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home > Kommentiert > Dezember 2009

Eine Lanze für die Freien

Als zunehmend bedrohtes Wesen im Mediendschungel hat Tom Schimmeck beim Mainzer Mediendisput 2009 die freien Journalisten bezeichnet. Der Autor, der selbst für zahlreiche Printmedien Reportagen und Berichte zu politischen und wissenschaftlichen Themen schreibt, hat mit einer gehörigen Portion Sarkasmus die Situation in den Redaktionen beschrieben. Bedroht von einer wachsenden Schar von Dauerpraktikanten, die sich freuen, wenn ihre Artikel (kostenlos) veröffentlicht werden; von festangestellten Redakteuren, die selbst um ihren Job fürchten müssen und keinen Mut haben, sich für ihre Autoren einzusetzen; bedroht von Umstrukturierungen in den Medien, in denen „Content“ für Plattformen und ganze Gruppen von Medienerzeugnissen hergestellt wird; bedroht auch von einer wirtschaftlichen Gesamtkrise, die auf die Medien zunehmend ausstrahlt und mit der die Senkung von Honoraren und Unterwanderung von Tarifverträgen begründet wird.

Schimmeck las den anwesenden Medienvertretern gehörig die Leviten. „Deutsche Medienmacher können bald nur noch billig“, so sein Vorwurf. Eine Diagnose, die vermutlich auch von unseren Mitgliedern durch zahlreiche Beispiele aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigt werden kann. Wir alle erfahren nahezu täglich in unserem Beruf, dass die Forderung nach mehr Qualität im Journalismus zwar schnell erhoben ist – und auch die GKP macht sich ja immer wieder dafür stark -, dass aber die Realität eine ganz andere ist. Da sind Redaktionen so ausgedünnt, dass für die Verbliebenen keine Zeit mehr ist für Recherchen oder Fortbildung (eine Entwicklung, unter der die GKPAngebote massiv leiden). Da werden PR-Artikel ins Blatt genommen und buy-out-Verträge mit Autoren gemacht, die schon als unsittlich gelten können. In den Rundfunkanstalten verhindern Verwaltungsvorschriften, dass gute Autoren über ein bestimmtes Maß hinaus beschäftigt werden, damit sie keine Ansprüche auf Beschäftigung oder Bestandsschutz erwerben. Und die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und/oder dem Niedergang des eigenen Mediums verhindert Auflehnung und Solidarisierung.

Die GKP ist keine Gewerkschaft und nicht befähigt, Tarifverhandlungen zu führen. Wir können auch nicht die wirtschaftliche Großwetterlage mit wohl gesetzten Appellen bekämpfen. Aber wir können dafür sorgen, dass in unseren Reihen keine Mehrklassengesellschaft entsteht, dass der Status des Einzelnen keine Rolle spielt. So wie der Dialog zwischen Jung und Alt, zwischen den einzelnen Mediensparten, zwischen Journalismus und PR-Arbeitern, zwischen Anfängern und alten Hasen, zu den Pluspunkten in der GKP zählt, so sollte auch der Dialog zwischen Festangestellten und Freien, zwischen Auftragserteilenden und Auftragnehmern gepflegt werden. Das kann keine Verpflichtung sein, und wer aus der GKP austritt, weil er sich von der Mitgliedschaft mehr Aufträge versprochen hat, missversteht unseren Verband. Aber der Netzwerkgedanke gehört doch ganz wesentlich zu uns – wir sollten ihn pflegen.

Michaela Pilters



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