tiefen Kirchenkrise. Es ist das Verdienst unabhängiger Journalisten, dass sie den Weg dafür bereitet haben.
Michaela Pilters
Druckversion
Tel.: 02204-408472, Fax: 02204-408420, email: info@gkp.de



