
Michaela Pilters kommentiert
In eigener Sache
„Wollen Sie nicht doch noch einmal kandidieren? Und du möchtest wirklich aufhören?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen werde ich konfrontiert, seit ich erklärt habe, dass ich nicht länger für das Amt der Vorsitzenden der GKP zur Verfügung stehe. Und da nicht alle Mitglieder unseres Verbandes zur Jahrestagung kommen können, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf diesem Weg meine Entscheidung zu begründen.
Natürlich freut es mich zu hören, dass ein Großteil der Mitglieder sich eine weitere Amtsperiode mit mir hätte vorstellen können. Ich habe diese Aufgabe im November 1999, also vor knapp zehn Jahren, sehr gerne übernommen, und ich habe mich drei Wahlperioden lang redlich bemüht, das Amt im Dienste der GKP auszuüben. Unsere Satzung sieht eine Einschränkung von Wiederwahlen nicht vor. Mit meinem Verständnis von Demokratie verträgt sich jedoch eine Art Abonnement auf den Vorsitz nicht. Ein Mitgliederverband wie der unsere mit seinen ehrenamtlichen Strukturen darf nicht den Anschein erwecken, Funktionärs-Erbhöfe zu haben. Meine Vorgängerin und Vorgänger im Amt haben ebenso nach dieser Devise gehandelt und nach zwei Wahlperioden den Stab weitergegeben.
Die Aufgabe, die GKP nach außen zu vertreten und dem Verband in Kirche und Gesellschaft Stimme und Gesicht zu geben, ist nur ein kleiner, wenn auch nicht unwichtiger Teil des Vorsitzes. Sie erfordert eine gewisse berufliche Unabhängigkeit und Gestaltungsfreiheit bei Terminen. Ich danke meinem Arbeitgeber ZDF, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, meine freien Tage im Sinne meiner ehrenamtlichen Tätigkeit zu disponieren.
Das viel größere Arbeitspensum betrifft die konkrete Arbeit im Vorstand, die Organisation von Veranstaltungen, die Umsetzung von Ideen und die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit die GKP ein lebendiger Verband sein kann, in dem Mitglieder sich wohl fühlen, miteinander ins Gespräch kommen und der gemeinsame Glaube eine inspirierende Basis ist. Die GKP lebt von den Impulsen ihrer Mitglieder; in der Praxis sind es aber doch die Mitglieder des Vorstandes, die Regionalbeauftragten und die Geschäftsstelle, die Anregungen und Ideen in konkrete Angebote umwandeln. Da fällt viel Kleinarbeit an, und ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Jahren im Vorstand diese Arbeit geleistet haben – eine Vorsitzende ohne engagierten und unterstützenden Vorstand wäre handlungsunfähig.
Wer sich nicht verändert, ist den Herausforderungen der Gesellschaft nicht gewachsen. Daher ist es wichtig, durch Fluktuation dafür zu sorgen, dass Weiterentwicklung gelingt, keine „blinden Flecken“ entstehen und Wege nicht so eingeschliffen werden, dass es schwer fällt, sie zu verlassen. Die Mischung aus Kontinuität und Erfahrung einerseits und Aufbruch und Veränderung andererseits braucht ein Verband, der zukunftsfähig sein will.
So manches hatte ich mir vorgenommen, das ich nicht einlösen konnte. Und es tut mir leid, wenn ich Mitglieder in ihren Erwartungen enttäuscht habe. Aber ich bin froh und stolz, dass wir in den letzten zehn Jahren ein Verband mit steigenden Mitgliederzahlen gewesen sind, dass wir junge Kolleginnen und Kollegen gewinnen konnten und die schwierige Phase des Wechsels in der Geschäftsstelle mit einem so engagierten Team in Bensberg geschafft haben. In Zeiten großer Arbeitsverdichtung und wirtschaftlicher Zwänge eine Lanze zu brechen für Qualität im Journalismus ist mir ebenso wichtig gewesen wie die bewusste Öffnung und Gestaltung des Verbandes als einen Ort, an dem unterschiedliche Meinungen zu Gesellschaft, Medien und Kirche ausgetauscht und gelebt werden können. Die GKP ist für mich ein Forum mit Profil, in dem vieles möglich ist. Ich wollte nie eine ideologische Engführung, und daher sollte es auch keine personelle Engführung geben.
Ich werde mich gerne weiter für die GKP engagieren, weil ich davon überzeugt bin, dass sie ein toller Verband ist, der die Mühe lohnt. Ich wünsche mir, dass noch mehr Mitglieder diese Auffassung teilen. Für Freising erhoffe ich mir eine gelungene Tagung und eine gute Wahl. Dem neuen Vorstand alles Gute und Ihnen ein Dankeschön für Unterstützung und Kritik in den vergangenen Jahren, für alles Vertrauen und Getragenwerden.
Ihre Michaela Pilters
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