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Bernhard Remmers kommentiert

Bis chöfe in den Tagesthemen

Neulich abends im Fernsehen. Das Erste bringt die Tagesthemen. Zum Abschluss der Bischofskonferenz am selben Tag – natürlich und wie zu erwarten– das Thema Missbrauch. Die katholische Kirche ist in den vergangenen Tagen heftig durchgeschüttelt worden. Beinahe jeden Tag hat vor allem das Magazin „Der Spiegel“ Fälle von schrecklichen, manchmal ekeligen Übergriffen auf minderjährige Zöglinge in katholischen Einrichtungen präsentiert. Die allermeisten Fälle, die jetzt enthüllt werden, liegen mehrere Jahrzehnte zurück. Und immer wieder zeigt sich, dass die Verantwortlichen in der Kirche damals viel zu oft weggeschaut oder nur zögerlich gehandelt haben. Für die Opfer aber hat dies nicht selten lebenslange schlimme Folgen gehabt. Es ist deshalb wichtig, dass dieses schlimme Thema jetzt besprochen wird.

Gut also auch, dass die Tagesthemen an diesem Tag über die Tagung der Bischofskonferenz berichten. Noch vor dem Tarifstreit im Öffentlichen Dienst und dem Olympiasieg im Riesenslalom. Erzbischof Zollitsch wird befragt und er berichtet von den Beratungen unter seinen Mitbrüdern. Immer wieder erinnert der Vorsitzende der Bischofskonferenz daran, dass die Kirche bereits 2002 Richtlinien zum Umgang mit derartigen Missbrauchsfällen erlassen hat. Und dass die Verantwortlichen in der Kirche seitdem viele Gespräche mit Experten aus Wissenschaft und Justiz geführt haben.

Auf die Journalisten der Tagesthemen macht das offenbar wenig Eindruck. Gleich nach dem Interview mit Zollitsch kommt der Kommentar von einer Berliner Kollegin. Und als ob der Erzbischof gar nicht in der Sendung vorkommen wäre, klagt sie minutenlang über eine Kirche, die erst jetzt damit beginne, den schlimmen Missbrauch von Minderjährigen Ernst zu nehmen. Acht Jahre Aufarbeitung – die sicherlich noch zu verbessern ist – werden einfach ignoriert. Weil Sie nichts ins Bild passen.

Es hat viele kluge Artikel und Beiträge in den vergangenen Wochen zum Missbrauch-Skandal gegeben in den Medien. Aber so wie an diesem Abend in dem Tagesthemen-Kommentar bleibt beim Betrachter manchmal der Eindruck zurück, dass hier von manchen Kollegen auch zu gerne alte Feindbilder bedient werden. Die Kirche ist eben langsam, zurückgeblieben und sexuell verklemmt. Es wäre doch zu schade, wenn ehrliches Hinschauen dieses Bild zerstören würde. Wie respektvoll und journalistisch korrekt Medien mit schwierigen Themen umgehen können, haben viele von ihnen gerade im Fall der abgetretenen Landesbischöfin Käßmann gezeigt. Von wenigen Boulevardblättern einmal abgesehen war die Berichterstattung doch meistens fair und sogar anerkennend für das Wirken der Theologin aus Hannover.

Ein klein wenig von diesem Stil ist der katholischen Kirche in diesen Tagen auch zu wünschen. Die Debatte um die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen ist angestoßen worden durch einen tapferen Auftritt des Schulleiters in Berlin, Pater Mertes SJ. Es wäre schade, wenn Leute wie er einen solchen Schritt später einmal bereuen sollten.

Bernhard Remmers




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