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schluss von Publizisten, die versuchen, aus christlicher Verantwortung auch im Beruf ihren Dienst für Gesellschaft und Kirche zu leisten. Mehr dazu
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Kommentare im Jahr 2003

Für die Katz

Dass bereits im September die ersten Lebkuchen und Spekulatius in den Supermarkt-Ketten auftauchen, daran haben wir uns längst gewöhnt. "Es wird ja niemand gezwungen, sie dann schon zu kaufen", wird den Bedenkenträgern entgegengehalten. Und zu den Glaubensinhalten gehören die süßen Sachen ohnehin nicht - warum sollten wir uns als Christen also darüber aufregen?

Auch ein Adventskalender gehört nicht zum depositum fidei. Und dennoch rege ich mich auf über eine Annonce, die ich dieser Tage gesehen habe: Werbung für einen Adventskalender für den Hund, und einen für die Katze. Damit der Liebling auch was von den besinnlichen Tagen hat, darf er jeden Tag ein Türchen öffnen (wobei mir technisch unklar ist, ob das Haustier dazu erst dressiert werden muss) und einen tierischen Leckerbissen erobern. Ich halte das für eine Geschmacklosigkeit, die mit der Zeit der Erwartung auf Weihnachten aber auch gar nichts mehr zu tun hat.

Nichts gegen die Liebe zu unseren Mitgeschöpfen, aber hier treibt sie doch seltsame Blüten. Ochs und Esel im Stall haben das göttliche Kind mit ihrem Atem gewärmt, in sehnsüchtiger Erwartung des Messias haben sie in den Tagen vorher sicher nicht gelebt. Wenn es uns schon nicht mehr gelingt, unseren Kindern und Mitmenschen den Sinn der Adventszeit deutlich zu machen, brauchen wir es nicht an die Tiere zu delegieren! Werbung ist mehr als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Sie ist ein notwendiger Bestandteil unserer Wirtschaft, und ich zolle den Kollegen und Kolleginnen in den Marketingabteilungen und Agenturen hohen Respekt für gelungene Kampagnen und Spots.

Doch wenn Geiz zur neuen Tugend stilisiert wird, die Lüge belohnt wird mit besonderen Köstlichkeiten und das Klauen eines Autos als Chance dargestellt wird, rechtzeitig zu einem bestimmten Möbelhaus zu kommen, dann stimmt etwas nicht. Beschwerden beim Deutschen Werberat beziehen sich weitgehend auf sexistische Anspielungen. Es ist gut, dass die Menschen diesbezüglich sensibel geworden sind. Eine Be- schwerde gegen den Adventskalender für Hunde hätte aber vermutlich keinerlei Aussicht auf Erfolg, sie wäre ebenso für die Katz wie eine gegen den "geilen Geiz". Hier werden weder Menschenwürde noch religiöse Gefühle verletzt, sondern "nur" der gute Geschmack.

Da hilft nur, dass wir als Konsumenten solche Produkte boykottieren, als Journalisten solche Entgleisungen der Sprache und der Ethik immer wieder aufspießen und anprangern und die Kolleginnen und Kollegen in den Agenturen sich bessere Werbung einfallen lassen. Ihnen allen, ob mit oder ohne Adventskalender, eine besinnliche Adventszeit und frohe Feiertage, wünscht

Michaela Pilters




Von Hunden,Katzen und Stolpersteinen

Ihr könnt alle nicht schreiben, lächelte 1990 ein alter Wochenzeitungs-Redakteur, als ich für vier Wochen zum redaktionellen Umlernen aus Dresden nach Stuttgart abgeordnet war. Bislang hatte ich im Feuilleton einer DDR-Bezirkszeitung als ausgesprochen gute Schreiberin gegolten. Bei der von den Stuttgartern neu gegründeten Zeitung wollte ich endlich ohne Tabus journalistisch arbeiten. Nun dieser Schock. Es galt also, auch das Schreiben neu zu lernen. Verlangt wurde eine offenere, anreißerische, eine - andere - Sprache, begriff ich bald. Die Kunst, manches zwischen den Zeilen zu verpacken, war ja wirklich nicht mehr nötig. Aber damals war es doch eine, und die Leser hatten die leiseste Andeutung verstanden und mich oder meine Kollegen oft genug darauf angesprochen. Sie hatten eine Art entwickelt, hinter das Schwarzweiß zu sehen oder wenigstens zu ahnen, dass es unter der Oberfläche noch etwas gab.

Das fiel mir wieder ein bei den Diskussionen um journalistische Qualität, an denen sich die GKP zurecht beteiligt. Fordert anspruchsvoller Journalismus nicht auch den anspruchsvollen Leser, Hörer oder Zuschauer? Ich wage zu träumen: Vielleicht gefiele es so einem gar, noch etwas zwischen den Zeilen zu entdecken? Doch längst scheint diese Gattung Leser nahezu ausgestorben zu sein. Zu groß ist der tägliche Papierberg, der entsorgt werden muss. Zudem: 270.000 Analphabeten, meldete kürzlich der MDR, soll es allein in Sachsen-Anhalt geben, und es fiel dabei das gewichtige Wort von der "Last der Lektüre", der mit Hilfe audiovisueller Informationen immer leichter zu entgehen sei. Ein Trost für die Kollegen von Hörfunk und Fernsehen. Aber ein schwacher, denn Sprache und Denken, hatte ich einmal gelernt, hängen zusammen. Und wollen trainiert werden.

Light, light, light aber ist das Motto der Redaktionen in meinem Umfeld. Beispielsweise erfahre ich anstelle einer literarischen Rezension, die zugegebenermaßen nicht die Auflage steigert, aber vielleicht eine kleine Lesergruppe bei der Stange hält, neuerdings in meiner Zeitung "Was liest Frau X"? Ich kenne Frau X nicht, aber freue mich, dass sie überhaupt liest - wenn auch nur ein Buch über Hunde. Leichte Kost wird geboten, damit sie der Konsument leicht schlucken kann. Doch vielleicht kann der Konsument am Ende nur noch leichte Kost schlucken? Hier beißt sich die berühmte Katze in den Schwanz.

Einen Weg, der aus diesem Teufelskreis heraus führt, weiß ich nicht. Wenn einer gefunden wird, vermute ich, wird es am Ende einer sein, der nicht glatt und geebnet ist, einer, auf dem auch ein paar Stolpersteine liegen. Ich bin für Stolpersteine.

Ursula Wicklein

Was behindert journalistische Qualität?

In der Redaktionskonferenz, so berichtete ein Kollege der staunenden Zuhörerschaft, ginge es bei der Themenauswahl nur noch darum, welche Artikel mit Co- Geschäften verbunden seien: "Bezahlte Artikel über Wellness-Hotels, Reise und Ähnliches - entscheidend ist, was von außen Geld einbringt." Die Qualität des Themas spiele keine Rolle mehr, so der Bericht aus dem Alltag auf dem GKP-Kolloquium in München zum Thema "Qualität oder Quote?". Ähnliche Situation in den Fernsehredaktionen: "Das Verlangen nach Quote erschwert die Bedingungen, Qualität zu produzieren", meinte Rolf Lautenbach, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Und fand dabei Unterstützung durch Volker Schulze, den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), der meint: "Wenn die Gesellschaft Sitcoms will, wie sie derzeit nicht mehr nur in den privaten Sendern laufen, dann werden Journalisten zu Funktionsträgern dieses gesellschaftlichen Willens." Mit Qualitätsanspruch habe das nichts zu tun. Überhaupt, die Qualität. Sie sei schwierig zu definieren, war man sich einig, wenn auch Prof. em. Hans Wagner aus München versuchte, zumindest die Nachrichtenarbeit als wichtigstes qualitatives Merkmal für den Journalismus zu definieren. Und Ulrike Kaiser, Chefredakteurin des "journalist" und Moderatorin der "Qualitätsinitiative Journalismus", verwies auf die "Qualitäts-Charta", die wichtige Rahmenbedingungen für Journalisten aufzeige.

Denn journalistische Qualität fällt nicht vom Himmel. Journalisten benötigen für gute und saubere Arbeit Zeit, Ressourcen, eine fundierte Ausbildung und Kollegen, die gegenlesen, kritisieren, mitdenken. Im Prinzip wissen darum auch die Ausbilder, wie es P. Roger Gerhardy vom IFP, der katholischen Journalistenausbildung, berichtete. Doch nicht alles kann gelehrt werden und wird gelehrt.

Die richtigen Rahmenbedingungen werden in vielen Redaktionen durch die wirtschaftliche Krise beschnitten. Sparmaßnahmen seien der Gegner von Qualität: "Wertarbeit hat ihren Preis", betonte Rolf Lautenbach auf dem GKP-Kolloquium.

Dass die GKP ihre eigenen Ansprüche an journalistische Qualität hat, versteht sich von selbst. Steht sie doch für Werte, ein christliches Menschenbild und Kollegialität ein. Diese Kriterien wurden in München als maßgebend für journalistische Qualität genannt. So auch das Gespräch unter den Kollegen, über die Alters- und Hierarchiegrenzen hinweg. So wie es in der GKPseit jeher üblich ist.

GKP-Vorsitzende Michaela Pilters konnte daher mit Überzeugung sagen, dass der Verband am Thema "Qualität dranbleibe". Das Reden über journalistische Qualität hat Konjunktur. In der GKP nicht erst seit gestern.

Christian Frevel




Neue Fronten im Verteilungskampf

"Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft erhalten", hat ein Nachwuchsfunktionär einer Partei geschrieben, die sich mit ihrem Namen als "christlich" definiert und damit signalisiert, dass sie ihren politischen Entscheidungen ein christliches Menschenbild zugrunde legt. Man darf auf die Karriere von Herrn Mißfelder in dieser Partei gespannt sein. Vom sprachlichen Standpunkt aus betrachtet, hat er sich als Politiker des Medienzeitalters jedenfalls bestens qualifiziert. Wem gelingt es schon, in einem einzigen Satz die Bedeutung eines Wortes in ihr Gegenteil zu verkehren? Im Namen der Solidarität Kranken Hilfe zu verweigern, das hat wahrhaft Talkshow- und Diskussionsrundenqualität.

Doch wirft die Aussage auch ein Licht auf die Kurzsichtigkeit, mit der das Knirschen im Sozialgefüge reflexartig als Generationenkonflikt ausgemacht wird, zu dessen Lösung es reicht, an einem Ende, bei den Alten nämlich, zu sparen, am anderen Ende die Belastung der Arbeitsleistung so weit zu erhöhen, dass sie gerade noch erträglich bleibt und nicht in Arbeitsverweigerung der Betroffenen umschlägt.

Aber es mehren sich die Zeichen, dass dieses Mal ein solches Herumwerkeln eben nicht reicht. Die beliebten "Stellschrauben" bei der Belastung der in Lohn und Brot Stehenden sind schon zu fest angezogen worden. Dafür die jetzt wirklich Alten, die im Krieg die Knochen hingehalten haben, die den Aufbau nach dem Krieg bewerkstelligt haben, die trotz alledem genügend Kinder groß gezogen haben, zur Regeneration der Gesellschaft zu Einschränkungen zwingen? Eine schöne Solidarität der Jungen gegenüber den Alten wäre das! Und die Ursachen der drohenden Katastrophe sind immer noch nicht angegangen. Unsere Sozialsysteme kranken nicht am Generationenkonflikt zwischen Jung und Alt, sondern am Konflikt innerhalb der Generationen. Selbstverwirklichung als höchster Wert hat mit der Generation, die jetzt kurz vor dem Renteneintritt steht, auf breiter Front und bis jetzt dauerhaft Verantwortung für die Gemeinschaft verdrängt. Mit kinderlosen Lebensabschnittspartnerschaften und beruflich äußerst erfolgreichen Singles sind unsere Sozialsysteme nicht zu erhalten. Natürlich kann und soll niemand zur Familiengründung gezwungen werden, und staatliche Zeugungsprämien bleiben erfahrungsgemäß auf Dauer wirkungslos. Eine Überprüfung der Beitragsregelungen mit Blick auf den individuellen Gesamtbeitrag zum Funktionieren der Generationen übergreifenden Sozialsysteme sollte aber kein Tabu sein.

Heute wird neu deutlich, dass unser soziales Gesellschaftssystem nur dann dauerhaft bestehen kann, wenn die Bürger sich nicht nur verbal zu ihm bekennen, sondern auch in ihrer großen Mehrheit einen Lebensstil pflegen, der die Grundlagen einer solidarischen Absicherung gegen Lebensrisiken nicht zerstört. Die christliche Rede von der Familie mit Kindern als Keimzelle der Gesellschaft erfährt Bestätigung jenseits einer moralisch-ethisch oder biologisch begründeten Argumentation.

Georg Stingl

Anders reisen

Wenn es jetzt wieder in die vermeintlich schönsten Wochen des Jahres geht, kommen auf uns viele neue Erfahrungen zu. Zum Leidwesen der Tourismusbranche haben Terrorangst und knappe Konsumentenbudgets dazu geführt, dass die Deutschen vermehrt "erdgebunden" reisen, wie es die Fremdenverkehrsexperten nennen. Also Nordsee statt Mittelmeer, Allgäu statt Atlas, Ost- statt Übersee. Das ist unter ökologischem Blickwinkel keine schlechte Entwicklung. Aber es gibt auch eine Schattenseite.

Denn Reisen bildet. Fremde Kulturen lassen die eigene bewusster werden, werfen Fragen auf, die sonst im Trott des Alltagseinerleis verdrängt werden. Ein Beispiel: Wer im Urlaub dem Islam, dem Buddhismus oder Hinduismus begegnet, wird sich vielleicht auch seines Christseins bewusster.

So betrachtet können Reisen gar nicht weit genug in die Ferne führen. Gerade als katholische Christen können wir doch unsere oft beengte deutsche Sichtweise nur öffnen, wenn wir Katholizität im Wortsinne erleben, nämlich die ganze Weite und Buntheit der Weltkirche. Manchen Neokonservativen in der Kirche stünde es gut an, die Erfahrung zu machen, dass katholische Priester verheiratet sein können (nämlich bei den unierten Christen) und dass es in Gottesdiensten laut und lustig zugehen kann.

Zugleich können wir uns im Urlaub mit den Christen vor Ort solidarisch zeigen. Insofern ist es besonders bedauerlich, dass die Pilgerreisen, aber auch der Strandtourismus ins Heilige Land praktisch zum Erliegen gekommen ist. Wer weiß denn, dass es katholische und evangelische, orthodoxe und armenische, syrische und griechische Palästinenser gibt? Haben die nicht ein Anrecht, in Notzeiten von uns aufgesucht zu werden? Ich glaube, dass uns bewusst katholischen Journalisten und Publizisten hier eine große Verantwortung zukommt. Wer, wenn nicht wir, soll denn zwischen den Kulturen vermitteln, deren Bestimmung eben nicht der Kampf (Samuel Huntington) sein darf? Das gilt in besonderer Weise für den Islam. Wer einmal aus der Nähe die Konflikte beobachtet hat, die beim Bau einer Moschee in unseren Breiten aufbrechen, der erkennt sehr schnell das erschütternde Unwissen über diese Weltreligion, die eben nicht nur grausame Epochen (wie das Christentum auch) aufweist, sondern Phasen einer faszinierenden Hochkultur und Dekaden einer generösen Toleranz, übrigens auch gegenüber Juden, geprägt hat.

Das vielleicht Schönste in unserem Verband ist, dass wir diesem Auftrag mit den jährlich angebotenen gkp- Reisen so einfach gerecht werden können. Das ist ein Schatz, der in unseren Berufen nicht hoch genug gewertet werden kann, und es ist ein Pfund, mit dem jeder in den Zeiten wuchern kann, in denen die Welt zugleich unübersichtlicher wird und enger zusammen rückt. Und es ist die schönste Gelegenheit, sich menschlich näher zu kommen und auszutauschen. Gute Reise!

Stefan Kläsener





Da kommt etwas auf uns zu

Der Begriff ist nicht mehr neu. Manche sagen sogar, er sei out. Die Sache an sich ist allerdings noch sehr in und wird in Kirchenkreisen immer wieder neu entdeckt. Die Rede ist von dem so genannten Event oder, noch präziser, dem religiösen Event.

Katholikentage sind nun wirklich nichts Neues für uns. Ja, seit Jahrzehnten sind sie eine Institution im Rahmen des kirchlichen Lebens und damit natürlich auch in der katholischen und außerkatholischen Berichterstattung. Aber Massenzusammenkünfte unter religiösem Vorzeichen und bestimmten Themen häufen sich in den nächsten Jahren. Den Ökumenischen Kirchentag werden wir, wenn diese Ausgabe der "Informationen" erscheint, bereits hinter uns haben; sowohl diejenigen, die als Pressesprecher einen guten Platz für ihren Verband oder Verein in der Presse ergattern konnten, als auch diejenigen, die sich entschieden hatten, über den Ökumenischen Kirchentag zu berichten. Doch statt wie in den Jahren zuvor Pausen zu haben und sich anderen Themen widmen zu können, folgt - wie wir wissen - im nächsten Jahr schon ein Katholikentag und im Jahr darauf der Weltjugendtag 2005.

Letzterer wird uns alle mit Sicherheit intensiv beschäftigen. In Toronto konnte man es erleben: Berichterstattung rund um die Uhr, Aber, was waren die Inhalte? Der Papst ist da, er begeistert die Jugendlichen, er zieht sie an wie ein Magnet, junge Leute brechen wie bei manchem Popstar in Hysterie aus. Jugendliche können noch beten, suchen Spiritualität und freuen sich auf ihre eigenen Bischöfe. Allein diese Beobachtung ist schon großartig, nicht jeder hätte damit gerechnet. Nun kommt also der Weltjugendtag zu uns, und wir sind gefragt, wenn es darum geht, seine Botschaft zu vermitteln.

Diese könnte schlicht lauten, Religion ist nicht out. Religiöse Events sind gefragt, und dies ist schon sehr viel. Ist es uns denn möglich, nur über die Freude am Glauben junger Menschen zu berichten? Oder ist es typisch deutsch, dass wir nach Inhalten suchen, die über die Freude an sich hinaus gehen? Wir sind es gewohnt, über Katholikentage zu berichten, die angereichert sind mit politisierenden und religiösen Auseinandersetzungen; mit Fragen nach der Zukunft von Kirche und Gesellschaft - und das ist gut so! Vielleicht ist es an der Zeit, den goldenen Mittelweg zu gehen. Ich glaube nicht, dass der Weltjugendtag 2005 in Deutschland sich ohne Unterschied einreihen kann in die vorherigen. Wir Deutschen können nicht anders, als immer wieder auch unsere religiösen Events mit Inhalten zu füllen. Auch das ist gut so! Aber es ist auch gut zu sehen, dass es junge Menschen gibt, die sich freuen können, an Gott zu glauben. Es ist schön, wenn Menschen miteinander ihren Glauben feiern, gemeinsam beten und dabei so viel Freude ausstrahlen, wie ich es in Toronto erleben konnte. Lassen wir zu, dass sich die pure Freude am Glauben und die Auseinandersetzung mit Religion und Gesellschaft ergänzen. Unsere Kreativität ist gefragt, aber auch unser abwarten können, auf das, was das passiert.

Beate Schneiderwind




55 Jahre jung!

An Geburtstagen gibt es oft Blumensträuße. Und vielleicht ein Fläschchen Sekt. Manchmal auch Festschriften. Die letzte der GKP ist fünf Jahre alt: 1998 haben wir unser 50-jähriges Bestehen gefeiert, in diesem Jahr sind es 55 Jahre. Das ist natürlich kein Grund für eine neue Festschrift, aber immerhin der Erinnerung wert. Denn auch an einem runden Jubiläum kann der Verband ein wenig über seine Zukunft nachdenken: Quo vadis, GKP, hieße die Frage.

Seit Speyer ist ein neuer Vorstand gewählt, viele Aufgaben liegen vor uns: Von der Finanzlage über neue Mitglieder bis hin zu einem für alle Kolleginnen und Kollegen und Altersstufen attraktiven Programm. Fast will man meinen, dass im Jahre 55 nach der Gründung die Aufgaben die gleichen sind wie damals. Stimmt, irgendwie. Aber vielleicht doch unter veränderten Vorzeichen: Zuschüsse sind keine Selbstverständlichkeit mehr, Journalistenverbände gibt es in Deutschland wie Sand am Meer, und selbst innerkirchlich bemühen wir uns, mit verschiedenen Verbänden identische Personengruppen anzusprechen. Das ist nicht schlecht und muss nicht automatisch als Konkurrenz angesehen werden. Um Kooperationen sind wir dabei bemüht, vor allem mit dem Katholischen Medienverband KMV. Aber es wird bei immer enger werdenden Finanzmitteln und den sehenswerten Programmen anderer Anbieter unsere vorrangige Aufgabe sein müssen, das Profil der GKP weiterhin fest im Blick zu haben, hier und da sicherlich auch zu schärfen. Und das kann nicht allein Aufgabe des Vorstandes sein, der von der ohnehin knappen Zeit noch mehr Zeit für Sitzungen, Planungen und öffentliche Vertretungen des Verbandes investieren muss. Die GKP ist im Alter von 55 Jahren so lebendig, wie sich ihre Mitglieder einbringen. Engagement ist gefragt und nicht die Delegation der Arbeit an jene allein, die in Speyer gewählt worden sind. Die werden die Arbeit gerne tun, aber sie hängen vom Ideenreichtum der Mitglieder ab. Und da hat die GKP mit immerhin 479 Personen einiges an Personal zu bieten. Es wäre deshalb im 56. Jahr ihres Bestehens ein Armutszeugnis für die GKP (und damit sind alle die GKP bildenden Mitglieder gemeint), wenn Veranstaltungsangebote ufgrund von zu geringem Zuspruch bgesagt werden müssten. Dabei bleibt sich der Verband seines Auftrags der vergangenen fünf Jahrzehnte treu: journalistische und spirituelle Angebote gleichermaßen zu ermöglichen.

Wenn man 55 Jahre alt oder jung ist, kann man sich sicherlich auch häufiger in der Öffentlichkeit äußern. Die GKP hat das in der Vergangenheit immer wieder getan, aber – wie ich meine – nicht oft genug. Hier und da ein Kommentar zu aktuellen Vorgängen in der Medienpolitik, ethische Stellungnahmen zu politischen Konflikten und konstruktive Diskussionsforen zu gesellschaftlich und kirchlich relevanten Debatten dürfen im täglichern Allerlei der Vortands- und Geschäftsstellenarbeit, aber auch dem real existierenden Mitglied nicht fehlen. 479 Journalistinnen und Journalisten in Deutschland sind eine Stimme – und die gilt es hörbar zu machen.
In diesem Sinne sei der GKP für den 55. Geburtstag ein bunter Blumenstrauß an Ideen ihrer Mitglieder gewünscht. Und: Ad multos annos!
Matthias Kopp





Im Trend

Nun wissen wir also, was Katholiken glauben, oder besser: was sie nicht glauben. Im Auftrag der Medien-Dienstleistung GmbH (MDG) hat das Institut für Demoskopie Allensbach den Trendmonitor "Religiöse Kommunikation 2003" erhoben und dafür repräsentativ ausgewählte 2728 Katholiken ab 16 Jahren befragt. Bei der Vorstellung der Studie am 20./21. Februar in Köln konnten durch die Einbeziehung früherer Daten auch Entwicklungen aufgezeigt werden. Das Fazit lautet kurz und bündig: Kein Aufbruch, aber auch kein weiterer Abbruch. Zahlen sind interpretierbar und müssen auch eingeordnet werden. In den Bistumszeitungen ist zu lesen, dass die Zufriedenheit der Leser deutlich gestiegen sei und das Image verbessert werden konnte. Kritische Tageszeitungen bemerken, dass das Zutrauen der Katholiken zu ihrer eigenen Kirche erheblich abgenommen hat und der Hälfte der Gläubigen die Kirche nicht viel oder gar nichts bedeutet. Und in der Tat gibt es zu denken, wenn nur 55 Prozent der Katholiken an den dreifaltigen Gott glauben.

Auf jeden Fall wird aber bestätigt, dass sich die Anstrengungen in Hinsicht auf Qualität und Professionalisierung auszahlen, dass auch die kirchennahen Ka-tholiken über kritische Themen informiert werden wollen und nur eine Minderheit in den kirchlichen Medien nur papstkonforme Töne hören will.

Die Studie bietet eine Fülle von Material, das für Journalisten aller Sparten wertvolle Hinweise darauf birgt, was ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer interessiert, was sie erwarten von den unterschiedlichen Medien und welche Angebote genutzt werden. Sie bestätigt aber auch die Regel, dass sich diejenigen, die ohnehin schon erreicht werden, immer noch mehr vorstellen könnten (z.B. einen eigenen kirchlichen Fernsehkanal nutzen würden), während die Gleichgültigen kaum durch neue Angebote gelockt werden können. Sollen also durch Verbesserungen die zufriedengestellt werden, die ohnehin schon weitgehend zufrieden sind, lohnen sich Investitionen für die "happy few"? Oder konzentriert man die Kräfte auf die Zufallstreffer, auf die Präsenz in den säkularen Medien und stärkt die für den Nutzer kostenlosen Medien wie Pfarrbrief und Internet? Die Frage nach einem publizistischen Gesamtkonzept, das die GKP immer wieder angemahnt hat, wird hier erneut gestellt.

Zu den Ergebnissen der Umfrage gehört auch die Verknüpfung von persönlicher und medialer Kommunikation. Wer gute Kontakte zum Pfarrer, zur Gemeinde hat, sucht auch die Information über die Medien; eine Blockade im personalen Bereich ist auch durch die Zeitungen nicht zu lösen. Der Ruf nach glaubwürdigen Vertretern des Katholizismus, sei es bei den Amtsträgern, sei es bei den Gläubigen, ist nach wie vor eine Schlüsselfrage.

Die GKP wird ihren Beitrag zur Vernetzung der Kommunikatoren, zur Forderung nach professionellen Bedingungen und zur Förderung der Qualität im Journa-lismus gerne leisten. Wir sind bereit, weiterhin unsere Erfahrungen und Kompetenzen einzubringen.

Michaela Pilters



Katholische Medienpublizistik - wohin?

Mit einem so lautstarken Echo auf den Beschluss, das Katholische Institut für Medieninformation (KIM) in Köln aufzulösen, hatte der Verband der Diözesen Deutschlands wohl nicht gerechnet. Pliltiker und prominente Journalisten, Medienkritiker und auch die Medienbeauftragten der evangelischen Kirche warnten heftigst davor, die im KIM erscheinenden Publikationen "film dienst" (fd) und "Funk-Korrepondenz" (FK) einzustellen: Zeichen der Hochachtung vor Produkten, die sich durch ihre Arbeit und Qualität Anerkennung erworben haben.

Was war geschehen? Die Bischöfe hatten eine Kommission eingesetzt, die in ihrem Auftrag den katholischen Medienwald durchleuchten soll. Zuviel Geld wird dort nach Ansicht der Bischöfe zugeschossen, und neue Aufgaben in der Publizistik (Stichwort: Kirchenportal im Internet) verlangen zusätzliche Investitionen. Die Kommission, in der vor allem Vertreter der Generalvikariate sitzen, entschied sich dafür, das schwer defizitäre KIM aufzulösen - weil die "Verhältnismäßigkeit des finanziellen Aufwands" innerhalb des KIM, so heißt es in einer Presserklärung der Deutschen Bischofskonferenz, nicht angemessen war: "Der in den letzten Jahren sprunghaft gestiegene Zuschussbedarf des KIM kann nicht mehr finanziert werden."

Dabei hatte gerade auch die Publizistische Kommission der DBK die Arbeit der Redaktionen im KIM stets hoch gelobt, das neue (und teure) Layout des filmdienst war vom Vorsitzenden der Kommission, dem Münsteraner Weihbischof Friedrich Ostermann, sogar gegen Widerstände verteidigt worden. Dennoch: In dieser Art gab es für das KIM keine Mehrheiten mehr bei denen, die bei der Vergabe der Zuschüsse für die kirchlichen Medien das Sagen haben. Die Suche nach neuen Strukturen hatte zumindest für den filmdienst bisher bereits Erfolg - er soll nach Aussagen des Leitenden Redakteurs Horst Peter Koll in einer eigenen Gesellschaftsform weitergeführt werden. Wie die aussieht, ist derzeit noch offen.

Klar ist, dass dies nicht das "Ende kirchlicher Medienpublizistik" ist, aber ein schwerer Schlag, und zwar für die gesamte Publizistik. Das machen die Grußworte deutlich, die anlässlich des 50jährigen Bestehens der Funk-Korrespondenz die Bedeutung dieser Zeitschrift herausstellen.

Ohne die FK fehlte dem Medienmarkt in Deutschland ein ernst genommener Mahner, ein wichtiges Korrektiv. Ich hoffe, dass es auch für Funk-Korrespondenz noch ein morgen gibt. Wenn am Umfang gespart werden muss: Nun ja. Aber bitte nicht an der Qualität. Bedauerlich ist, dass der Beschluss über das Ende des KIM gefasst wurde, ohne alternative Trägerstrukturen zu planen.

All dies zeigt: Immer noch fehlt ein schlüssiges Konzept für die kirchliche Publizistik in Deutschland. Die Suche nach effizienteren Trägerstrukturen für fd und FK kann nur ein erster Schritt sein.

Christian Frevel