
Hildegard Mathies kommentiert
Gefährliche Entwicklung
Drei Tage vor Weihnachten schreckte eine Branchenmeldung nicht nur die katholische Medienlandschaft auf: der Paderborner Bonifatius-Verlag und das Erzbistum wollen die Redaktion der Bistumszeitung „Der Dom” schließen, die acht Mitarbeiter entlassen und künftig die Inhalte von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erstellen lassen. Generalvikar Alfons Hardt sagte dazu, in Zeiten knapper werdender Haushaltsmittel seien neue Medienstrategien und zukunftsweisende Ideen gefragt.
Die GKP hat in einer viel beachteten Pressemitteilung dazu bereits kritisch Stellung genommen (siehe diese Ausgabe). Doch uns geht es nicht nur um die menschlichen Tragödien oder eine verlegerisch fragwürdige Entscheidung. Sowohl für die Bistumszeitung als auch für die Nachrichtenagentur ist das geplante Dienstleistungsverhältnis höchst problematisch. Es wäre fatal, wenn diese Entscheidung Signalwirkung hätte und ähnliche nach sich zöge.
Die Bistumspresse und die KNA brauchen ein je eigenes, klares und starkes Profil. Nur so haben sie auf dem schwierigen Medienmarkt überhaupt eine Chance zu bestehen, sich zu erneuern und weiterzuentwickeln. Beide leben von ihrer Glaubwürdigkeit und – relativen – Unabhängigkeit. Es ist eine Sache, einer Bistumszeitung Beiträge oder auch Themenpakete zu liefern, womöglich Themenseiten - aber es ist eine andere, die inhaltliche und optische Prägung zu übernehmen. Die KNA wird so auch zum Konkurrenten ihrer anderen Kunden, selbst wenn sie in Paderborn ein ausgelagertes Medienbüro eröffnet. Andere Kunden könnten in großem Stile abspringen und so die wirtschaftliche Lage der KNA verschlechtern.
Die KNA setzt sich zudem ins Hintertreffen gegenüber ihren Mitkonkurrenten auf dem Agenturmarkt: schon heute ziehen einzelne säkulare Medien bei katholischen Themen den Evangelischen Pressedienst der KNA vor, weil sie unseren kirchlichen Quellen skeptisch gegenüberstehen. Wie wird dies weitergehen, wenn man die Nachrichtenagentur, die sachlich und unabhängig berichten soll und muss,in Verbindung bringt mit einordnenden, kommentierenden Beiträgen und diözesaner Berichterstattung? Und welchen Druck könnten Bistümer als Großkunden auf die Agentur ausüben, nicht nur bei kritischen Themen? Die Katholische Nachrichten-Agentur kann kein Dienstleister einzelner Bistümer sein.
Die GKP war immer für eine starke und unabhängige KNA und ist es bis heute. Für sie gilt es ebenso tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln wie für die Bistumszeitungen! Inhaltlich war die KNA bereits auf einem guten Weg. Viel Energie, Kreativität und Geld ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Untersuchungen und Zukunftsmodelle für die kirchlichen Medien geflossen. Zudem gibt es bereits bewährte, tragfähige Modelle für Kirchenzeitungen wie etwa die Verlagsgruppe Bistumspresse oder andere Kooperationen, etwa zwischen dem Würzburger Sonntagsblatt und der Eichstätter Kirchenzeitung. Innovative und gemeinsame Wege, die die eigene Marke stark halten und den wirtschaftlichen Druck mildern, stehen in vielen Bereichen offen: redaktionell, bei Druck und Vertrieb, im Anzeigengeschäft, bei online-Plattformen.
Es gilt jetzt verstärkt, auf einer neuen Ebene gemeinsam über die Zukunft der kirchlichen Medien in ein offenes und konkretes Gespräch zu kommen. Die GKP möchte dazu ihren konstruktiven Beitrag leisten und regt daher an verschiedenen Stellen ein Zukunftsforum an. Derzeit wird ein neuer Trendmonitor zur religiösen Kommunikation erarbeitet. Es wäre schön, wenn seine Ergebnisse den Startschuss geben würden für eine breite Diskussion und für zukunftsweisende Entscheidungen.
Hildegard Mathies
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