Bischöfe brüskieren katholische Laien

„In der Kirche Deutschlands gibt es Streit um eine Personalie. Die deutschen Bischöfe lehnen den geplanten Führungswechsel bei der Laienorganisation ZdK ab.“ So lautete die Anmoderation des Tagesschaubeitrags vom 8. Mai 2009. Hinter der schlichten Nachricht steckt ein Zerwürfnis der Bischöfe mit den katholischen Laien, das möglicherweise lange nachwirkt und dem Ansehen der katholischen Kirche nachhaltig geschadet hat: Das Zentralkomitee deutschen Katholiken (ZdK) wollte auf seiner Frühjahrsvollversammlung den hessischen Kulturstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU) zum neuen Vorsitzenden wählen. Doch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kündigte an, den einzigen Kandidaten mit der von ihr festgelegten Zweidrittelmehrheit nicht bestätigen zu wollen. Deshalb verschob die ZdK-Vollversammlung im Mai die Abstimmung um ein halbes Jahr.
Das Nein der Bischofskonferenz bedroht die Eigenständigkeit und die Handlungsfähigkeit des Laiengremiums und belastet zudem die Zusammenarbeit mit den Laien schwer. Damit haben sich die Bischöfe keinen Gefallen getan – im Gegenteil, das Ansehen der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit hat einmal mehr Schaden genommen. Für ein überzeugendes, zeitgemäßes Auftreten der katholischen Kirche in Deutschland ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der DBK und dem ZdK unerlässlich.
Brockmann ist Mitbegründer der Schwangerenberatung Donum Vitae und der Zeitschrift kritischer Christen Public Forum. Ob das jedoch der Grund für das Nein vieler Bischöfe zu Brockmann war, ist fraglich. Denn begründet hat die DBK ihre Entscheidung nicht. Getroffen hat sie damit allerdings die ganze Laienorganisation, das wurde bei Vollversammlung in Berlin immer wieder betont. „Die Entscheidung der Bischofskonferenz ist verletzend für Heinz-Wilhelm Brockmann und trifft uns alle genau so wie ihn“, heißt es in der Stellungnahme des ZdK.
Meinungsverschiedenheiten hat es zwischen DBK und ZdK immer einmal wieder gegeben. Zuletzt wegen einer Erklärung zur Judenmission: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte die im März veröffentlichte Erklärung des ZdK-Gesprächskreises Juden und Christen mit dem Titel Nein zur Judenmission „wegen ihrer theologischen Defizite enttäuschend“. Der Gesprächskreis verteidigte sein Papier gegen die Kritik. Man habe nie den Anspruch erhoben, dass die Stellungnahme ein umfassender theologischer Traktat oder ein amtliches Dokument der Kirche sei.
Beim gemeinsamen Studientag von DBK und ZdK Ende April herrschte dennoch eitel Sonnenschein. Zollitsch und Meyer betonten, dass die offene und ehrliche Atmosphäre und das anspruchs- und respektvolle Gespräch während des Studientags den Weg für weitere gemeinsame Überlegungen zur Zukunft der Kirche in Deutschland geöffnet haben. Es gab keine Anzeichen für den baldigen Eklat. Umso schwerer war und ist die nicht begründete Ablehnung Brockmanns nachzuvollziehen. „Wählen und Willkür, das passt einfach nicht zusammen. Wir wollen Gründe hören, das gehört sich im erwachsenen Miteinander“, forderte deshalb Bruder Paulus, der Mitglied der Gesellschaft katholischer Publizisten ist und im Laiengremium sitzt. Dieser Appell stieß bei den Oberhirten auf taube Ohren. Bis heute erreichte das ZdK keine Erklärung.
Carolin Meyer
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