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Kommentare im Jahr 2004Ein gutes neues Jahr!"Ärmel hochkrempeln", sagt der Kanzler. "Wieder mehr lachen", schreibt die Kölner Express-Zeitung. "Dem Dax vertrauen", meint das Börsenbarometer. Suggerierten Aufschwung nennt man das, aber warum nicht? Klingt ja so schön optimistisch. Täte uns in der Kirche manchmal auch gut - und wir sind doch auf dem besten Weg. Weihnachten liegt zwar längst hinter uns, und die ersten Luftschlangen schmücken die Läden (es geht weiter!), aber irgendwie klingt sie noch nach, die merkwürdige, fast irritierende Botschaft des Apostels Paulus: "Freut euch, noch einmal sage ich euch, freut euch!" (Phil 4,4) Das war antiker Optimismus pur, und den muten wir uns gleich zu Beginn des Kirchenjahres zu, selten mit Freude und Zuversicht vorgetragen, sondern eher schläfrig, mit dem Mehltau rhetorischer Begabung, so dass Paulus' Botschaft eben doch nicht rüber kommt. Freuen? Hört sich ja an wie ein Tabuthema. Ich finde, wir können alles gebrauchen - in der GKP. Wir können gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, um den Verband nach vorne zu bringen, Wir können das mit etwas Freude tun (keine Sorge, wir lachen im Vorstand ziemlich häufig) und brauchen dazu eine gehörige Portion Optimismus. Wieso? Weil die GKP im 56. Jahr ihres Bestehens auf die Lebensfreude ihrer Mitglieder angewiesen ist. Die GKP lebt nicht nur von wenigen allein, die GKP - das sind über 400 Kolleginnen und Kollegen aus allen Berufsgruppen und jeder Generation. Deshalb ist die GKP nur eine erfolgreiche, nach außen und innen wirkende Gemeinschaft, wenn jeder in seinem Maß mittut, mitwirkt, mitdenkt. Sollen es noch mehr Angebote sein, die GKP-Herzen erreichen, oder müssen wir weniger anbieten, um Ausfälle zu vermeiden? Während der Kanzler fröhlich Reformen verkündet und gleichzeitig die soziale Gerechtigkeit aushöhlt, bemüht sich die GKP um stabile Preise. Eine differenzierte Zahlungsmoral der Mitglieder und verringerte Zuschüsse lassen den Vorstand zwischen Freude und Fragezeichen schwanken. Was ist der richtige Weg? Deshalb: Ärmel hochkrempeln und in der GKP mitmachen! Es lohnt sich, auch im neuen Jahr. Wir brauchen zum Glück nicht über Aufschwung in unseren Reihen zu reden, aber über Motivation. Beteiligen Sie sich in der GKP. Das wird den Dax nicht beflügeln, aber den Verband stärken. Paulus fügt übrigens seinem Freudenaufruf hinzu: "Was ihr gelernt und angenommen, gehört und ... gesehen habt, das tut." Das ist doch die beste Grundlage für aktives Mitgestalten in der GKP. In diesem Sinne: Ein gutes Neues! Matthias Kopp Gottfreie Zone?"Europa" - was geht einem nicht alles durch den Kopf bei diesem Wort: die alte Welt mit ihrer jahrtausendealten Geschichte, Bilder der großen Städte und Stätten - von Rom über Paris bis zu den großen Landschaften wie den Alpen. Und vor allem die Idee, viele verschiedene Völker, die denselben Kontinent bewohnen, zu einen - und das nicht nur durch die gemeinsame Währung, den Euro. Wenn wir ehrlich sind, ist unser Bild von Europa aber unvollständig. Denn für viele von uns endete Europa lange Zeit vor dem Eisernen Vorhang. Das muss sich nun ändern, denn die Europäische Union (EU) bekommt Zuwachs. Zehn Länder werden zum 1. Mai in die EU aufgenommen, weitere Kandidaten bereiten sich auf den Beitritt vor. Natürlich haben wir gewusst, dass Länder wie Polen und Ungarn zu Europa gehören - aber kennen wir sie? Ganz zu schweigen von Lettland, Litauen oder Estland. Es ist also jetzt Zeit für uns, dass wir uns klarmachen, wie groß Europa ist und wie viele Kulturen es hier gibt. Doch für uns Christen ist die EU-Erweiterung noch aus anderen Gründen interessant und wichtig. Wir haben die Diskussion verfolgt, ob die gemeinsame Verfassung nun einen Bezug auf Gott hin haben soll oder nicht. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage, die letztlich an unsere Wurzeln rührt - und die in die Zukunft führt: Ohne Werte kann unsere europäische Gesellschaft nicht zusammenwachsen und nicht existieren. Aber wie stark können Werte sein, die sich nicht auf festen Überzeugungen gründen, auf einem Menschenbild, das durch den Glauben an die von Gott gegebene Menschenwürde und seine sinnvollen Gebote feste Konturen erhält? Reicht da ein "irgendwie" gearteter Humanismus? Damit enden die Fragen nicht. Wenn sich Europa auf gemeinsame Wurzeln bezieht - wie weit reichen sie dann? Sind es die christlich-jüdischen Wurzeln? Müssten die muslimischen nicht hinzukommen? Welche Konsequenzen hat das? Das Thema Europa ist ein großes und vielschichtiges, das uns als Bürger der EU und als Publizisten noch lange beschäftigen wird. Wir haben es deshalb in den Mittelpunkt unserer Jahrestagung mit dem Thema "Gottfreie Zone - Bekennt sich das Neue Europa zu seiner Tradition?" gestellt. Es ist uns gelungen, hochkarätige Referenten zu gewinnen. So wie Europa von vielen Kulturen lebt, lebt eine Diskussion von vielen Meinungen. Und eine fundierte Meinung von der Kenntnis vieler verschiedener Gesichtspunkte. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele von Ihnen sich von Regensburg aus mit uns auf den Weg ins "neue" Europa machen würden. Wir freuen uns auf Sie und Ihre Meinungen, Ihre Hildegard MathiesDschungelfieberSie ging durch die Gazetten und das tagelang. Jetzt plätschert nur noch ab und zu eine Bemerkung, ein Name, ein verbales Naserümpfen durch die Medien. Ich spreche von der Dschungelsendung. Der Sendung, in der Menschen im Dschungel ekelerregende Mutproben machen mussten. Sie behaupteten, sie seien Stars und entgegen der Aussage im Titel "Ich bin ein Star! Holt mich hier raus!" beteuerten sie bei jeder Sendung, unbedingt weiter an ihre Grenzen gehen und deshalb unbedingt im Dschungelcamp bleiben zu wollen. Ich will mich gar nicht weiter über diese Sendung auslassen. Das haben Kolleginnen und Kollegen zur Genüge getan. Die Möchtegernstars sind schon genug "besungen" worden. Wie oft wollen wir das aber noch mitmachen? Eine Sendung wird angekündigt, die unser soziales, ethisches oder moralisches Empfinden zutiefst beleidigt. Dinge sollen gesendet werden, die man bei normalem Verstand wirklich nicht sehen will. Und was passiert? Es wird darüber berichtet! Und zwar in einem solchen Ausmaß, mit einem solchen Pathos, mit Beschimpfungen und nicht enden wollender Kritik, dass man neugierig wird. So neugierig, dass man nicht umhin kann, doch mal kurz - mal eben - hinein zu schauen. Und sei es nur, um wieder darüber schreiben zu können. Damit man anprangern kann, was nicht gut ist. So war es bei Big Brother mit allen Folgen im Anschluss und so war es jetzt wieder bei der Dschungelsendung. Aber hört der Wahnsinn auf? Nein, ganz im Gegenteil: Die Ideen zu Ekelsendungen und Psychospielchen vor der Kamera nehmen immer perversere Formen an. Die Leute schauen zu und die Quote stimmt! Und jede große Überschrift, jede Seite mit Kritik in den großen und kleinen Tageszeitungen verhelfen einer solchen Sendung zu noch mehr Zuschauern. Denn diejenigen, die bis dahin noch nicht zugeschaut haben, "gucken jetzt mal rein". Verstehen Sie mich nicht falsch! Natürlich muss über das, was schief läuft, was nicht in Ordnung ist, geschrieben werden. Missstände müssen angeprangert werden und es ist die Pflicht eines jeden Kritikers schlechte Sendungen zu zerreißen. Aber zollt Daueraufmerksamkeit einer solchen Sendung nicht viel zu viel Respekt? Kann man eine Kritik nicht auch deutlich rüberbringen, ohne ein Foto von Daniel Küblböck im Kakerlakenbad zu präsentieren? "Dann wird es nicht gelesen!", heißt es. Aber vielleicht doch... Beate Schneiderwind Wie war es doch mal ehedem in Klein-Europa so bequem... EU-Erweiterung und Terror fallen zwar nicht inhaltlich, aber doch zeitlich zusammen. Solche irrationalen Verknüpfungen führen zu Stimmungslagen und Atmosphären, die den Alltag grundlegend verändern können. Haben Sie sich auch schon dabei erwischt, den dunkelhaarigen Schnauzbart in der S-Bahn genauer anzuschauen und nervös zu werden, wenn irgendwo eine anscheinend herrenlose Reisetasche herumsteht? Auch wenn die Anschläge von Madrid mit dem Fall der Twin- Tower in New York nicht vergleichbar sind - der 11. März 2004 ist gleichwohl ein 11. September in kleinerem Format, mit schwer kalkulierbaren langfristigen Störungen des innern Gleichgewichts der Gesellschaften, die die Terroristen treffen wollten und empfindlich getroffen haben. Wer die Jahrestagung der GKP in Regensburg miterlebt hat, war auf die Risiken des größeren unübersichtlichen Europas, auf seine Brüche und Widersprüche vorbereitet, auch wenn niemand das Grauen von Madrid sich vorstellen konnte. Aber die Frage, was und wer zu Europa gehört und was die kulturellen Voraussetzungen für einen so großen Staatenbund sind, stand mit großem Ernst im Raum. Definieren wir den EU-Raum rein wirtschaftlich, dann mag dazugehören, wer ökonomisch kompatibel ist. Verstehen wir Europa als politische Einheit, dann soll sich uns anschließen, wer ein demokratisches System westlicher Prägung vorweisen kann. Bis hierhin entscheiden die Technokraten. Die Probleme beginnen, wenn wir Europa als Wertesystem, als kulturelle Einheit, als religiös geerdetes geistiges Gebilde verstehen. Dann beginnen die teils Angst besetzten, teils aggressiven, teils blauäugig pseudo-toleranten Reaktionen gegenüber den Bedrohungen dieser kulturellen Klammer, die Europa ausmachen soll. Dabei sind Sätze wie "Die Türkei gehört nicht zu Europa" gleichermaßen falsch wie richtig: Das christliche Abendland ist ohne die griechischen Philosophen aus Kleinasien, ohne Alexanders Reich und die Handelswege in den Fernen Osten, vor allem aber ohne Konstantinopel nicht denkbar. Was, wenn nicht die Türkei, ist dann mit Israel? Insbesondere an der Einstellung gegenüber dem Islam gibt es sicherlich auch in unserer Publizisten-Gesellschaft höchst unterschiedliche Meinungen, die meist damit zu tun haben, welche Erfahrungen der einzelne persönlich mit Muslimen gemacht und welche Konfession innerhalb dieser Weltreligion er kennengelernt hat. Am Ende sollte uns als mündige Christen vom teils einfältigen, teils auch aggressiv säkularen Gerede in der politischen Diskussion unterscheiden, dass wir wissen: An Gott geht kein Weg vorbei, wenn es um die Fundamente einer friedlichen Gesellschaft geht. Vielleicht können gerade katholische Publizisten, die zu einer Kirche stehen, die vor weniger als hundert Jahren Pressefreiheit, Demokratie und Religionsfreiheit noch mit dem Bann belegte, eine Brücke bilden zu den Neuankömmlingen in Europa und zu denen, die noch vor den Toren auf die Aufnahme warten. Der Ernst der Diskussionen in Regensburg hat gezeigt, dass wir das Zeug dazu haben. Stefan Kläsener Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, so heißt es in der Bibel. Aber auch Worte genügen meist nicht, wenn es um Beziehungen geht. Dann zählen die Gesten, kann ein Händedruck, ein Augenzwinkern oder ein angedeuteter Kuss mehr sagen als kluge Sätze. Kommunikation ist mehr als der Austausch von sprachlichen Informationen. Man muss nicht romantisch veranlagt sein, um auf die Überzeugungskraft von Blumen oder anderen Mitbringseln zu vertrauen. Ich meine nicht die verordnete und von geschäftstüchtigen Kaufleuten gut vermarktete Idee, zum bevorstehenden Muttertag (oder Vatertag) Zuneigung und Anerkennung durch Geschenke auszudrücken. Vielmehr geht es darum, dass wir Menschen angewiesen sind auf Zeichen und Symbole, im Umgang mit uns selbst, mit anderen und auch in der Gesellschaft. Ein Ehering ist mehr als ein Schmuckstück, der Schal des Fußballfans lässt ihn auf den ersten Blick als Anhänger seines Clubs erkennen. Jugendliche ahmen ihre Idole in der Kleidung, in der Mimik und im Verhalten nach, andere drücken ihren Protest gegen die "etablierte Gesellschaft" durch Piercing, Tatoos und gefärbte Haare aus - was wiederum zum Erkennungszeichen einer bestimmten Haltung werden kann. Die Diskussion um das Kopftuch türkischer Lehrerinnen hat eine Debatte verstärkt, in deren Gefolge alle religiösen Symbole im öffentlichen Dienst in Frage gestellt werden. Der Gesetzentwurf des Berliner Senats, wonach in den staatlichen Kernbereichen alle religiösen Symbole verboten werden sollen, scheint da nur die logische Konsequenz einer Entwicklung, die mit dem Kruzifix-Urteil begonnen hat. Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Prof. Hans Joachim Meyer, hat dies als Schritt auf einem falschen Weg in den Laizismus und das Recht zum Zeigen religiöser Symbole als Bestandteil der verfassungsmäßig garantierten Religionsfreiheit bezeichnet. Die deutsche Geschichte weiß um die Bedeutung von Symbolen in der Politik, und wir tun recht daran, sorgfältig und verantwortungsvoll darauf zu achten, welchen Geist unsere Kinder an den Schulen vermittelt bekommen. Aber wir können auch nicht einverstanden sein, wenn religiöse Symbole aus der Öffentlichkeit verbannt werden sollen. Auch Religion ist Beziehung und bedarf der Zeichensprache. Die frühen Christen gaben sich durch das Zeichen des Fisches zu erkennen, das Kreuz ist Erinnerung, Anspruch und Bekenntnis zugleich. Wir brauchen die Symbole unseres Glaubens gerade in einer Zeit, die sich mit dem Reden von und über Gott zunehmend schwer tut. Es geht darum, diese Symbole mit Kraft und Inhalt zu füllen, sie nicht belanglos werden zu lassen. Glaube drückt sich aus in zeichenhaften Handlungen, ob im Gebet, im Segen oder Sakrament. Es wäre ein Verlust, wenn dies nicht mehr öffentlich würde. Wenn wir unsere eigenen religiösen Symbole ernst nehmen, brauchen wir auch keine Angst zu haben, wenn andere Religionsgemeinschaften ihre Zeichensprache pflegen. Wir sollten lernen, sie zu verstehen, um darüber miteinander ins Gespräch zu kommen. Michaela Pilters Der katholischen Kirche in Deutschland geht es schlecht. Zumindest finanziell stehen einige (Erz-)Bistümer am Rand des Konkurses. In Berlin werden Gotteshäuser verkauft, Stellen gestrichen, in Aachen steht ein gutes Viertel der Hauptamtlichen im Dienst des Bistums und seiner Einrichtungen zur Disposition, in Essen ist strikter Sparkurs angesagt, und allenthalben werden in den Diözesen Stellen mit dem berühmten "kw-Vermerk" versehen: Kann wegfallen, wenn Stelleninhaber ausscheidet. Kein Wunder, dass findige Finanzdirektoren in Generalvikariaten und Ordinariaten auf die Idee kommen, neben der (durch die Steuerreform und sinkende Katholikenzahlen im Sturzflug befindlichen) Kirchensteuer auch andere Finanzquellen zu erschließen. Höhere Beiträge für katholische Schulen, Kindergärten, Dienstleistungen sind längst beschlossen. Inzwischen haben vier Bistümer sogenannte "Fundraiser" angestellt: Menschen, die (hauptamtlich und in Vollzeit) dazu eingestellt wurden, Geldquellen für die gebeutelten Bistumssäckel aufzuspüren und anzuzapfen. Beispiel Erzbistum Berlin: Eine in den Kreisen von Caritas und Hilfswerken bekannte Agentur diente sich dem Erzbistum an, und mit bekannten Mitteln (mailings, also Bettelbriefe an betuchte Katholiken) wurde Ende vergangenen Jahres ein stattliches Polster eingefahren. Plötzlich sprach man in deutschen Bistümern von "ROI" (return on invest), von "ganzheitlicher Lean-Communication", von "der Chance, Kirche ganz neu zu verkaufen". Neben den Unternehmensberatern haben die Fund-Raiser und PR-Agenturen in der Kirche Einzug gehalten. Öffentlichkeitsbeauftragte und Redakteure in Diensten der Kirche (sei es bei Kirchenzeitungen oder als Redakteure für Hörfunk, Fernsehen oder Internet) sehen sich eingefordert in Kommunikationskonzepte, die dem Fundraising dienen sollen. In Berlin hat man inzwischen wieder die Bremse gezogen. Denn so toll, wie es der ROI aus dem Dezember verhieß (und mit dem bewusste Agentur auf der Suche nach neuen Kunden als Aushängeschild durch die Bistümer zog), waren die Ergebnisse nun auch wieder nicht. Die Fund-Raising-Aktivitäten wurden im Hauptstadt-Bistum vorerst gestoppt. Was mir Hoffnung gibt auf eine ausgewogene Diskussion über Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und die Rolle kirchlicher Medien in Deutschland. Denn sich den Kurs von (Fach-)Leuten setzen zu lassen, die nur nach Zahlen gehen, würde der Kirche schaden. Sonst könnten wir den Bischof bzw. seinen Generalvikar gleich als "Boss" einer Holding bezeichnen. Jeder Getaufte wäre ein "Shareholder", doch die Aktie (s.o.) im Tiefflug. Christian Frevel Eine neue Tradition: der Elbhang feiertEin bisschen Sommerheiterkeit möchte ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, diesmal vermitteln. Mit einer Bürgerinitiative hat alles angefangen: mit dem Einsatz für die von Zwingerbaumeister Pöppelmann erbaute, völlig marode Weinbergskirche in Dresden- Pillnitz. Inzwischen ist sie für Gottesdienste und viele Veranstaltungen wieder offen. Ein Verein hatte sich für die Sanierung der gemeindelosen Kirche, die architektonisch einfach in die Kulturlandschaft des Elbhangs gehört, zusammen gefunden. Dort kam anlässlich eines Benefizkonzerts die Idee eines Bürgerfestes auf, keines einfachen Straßenfests, nein, der gesamte Elbhang sollte feiern. Hier existiert ohnehin ein eigenes Lebensgefühl, seit Jahrhunderten wohnen und arbeiten hier viele Künstler. Deren Kreativität sollte dem Fest seine besondere Note geben. Wenn Sie diese "Informationen" in der Hand halten, ist das 14. Elbhangfest schon Geschichte. Eine Tradition wurde geboren. Jedes Jahr wird das Fest zweieinhalb Tage lang unter einem anderen Motto gefeiert. Da rollte schon einmal der Orffsche "Mond" vom Blauen Wunder in die Elbe, da war im Vorjahr der Festzug ganz im Geiste des 200. Geburtstags Ludwig Richters gestaltet, der am Hang sein Atelier hatte. Szenen aus Gemälden und Kupferstichen wurden auf den Festwagen lebendig. Dieses Jahr heißt es, wie könnte es zur EU-Erweiterung anders sein, "Wenn die Böhmen mit den Sachsen...": Vitáme vás - willkommen. Die Nachbarn bringen nicht nur ihre traditionelle Blasmusik, sonder auch Klassik und Rock mit. Das Eröffnungskonzert in der Loschwitzer Kirche ist mit Messe und Pater noster den beiden Jubilaren Antonín Dvor¡ak und Leos¡ Janac¡ek gewidmet. Entlang eines böhmischen Literaturweges sind Werke alter und neuer tschechischer Schriftsteller zu hören, von den Märchen der Boz¡ena Nemcovà bis zu Milos¡ Urban, der seinen Krimi "Im Schatten der Kathedrale" selbst vorstellt. Jürgen Schröder, Abgeordneter des Europa- Parlaments, liest Texte von Vaclav Havel. Natürlich darf auch Giacomo Casanova nicht fehlen, der bekanntlich auf Schloss Dux (Duchcov), gleich hinter dem Erzgebirgskamm, 1798 starb. Die Verbindungsstraße zwischen den ehemaligen Elbdörfern ist für den Autoverkehr zwei Tage lang gesperrt. Nur per Pedes, per Rad, zu Schiff oder auf der andern Elbseite kann man die immerhin sieben Kilometer zwischen der Loschwitzer Brücke Blaues Wunder bis zum Schloss Pillnitz zurücklegen. Rast- und Rückzugsmöglichkeiten finden die, die Getümmel nicht mögen, in vielen privaten Gärten abseits der Straße. Dort kann man bei Wein oder Selbstgebackenem idyllisch sitzen, vielleicht auch mal einem Kammerkonzert auf der Gartenwiese lauschen oder einem Puppenspiel im Bogen des Hauseingangs. Denn jeder bringt seine Ideen ein, die Regie hat der Verein. Nichts wird angeordnet. Mir, als gelernter DDR-Bürgerin, ist das auch nach so vielen Jahren noch ein kleines Wunder. Sind Sie neugierig geworden aufs nächste Jahr? Ein Motto gibt es zwar noch nicht, aber das Datum steht fest: immer am letzten Juniwochenende. Vitáme vás - willkommen! Ursula WickleinEin neues Lehrstück: Katholische Kirche und MedienZwei Herren reisen aus der Ferne an und tragen ihr Anliegen einem der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor: Ein Mitarbeiter des Hauses berichte wiederholt verzerrt und unter Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht über ihre Organisation. Dazu habe man ein Dossier zusammengestellt, das man hiermit überreiche. Ein Vorgang, den es im Laufe der Geschichte der Bundesrepublik schon häufig gegeben hat. Ziemlich überraschend allerdings, dass es sich in diesem Fall bei den beiden Herren um prominente Vertreter der Katholischen Kirche Deutschlands handelte. Den Besuch traten der damals noch amtierende Generalvikar des Erzbistums Köln, Norbert Feldhoff, und sein schon designierter Nachfolger, Dominik Schwaderlapp, an. Der von ihnen überreichte Fehlleistungskatalog bezieht sich auf Artikel des aus Köln stammenden Daniel Deckers, die sich kritisch mit Vorgängen im Erzbistum auseinandersetzen. Zusammengestellt ist er offensichtlich vom Presseamt des Erzbistums, denn er ist mit dem Kürzel des Amtsleiters gezeichnet. Man weiß also in der Leitungsebene des Erzbistums Köln nicht nur, dass hinter den Kulissen Druck auszuüben auf missliebige Journalisten ein durchaus gängiges Mittel in unserer Gesellschaft ist; man greift auch selbst zu diesem Mittel. Das Gespräch über den Betroffenen wird bevorzugt gegenüber dem Gespräch mit dem Betroffenen. Die Stellungnahme von Daniel Deckers zu den Vorwürfen bleibt folgerichtig unbeantwortet. Fragt sich nur, welche Zielvorstellungen die beiden Herren bei ihrem Handeln geleitet haben. Sofortiger Rausschmiss des Unbotmäßigen? Eher unwahrscheinlich, zu naiv. Aber vielleicht ein Steinchen in einem Mosaik setzen, das mit viel Geduld dann doch einmal fertig werden wird? Die Kirche hat ja Geduld, man weiß es, und ihre führenden Herren wissen es erst recht. Es gruselt einen aber schon, wenn man überlegt, was ein solches Verständnis von Pressearbeit für die eige- ne, in der Kirche betriebene Öffentlichkeitsarbeit bedeutet. Statt von sich aus das Gespräch mit dem Journalistenkollegen zu suchen, hat der Leiter des Presseamtes ein Dossier zusammen zu stellen. Hat es auch entlastende Argumente für den "Angeklagten" enthalten? Hätte der Unbotmäßige seinen Arbeitsplatz in einem der Kirche gehörenden Medium, wäre Schweigen angesagt oder Gehen. Der Vorgang stellt ein weiteres, unglückseliges Kapitel im schwierigen Verhältnis von Kirche und Presse dar. Er zeigt, wie tief die Kirche als soziologisches Phänomen in die Strukturen einer Gesellschaft verwoben ist. Und er zeigt, dass der Beistand des Heiligen Geistes nicht bei jeder Aktion der Kirche gesichert ist. Georg StinglKreuz on tourNächstes Jahr ist Weltjugendtag. 800.000 Teilnehmer, 4.000 Journalisten: Die Planungen laufen auf Hochtouren. Eine Tour ist bereits gestartet: Die von zwei Holzlatten, mit Flügelmuttern zusammengeschraubt, 3.80 Meter in der Höhe, 1,80 in der Breite. Am Palmsonntag kam das Kreuz von Sarajevo aus in Berlin an, das ZDF widmete ihm eine ganze Gottesdienstübertragung. Seitdem reihen sich ungezählte, ja Tausende von Händen aller Generationen in Deutschland ein, dieses Kreuz zu berühren - so wie es Millionen Menschen schon vorher, genau seit 20 Jahren, getan haben. Das Weltjugendtagskreuz ist auf Tour, heute hier, morgen dort, jeden Tag an einem anderen Ort. Die einen transportieren es per Schiff, die anderen tragen es durch Felder, wieder andere stellen es im Weinberg auf, und noch einmal andere schleppen es zur nächsten evangelischen Kirche. Das Kreuz verbindet auf seinem Pilgerweg der Versöhnung, der Vorbereitungsetappe für den Weltjugendtag. Die Kreuztournee verbindet sich auch mit den Medien. In einem halben Jahr gab es gut 600 Beiträge in Zeitungen, Sendeminuten und Sendeplätze in Hörfunk und Fernsehen. Für die lokalen Medien ist das Kreuz ein Nachrichtenrenner, eben mal was anderes als Pfarrfest und Pfarreinführung. Aber mehr noch sind die Medien von den Menschen fasziniert, die dem Kreuz folgen, einfach so. Menschen, die mit dem Kreuz auf Tour gehen: Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Ungetaufte, Passanten, Neugierige. Und die Medien hinterher, mit Kamera und Mikrophon, Schreibblock und Kugelschreiber. Zwei Aussagen junger Journalistinnen, die dem Kreuz in Erfurt und in Berlin begegnet sind, haben mich beeindruckt, der täglich über das Kreuz-Medienecho staunt. Die eine sagte: "Mit Kirche habe ich nichts am Hut. Aber die strahlenden Gesichter der Spaßgeneration im Angesicht des Kreuzes haben mich überzeugt. Ihr Katholiken habt eine Botschaft." Sie drehte ihren Film für den MDR dann weiter und hat nachher selbst einmal das Kreuz berührt, ganz zaghaft. Die andere meinte: "Roten Fahnen sind wir in der DDR hinterhergezogen. Das Lächeln war von oben angeordnet. Das hier habe ich nicht erlebt: Die Begeisterung kommt aus dem Herzen", und läuft mit ihrer Kamera den Jugendlichen nach, die auf ihrer Prozession schon weiter sind. 20 Jahre pilgert das Kreuz durch die Welt, es ist zum Medienstar geworden. Das Kreuz macht Quote. Hier und da leicht abgewetzt und angeeckt, steht das Kreuz im Mittelpunkt, auch vieler Medien. Das hätte ich mir nicht träumen lassen, dass das Weltjugendtagskreuz selbst Medien begeistert in Deutschland. Wirkung nicht verfehlt, lässt sich das nur festhalten. Vielleicht hat sich schon deshalb der Weg zum Weltjugendtag gelohnt. Die beiden Bretter aus Rom haben das ihre dazu beigetragen. So symbolisch einfach kann Kirche sein - und andere anstecken, mit keinem großen Aufwand. Ohne Medien wäre dieser Erfolg kaum bekannt geworden. Gute Erfahrungen mit dem Kreuz, wenn Sie ihm in den nächsten Monaten einmal begegnen sollten, Matthias Kopp Die Macht der (Aus-) BilderKürzlich ist ein Internet-Portal für Bilder aus Religionen vorgestellt worden, das in Zusammenarbeit der Deutschen Presse-Agentur mit den katholischen und evangelischen Agenturdiensten KNA- und EPD-Bild betrieben wird. Kardinal Karl Lehmann hat bei der Präsentation nicht nur auf die wachsende Bedeutung von Bildern in der Mediengesellschaft verwiesen, sondern auch darauf, dass "die Macht der Kunst und der Bilder" wieder verstärkt bei der Glaubensvermittlung genutzt würde. Eine "funktionierende Vermittlung von qualifiziertem Bildmaterial aus der Welt der Religionen" sei deshalb wichtig. Nun geht es den Agenturkunden in der Regel weniger darum, über solche Bilder den jeweiligen Glauben zu vermitteln, als vielmehr um eine Illustration ihres aktuellen Themas. Gleichwohl ist Lehmanns Stellungnahme bedenkenswert, weil er von qualifiziertem Bildmaterial spricht. Denn das wird immer wichtiger. Der Mensch schaut zuerst aufs Bild, und der erste Eindruck ist bekanntlich prägend. In einer Zeit, in der die großen Religionen des eigenen Landes so unvertraut sind wie die fremden Glaubensrichtungen Islam oder Hinduismus, hängt also viel ab von den Bildern - sie bestimmen maßgeblich mit, wie jemand Katholiken oder Juden, Moslems oder Buddhisten sieht: Sind Nonnen frommlangweilige Betschwestern? Pflegen Juden komische Bräuche? Sind alle Moslems Fanatiker? Und die Buddhisten ewig lächelnde Weltverbesserer? Bilder bestimmen mit über das Image, und sie transportieren darüber hinaus Informationen, sind im Idealfall Abbilder der Wirklichkeit und können ohne Worte etwas erklären. Sie wecken Interesse oder lassen kalt, ziehen an oder stoßen ab. Sich die Macht der Bilder immer wieder bewusst zu machen, ist für jeden Journalisten wichtig. Denn nicht nur der Fotograf ist gefordert, der einen guten Blick braucht, sondern auch die Agentur mit ihren Kunden, die die Bilder mit Texten versehen und in Zusammenhänge stellen. Verantwortungsbewusstsein ist gefragt - vor allem im Zeitalter der Computertechnik, die Bildbearbeitung so einfach macht, dass dabei kaum noch jemand an Manipulation denkt. Doch das alles werden nur leere Worte sein, wenn der Trend weiterhin in Richtung Sparen geht: Es wird vielerorts nicht unbedingt an der Ausrüstung gespart, wohl aber an der Ausbildung - sei es der Fotografen oder der Redakteure, die deren Produkte verarbeiten. "Qualifiziertes Bildmaterial" umfasst neben Technik und Können auch ethische Maßstäbe, die bei der Produktion und Verwendung eine Rolle spielen. Sich entsprechend immer wieder für Qualität in der Aus- und Fortbildung einzusetzen, sollte ein Anliegen aller GKP'ler bleiben. Kardinal Lehmann setzt sich als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz mit Recht für eine "funktionierende Vermittlung von qualifiziertem Bildmaterial aus der Welt der Religionen" ein. Die Ausbildung von katholischen Journalisten durch das ifp und die KNA dient auch dieser Aufgabe. Liegt es da nicht nahe, beide Einrichtungen mit verstärktem Einsatz zu fördern? Hildegard Mathies Es weihnachtet sehrGlänzende Kinderaugen, die beim Anblick des lila Schokoladenweihnachtsmanns verzückt in die Kamera blicken, strahlende Ehefrauen, die mit der Wahl des richtigen Kaffees die Schwiegermütter glücklich gemacht haben, jubelnde junge Menschen, deren Geschenke per Internet ersteigert wurden und vieles mehr suggeriert uns in dieser Zeit die heile Welt der Advents- und Weihnachtszeit durch Konsum. Wie heil ist eine Welt, in der die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und Furcht vor dem sozialen Abstieg die Bürgerinnen und Bürger auf die Straße gehen lassen, um gegen die anstehenden Reformen zu demonstrieren. Die Menschen wollen sich mit der Gesundheitsreform und mit Hartz IV nicht abfinden. Sie sehen ihre Existenz bedroht. Der Kanzler bleibt hart auf Kurs und Sozialverbände denken sich andere Modelle aus. Modelle, die in den Augen derer, die sie erdacht haben, gerechter sind. Dennoch bezweifle ich, dass diese besser beim Volk ankämen. Die Menschen haben Angst vor jeder Art der Veränderung, die sie ganz persönlich betrifft. Und was ist persönlicher als die Angst davor zu verarmen, sich weiter zu verschulden oder Arbeitsstellen annehmen zu müssen, die einem aus tiefsten Herzen zuwider sind. Armut in Deutschland - vor ein paar Jahren wäre das noch undenkbar gewesen. Karstadt/Quelle, Opel, VW - welcher große Konzern droht als nächster mit Entlassungen, Kürzungen oder Schließung? Dieses Land erschüttert eine Verunsicherung, die unsere Wirtschaftsmagnaten nie für möglich gehalten haben. Von einem sicheren Arbeitsplatz spricht niemand mehr. Nicht einmal bei der Kirche sind die Stellen noch gesichert. Viele Bistümer haben keine verfügbaren Gelder mehr und Kindergärten, Regionalstellen und andere kirchliche Einrichtungen werden geschlossen. Entlassungen, Lohnkürzungen, Umstrukturierungen gehen damit einher. Wer in die Altersteilzeit gehen kann, hat noch Glück, auch wenn das weniger Rente bedeutet. Was bedeutet Weihnachten in einer solchen Zeit? Nach Aussage des Leiters des Hamburger BAT-Freizeitforschungsinstituts, Horst W. Opaschowski, kürzlich von KNA interviewt, werde der Konsum in der Weihnachtszeit durch ein anderes "Luxusgut" ersetzt: Zeit! Gesteigerte Lebensqualität bedeutet laut Opaschowski für immer mehr Menschen Zeit zum Leben, Zeit für sich und andere zu haben. Und sich Zeit zu nehmen und zu besinnen, ist ein grundlegender Charakterzug der Advents- und Weihnachtszeit. Eine Besinnung auf das Wesentliche kann berechtigte Ängste nicht vertreiben und drohende Armut nicht verhindern. Aber den Konsum durch wahre Güter zu ersetzen, sich Zeit und Muße für andere zu nehmen und den Menschen hinter all den Fassaden aus Pomp und Glanz wieder zu entdecken - das ist sehr wohl erstrebenswert. Vielleicht nutzen ein paar kluge Köpfe die Zeit der Muße, ein paar gute Ideen zu entwickeln, die uns aus der Misere führen. Und vielleicht besinnt sich dann auch der ein oder andere, der an den Schalthebeln der Macht sitzt, wieder darauf, was Menschen- und Nächstenliebe bedeutet, und ist für gute Ideen empfänglich. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Weihnachtzeit und alles Gute für das kommende Jahr. Beate Schneiderwind |



