Hildegard Mathies kommentiert
„Setzen,sechs!?“
Die Studie „Journalismus 2009“ hat uns Journalisten kürzlich ein mittelmäßiges Zeugnis ausgestellt: Zwar vertrauen 69 Prozent der repräsentativ Befragten auf die Sorgfalt der Recherche, aber 74 Prozent gehen davon aus, dass Journalisten beim Recherchieren „über Leichen gehen“. 59 Prozent sehen uns in wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten und halten uns entsprechend für manipulierbar.
Trotzdem verzeichnet die Studie hohe Werte bei der Frage nach dem Ansehen des Berufsstandes: Immerhin 77 Prozent würden sich wohlwollend äußern, wenn ein Freund Journalist werden wollte, und 61 Prozent attestieren uns „hohes gesellschaftliches Ansehen“. Erstellt hat die Studie das Kölner Markt- und Organisationsforschungsinstitut YouGovPsychonomics in Kooperation mit der Münchener Hochschule für Medien und Kommunikation der Macromedia GmbH. Die Gesamtnote in diesem Zeugnis entspräche wohl einer 3. Bei allen Zweifeln an der Aussagekraft solcher Untersuchungen: sie spiegeln die gesellschaftliche Wirklichkeit. Können wir mit so einem Ergebnis zufrieden sein? Dürfen wir damit zufrieden sein? Nein. Denn wir arbeiten für den Rezipienten und leben davon, dass der Leser, Hörer, Zuschauer oder User unseren Informationen vertraut. Nur ein glaubwürdiges Medium ist ein zukunftsfähiges Medium in einer Zeit, in der täglich ’zigtausende Informationen jeder Art den Menschen überfluten, der deshalb nach Orientierung sucht. Wir Journalisten und Publizisten müssen uns auch deswegen arbeitsalltäglich neu in die Sorgfaltspflicht nehmen: beim Recherchieren und Formulieren, aber auch beim Umgang mit Informanten sowie als Wächter und Korrektiv von Politik, Wirtschaft, Kirche, Gesellschaft und der Medienbranche selbst.
Wir in der GKP beschäftigen uns immer wieder mit Fragen der Qualität, der Ethik und der Glaubwürdigkeit. Mit unserem Profil und unserer Arbeit engagieren wir uns medienpolitisch und dies nicht nur innerkirchlich. Wir setzen uns ein für hohe Qualitätsmaßstäbe, für starke kirchliche Medien sowie für eine fundierte und profilierte Aus- und Fortbildung junger katholischer Journalisten.
Auf der Mitgliederversammlung in Freising haben Sie Anfang April einen neuen Vorstand gewählt und mich zur Vorsitzenden unseres Verbandes. In den kommenden drei Jahren wollen wir unser Profil weiter stärken und unsere GKP als wichtigen katholischen und medienpolitisch aktiven Verband positionieren.
Hildegard Mathies
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