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Carolin Meyer kommentiert

Vergütungsregeln für freie Journalisten: Grosser Schritt oder Stolperfalle?

Die Journalistengewerkschaften DJV und dju haben sich im Januar überraschend mit Zeitungsverlegern auf eine Vergütungsregel für freie Journalisten geeinigt. Nach sechsjährigen Verhandlungen sollen sie am 1. Februar in Kraft treten. Festgelegt wurden Erstveröffentlichungshonorare für journalistische Texte in Tageszeitungen, die, je nach Textgattung und Auflage der Zeitung, im Bereich zwischen 47 Cent und 1,65 Euro pro Druckzeile liegen. Was für den DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken ein „wichtiger Schritt auf dem Weg zur Sicherung der materiellen Basis freier Journalisten“ ist, ist für viele Freie eine echte Stolperfalle. Denn „auch von den in den Vergütungsregeln ausgehandelten Honoraren wird kein professionell arbeitender Journalist leben können“, heißt es in der Stellungnahme von Freischreiber.

Fakt ist, dass viele freie Journalisten mit den ausgehandelten Honoraren deutlich mehr Geld verdienen als bislang. Für eine 200 Zeilen lange Lokalreportage, die bei einer Zeitung mit einer Auflage von 190.000 Exemplaren gedruckt wird, soll es nach den neuen Vergütungsregeln etwa 250 Euro geben. Bisher wurden durchschnittlich 100 Euro gezahlt. Ein großer Sprung – jedoch bei weitem nicht genug, um an das Jahreseinkommen eines festangestellten Redakteurs zu kommen. Die Vergütungsregeln sehen zudem keine automatische Anpassung der Honorare an die Inflation vor, was eine gleichbleibende Bezahlung für die kommenden Jahre bedeutet.

Die Vereinbarung werde nicht nur die Misere eines ganzen Berufsstandes auf Dauer zementieren, sondern auch den Qualitätsrückgang im Tageszeitungsjournalismus beschleunigen, kommentiert die Kölner Journalistin Ilja Braun. Denn die Tarife sind nicht nach Aufwand gestaffelt, sondern nach Textgattung. Für einen Bericht wird weniger gezahlt als eine Reportage. Die wiederum bringt weniger ein als ein Kommentar, ein Interview oder ein Essay. Wer also mit einer Reportage beauftragt wird und nicht mit einem Interview, bei dem der Aufwand für gewöhnlich geringer ausfällt, der bekommt eben weniger.

Auch nach dem 2. Februar 2010 geht es also für freie Journalisten darum, so schnell wie möglich viele Zeilen zu Papier zu bringen. Für kluge, gut recherchierte Reportagen braucht es jedoch Zeit. Zeit, die vergütet werden muss. Gelungene Vergütungsregeln sollten deshalb nicht nur Masse, sondern Klasse honorieren. Dieses Ziel bleibt durch die neuen Vereinbarungen weit entfernt.

Carolin Meyer




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