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home > Kommentiert > Juni 2010

Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel

Wieder sind die Zahlen erschreckend, die uns Reporter ohne Grenzen meldet: Kolleginnen und Kollegen, die in den Krisenherden der Welt, meist auch in Demokratien, gewaltsam ums Leben gekommen sind. Jedes Opfer ist ein Opfer zu viel. Daran erinnert auch mit Schrecken der jüngste Bericht zur Lage der Menschenrechte, den Amnesty international und andere Organisationen veröffentlicht haben. Und immer sind es die Journalisten, die im Weg stehen, unbequeme Fragen stellen, der Wahrheit zum Licht verhelfen wollen und – eben nicht selten – dabei den Tod finden. Wie viel tragischer ist dieser Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden durch Journalisten, wenn sie darüber hinaus in jenen Ländern sterben müssen, wo Glaube und Religionsfreiheit mit den Füßen getreten werden.

Ich habe hohen Respekt vor diesen Kolleginnen und Kollegen, die auf Auslandsposten sind. Ja, es mag die gemütlichen Positionen mit Empfängen und Strandatmosphäre geben. Aber es sind die anderen die ich meine, die Posten auf Leben und Tod: In Rebellengebieten Lateinamerikas, in den Bürgerkriegsregionen Afrikas oder auf den Straßen zwischen Bagdad und Mossul. Viele Mitglieder in der GKP verfügen über exzellente Kontakte in diese Regionen. Und so stellt sich die Frage, ob angesichts der jüngsten Zahlen von Reporter ohne Grenzen und der guten Vernetzung eines katholischen Journalistenverbandes hier nicht neue Zeichen gesetzt werden müssen. Gewiss, wir haben journalistisch genug in unseren eigenen heimischen Reihen in Deutschland zu tun. Und natürlich ist das alles nur der berühmte „Tropfen auf den heißen Stein“. Aber dennoch: Ich glaube, dass wir denen, die in Krisenregionen und unter Einsatz ihres Lebens journalistischen Dienst tun, noch mehr zur Seite stehen müssen. Es ist geradezu eine ethische Verpflichtung, hier zu unterstützen, wo wir können. Denn Pressefreiheit geht uns alle an, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Kolumbien, Somalia und Pakistan.

Vielleicht gibt es hier ja neue Wege der Kooperation mit unseren kirchlichen Hilfswerken, denn wer kennt sich besser aus auf den anderen Kontinenten als Adveniat, Missio, Misereor oder Kirche in Not, Renovabis, der Deutsche Verein vom Heiligen Lande? Vielleicht gibt es die Chance journalistischer Patenschaften und des kontinuierlichen Austauschs während der großen Aktionen der Hilfswerk mit jenen Kolleginnen und Kollegen im Ausland, die es nicht so komfortabel haben wie wir. Vielleicht machen die jüngsten Zahlen von Reporter ohne Grenzen so nachdenklich, dass das journalistische Tagesgeschäft uns wachrütteln muss, zu handeln. Die toten Journalistinnen und Journalisten hätten es auch jetzt noch verdient. Die GKP könnte hier für andere Journalistenverbände ein Vorbild sein.

Matthias Kopp



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