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schluss von Publizisten, die versuchen, aus christlicher Verantwortung auch im Beruf ihren Dienst für Gesellschaft und Kirche zu leisten. Mehr dazu
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Kommentare im Jahr 2009

Januar


Berhard Rude kommentiert

Absturz und Aufbruch

Die Analyse klingt ernüchternd: „Wir stehen am Ende der Selbstlüge, dass ein Wirtschaftssystem sich unendlich über Schulden weiterentwickeln kann.“ So fasst Henry Kissinger im Magazin „Cicero“ die derzeitige Situation zusammen und fährt fort: „Jedes Wirtschaftssystem, vor allem aber die Marktwirtschaft produziert Gewinner und Verlierer. Wenn der Abstand zwischen beiden zu groß wird, dann organisieren sich die Verlierer politisch und versuchen, das bestehende System zu ändern – innerhalb von Staaten und auch zwischen ihnen.“

Aber nicht nur die Finanzwelt versucht festen Boden unter den Füßen zu gewinnen, auch die Medienwelt ist derzeit orientierungslos. Zeitungen und Zeitschriften suchen den richtigen Kurs in einer Welt, in der die nächste Generation, die früher ganz selbstverständlich zu den künftigen Lesern zählte, sich nunmehr im Internet tummelt - fernab von Vereinsberichten in den Lokalteilen, weit entfernt vom Schlagabtausch, den sich Politiker in Zeitungen und im Rundfunk tagein tagaus liefern.

Wenn das Finanzwesen den Lebensnerv der Wirtschaft bilde, dann seien die Zeitungen aber auch die Nervenstränge der Demokratie, kommentierte neulich der Kölner Stadt-Anzeiger. Zurückgehende Auflagen- und Anzeigenerlöse zwingen Verlage dennoch zum Sparen. Wie bei der Finanzkrise hat es sicherlich auch im Medienbereich Warnsignale gegeben und doch wirken die Meldungen der zurückliegenden Wochen hier ebenfalls kurzatmig: Rigorose Sparprogramme nicht nur bei Flagschiffen wie bei der WAZ und der Süddeutschen Zeitung, sondern auch Zusammenlegungen von Redaktionen wie bei Financial Times Deutschland und bei Capital. Verlierer sind jene, deren Verdienste und Erfahrungen plötzlich nichts mehr zählen, aber auch die Jüngeren, für die die Medienwelt derzeit wenig sichere, zumindest auf absehbare Zeit Berufsperspektiven bietet. Finanzkrise und crossmediales Arbeiten scheinen hier leider Zauberworte zu sein, die auf dem Arbeitsmarkt fast alles möglich machen.

Langfristig überzeugende Konzepte, die aus der Krise herausführen, sind also in der Finanz- wie in der Medienwelt zu Beginn eines Jahres gefragt, in dem mehrfach vom Umsturz vor 20 Jahren die Rede sein wird. Auch die GKP wird sich bei der Jahrestagung 2009 im Frühjahr in Freising mit der Wende 1989/90 beschäftigen: Runde Tische in Warschau, tanzende Menschen auf der Berliner Mauer, die Jahrzehnte lang West und Ost trennte, samtene Revolution in Prag. Bilder und Nachrichten waren das, die Unterwartetes, Unverhofftes zeigten. Es waren jedoch neue Kräfte, neue Chancen und neue Wege zur Demokratie. Es war ein Aufbruch, der in diesen Ländern noch bis heute spürbar ist. Zu Beginn des Jahres 1989 war vom Aufbruch längst noch nicht die Rede, eher vom Stillstand, eher von Ernüchterung. Bleibt für 2009 zu hoffen, dass im Zusammenhang mit diesem Jahr später eher vom Aufbruch als Absturz geredet wird – in der Finanzwelt, den Medien und der Politik.

Bernhard Rude




Februar


Christian Frevel kommentiert

Kommunikationsdesaster im Vatikan

Vor drei Monaten hatte eine Gruppe der GKP den Vatikan besucht und dabei auch mit verschiedenen Kardinälen gesprochen. Sie hatte den Eindruck gewonnen, dass der Vatikan funktioniert - doch die Ereignisse um die Aufhebung der Exkommunikation für vier Bischöfe der „Priesterbruderschaft St. Pius“ werfen Schatten auf den Vatikan, und vor allem auf die Kommunikationsstrukturen des Zentrums der katholischen Kirche.

Die mediale Berichterstattung über den Vorgang lief wie auch sonst in diesen Fällen: Zuerst war viel Undifferenziertes zu lesen (dass die Leugnung des Holocausts nicht zur Exkommunikation führt, war zum Beispiel nirgends zu lesen), erst später kamen Fachleute zu Wort, während politische Töne bis hin zum Ruf nach Rücktritt des Papstes überwogen. Katholische Journalisten schwankten zwischen geistiger Solidarität mit der Kirche und dem Druck, die Ereignisse in einem politischen Kontext beschreiben zu müssen. Nicht nur in Deutschland ging es eben nicht nur um die Kirche und eine brüderliche Geste der Versöhnung, sondern um die Frage, wie die Kirche mit Leugnern der Shoah umgeht. Bemerkenswert sachlich und differenziert haben katholische Nachwuchsjournalisten im „E-Circle“ der katholischen Journalistenschule ifp darüber diskutiert.

Einem Desaster kam die Kommunikationspolitik des Vatikan nach außen gleich. Mehrfach hätte Papst Benedikt Gelegenheit gehabt, öffentlich den Bischof aufzurufen, seine Leugnung des Holcausts zu widerrufen. Das geschah nicht, statt dessen wurde nach der Mittwochsaudienz eine Erklärung veröffentlicht, die zwar eindeutig gegenüber Williamson ist, aber gleichzeitig auch ein Eingeständnis des Kommunikationsgaus im Vatikan darstellt: Der Papst habe nichts gewusst, steht da zu lesen.

Zumindest in Deutschland ist es ein „größter anzunehmender Unfall“, wenn ein aus Deutschland stammender Papst in Verdacht gerät, Holocaust-Leugner nicht maßregeln zu wollen (obwohl er selbst zu diesem Thema stets eindeutig Stellung bezogen hatte, aber das war in diesem Fall nicht das Entscheidende). Es ist ein Gau, wenn Deutschlands Kanzlerin breite Zustimmung erhält, wenn sie den Papst maßregelt – das hatte nicht einmal Bismarck zu Zeiten des Kulturkampfs gewagt. Fast leid tun muss es einem für Padre Lombardi, den Pressesprecher des Vatikan, der fast hilflos bekennen musste, da sei etwas nach dem falschen Drehbuch gelaufen. Bei den Entscheidungen, die gefällt wurden, hat man offensichtlich die Kommunikationsexperten nicht gehört.

Es ist schon ganz außergewöhnlich, dass Kardinäle Mitbrüdern im Kardinalsamt Versagen vorwerfen – so muss man Kardinal Lehmanns Äußerungen über den kolumbianischen Mitbruder Castrillon Hoyos werten. In diesen Tagen hat der Vatikan, hat die Kirche, hat der Papst persönlich viel verloren: Sicherheit, Ansehen, Vertrauen, Glaubwürdigkeit.

Christian Frevel






März


Michaela Pilters kommentiert

In eigener Sache

„Wollen Sie nicht doch noch einmal kandidieren? Und du möchtest wirklich aufhören?“ Mit diesen und ähnlichen Fragen werde ich konfrontiert, seit ich erklärt habe, dass ich nicht länger für das Amt der Vorsitzenden der GKP zur Verfügung stehe. Und da nicht alle Mitglieder unseres Verbandes zur Jahrestagung kommen können, möchte ich die Gelegenheit nutzen, auf diesem Weg meine Entscheidung zu begründen.

Natürlich freut es mich zu hören, dass ein Großteil der Mitglieder sich eine weitere Amtsperiode mit mir hätte vorstellen können. Ich habe diese Aufgabe im November 1999, also vor knapp zehn Jahren, sehr gerne übernommen, und ich habe mich drei Wahlperioden lang redlich bemüht, das Amt im Dienste der GKP auszuüben. Unsere Satzung sieht eine Einschränkung von Wiederwahlen nicht vor. Mit meinem Verständnis von Demokratie verträgt sich jedoch eine Art Abonnement auf den Vorsitz nicht. Ein Mitgliederverband wie der unsere mit seinen ehrenamtlichen Strukturen darf nicht den Anschein erwecken, Funktionärs-Erbhöfe zu haben. Meine Vorgängerin und Vorgänger im Amt haben ebenso nach dieser Devise gehandelt und nach zwei Wahlperioden den Stab weitergegeben.

Die Aufgabe, die GKP nach außen zu vertreten und dem Verband in Kirche und Gesellschaft Stimme und Gesicht zu geben, ist nur ein kleiner, wenn auch nicht unwichtiger Teil des Vorsitzes. Sie erfordert eine gewisse berufliche Unabhängigkeit und Gestaltungsfreiheit bei Terminen. Ich danke meinem Arbeitgeber ZDF, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, meine freien Tage im Sinne meiner ehrenamtlichen Tätigkeit zu disponieren.

Das viel größere Arbeitspensum betrifft die konkrete Arbeit im Vorstand, die Organisation von Veranstaltungen, die Umsetzung von Ideen und die Schaffung von Rahmenbedingungen, damit die GKP ein lebendiger Verband sein kann, in dem Mitglieder sich wohl fühlen, miteinander ins Gespräch kommen und der gemeinsame Glaube eine inspirierende Basis ist. Die GKP lebt von den Impulsen ihrer Mitglieder; in der Praxis sind es aber doch die Mitglieder des Vorstandes, die Regionalbeauftragten und die Geschäftsstelle, die Anregungen und Ideen in konkrete Angebote umwandeln. Da fällt viel Kleinarbeit an, und ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen, die in den vergangenen Jahren im Vorstand diese Arbeit geleistet haben – eine Vorsitzende ohne engagierten und unterstützenden Vorstand wäre handlungsunfähig.

Wer sich nicht verändert, ist den Herausforderungen der Gesellschaft nicht gewachsen. Daher ist es wichtig, durch Fluktuation dafür zu sorgen, dass Weiterentwicklung gelingt, keine „blinden Flecken“ entstehen und Wege nicht so eingeschliffen werden, dass es schwer fällt, sie zu verlassen. Die Mischung aus Kontinuität und Erfahrung einerseits und Aufbruch und Veränderung andererseits braucht ein Verband, der zukunftsfähig sein will.

So manches hatte ich mir vorgenommen, das ich nicht einlösen konnte. Und es tut mir leid, wenn ich Mitglieder in ihren Erwartungen enttäuscht habe. Aber ich bin froh und stolz, dass wir in den letzten zehn Jahren ein Verband mit steigenden Mitgliederzahlen gewesen sind, dass wir junge Kolleginnen und Kollegen gewinnen konnten und die schwierige Phase des Wechsels in der Geschäftsstelle mit einem so engagierten Team in Bensberg geschafft haben. In Zeiten großer Arbeitsverdichtung und wirtschaftlicher Zwänge eine Lanze zu brechen für Qualität im Journalismus ist mir ebenso wichtig gewesen wie die bewusste Öffnung und Gestaltung des Verbandes als einen Ort, an dem unterschiedliche Meinungen zu Gesellschaft, Medien und Kirche ausgetauscht und gelebt werden können. Die GKP ist für mich ein Forum mit Profil, in dem vieles möglich ist. Ich wollte nie eine ideologische Engführung, und daher sollte es auch keine personelle Engführung geben.

Ich werde mich gerne weiter für die GKP engagieren, weil ich davon überzeugt bin, dass sie ein toller Verband ist, der die Mühe lohnt. Ich wünsche mir, dass noch mehr Mitglieder diese Auffassung teilen. Für Freising erhoffe ich mir eine gelungene Tagung und eine gute Wahl. Dem neuen Vorstand alles Gute und Ihnen ein Dankeschön für Unterstützung und Kritik in den vergangenen Jahren, für alles Vertrauen und Getragenwerden.

Ihre Michaela Pilters






April


Hildegard Mathies kommentiert


„Setzen,sechs!?“

Die Studie „Journalismus 2009“ hat uns Journalisten kürzlich ein mittelmäßiges Zeugnis ausgestellt: Zwar vertrauen 69 Prozent der repräsentativ Befragten auf die Sorgfalt der Recherche, aber 74 Prozent gehen davon aus, dass Journalisten beim Recherchieren „über Leichen gehen“. 59 Prozent sehen uns in wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeiten und halten uns entsprechend für manipulierbar.

Trotzdem verzeichnet die Studie hohe Werte bei der Frage nach dem Ansehen des Berufsstandes: Immerhin 77 Prozent würden sich wohlwollend äußern, wenn ein Freund Journalist werden wollte, und 61 Prozent attestieren uns „hohes gesellschaftliches Ansehen“. Erstellt hat die Studie das Kölner Markt- und Organisationsforschungsinstitut YouGovPsychonomics in Kooperation mit der Münchener Hochschule für Medien und Kommunikation der Macromedia GmbH. Die Gesamtnote in diesem Zeugnis entspräche wohl einer 3. Bei allen Zweifeln an der Aussagekraft solcher Untersuchungen: sie spiegeln die gesellschaftliche Wirklichkeit. Können wir mit so einem Ergebnis zufrieden sein? Dürfen wir damit zufrieden sein? Nein. Denn wir arbeiten für den Rezipienten und leben davon, dass der Leser, Hörer, Zuschauer oder User unseren Informationen vertraut. Nur ein glaubwürdiges Medium ist ein zukunftsfähiges Medium in einer Zeit, in der täglich ’zigtausende Informationen jeder Art den Menschen überfluten, der deshalb nach Orientierung sucht. Wir Journalisten und Publizisten müssen uns auch deswegen arbeitsalltäglich neu in die Sorgfaltspflicht nehmen: beim Recherchieren und Formulieren, aber auch beim Umgang mit Informanten sowie als Wächter und Korrektiv von Politik, Wirtschaft, Kirche, Gesellschaft und der Medienbranche selbst.

Wir in der GKP beschäftigen uns immer wieder mit Fragen der Qualität, der Ethik und der Glaubwürdigkeit. Mit unserem Profil und unserer Arbeit engagieren wir uns medienpolitisch und dies nicht nur innerkirchlich. Wir setzen uns ein für hohe Qualitätsmaßstäbe, für starke kirchliche Medien sowie für eine fundierte und profilierte Aus- und Fortbildung junger katholischer Journalisten.

Auf der Mitgliederversammlung in Freising haben Sie Anfang April einen neuen Vorstand gewählt und mich zur Vorsitzenden unseres Verbandes. In den kommenden drei Jahren wollen wir unser Profil weiter stärken und unsere GKP als wichtigen katholischen und medienpolitisch aktiven Verband positionieren.

Hildegard Mathies






Mai



Bernhard Remmers kommentiert

Der Fall Nadja Benaissa: Späte Einsicht der Justiz

Zehn lange Tage hat Nadja Benaissa in Untersuchungshaft gesessen. Dann zeigte der Staatsanwalt Mitleid und stellte den Antrag auf Haftverschonung. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang im Justizwesen. Im Fall der Nadja Benaissa ist das anders. Die Tochter eines Marokkaners und einer deutsch-serbischen Frau ist das, was heute in Deutschland gerne als Promi bezeichnet wird. Zusammen mit vier weiteren Sängerinnen bildete Benaissa einst die erfolgreichste deutsche Girl-Group namens „No Angels“. Es war also keine Überraschung, dass nach der kinoreifen Verhaftung der 27-Jährigen kurz vor einem Konzert fast alle Medien in Deutschland ausführlich über den Fall berichteten. Nicht alle Beiträge nahmen dabei Rücksicht auf die Würde der jungen Frau.

Dazu hätte allerdings mehr als genug Anlass bestanden. Nadja Benaissa´s Fall ist ausgesprochen traurig. Die alleinerziehende Mutter eines neunjährigen Mädchens ist HIV-poisitiv. Ein Mann, mit dem sie geschlafen hat, trägt nun auch den Aids-Virus in sich. Als wenn das nicht schon schlimm wäre, muss Nadja Benaissa nun auch noch alle Details ihres Intimlebens in vielen Medien ausgebreitet sehen. Denn die Staatsanwaltschaft in Darmstadt ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die Sängerin und ließ sie öffentlichkeitswirksam verhaften. Nadja Benaissa wehrte sich und erreichte, dass der Bild-Zeitung jede weitere Berichterstattung durch Beschluss des Berliner Landgerichts verboten wurde.

Spätestens damit ist der Fall auch Thema für eine medienethische Diskussion. Die fällt allerdings umso schwerer, weil es auch hier kein einfaches Schwarz- Weiß gibt. Nadja Benaissa ist ein Kind dieser Medienwelt, die immer wieder neue, verrücktere Geschichten von ihren Promis erwartet – Negativ-Stories eingeschlossen. Ohne das Spiel mit dieser Art von Medien hätte die Sängerin niemals ihr Ziel im Rampenlicht der Bühne erreicht. Das kostet einen Preis. Ein völliges Verbot der Berichterstattung ist absurd. Medien können nicht verpflichtet werden, ausschließlich positiv über Prominente zu berichten.

Mindestens so ärgerlich wie die Berichte mancher Medien und der Maulkorb des Berliner Landgerichts ist aber das Verhalten der Strafverfolger. Die Staatsanwälte in Darmstadt informierten die Öffentlichkeit ausführlich über die Krankheit von Nadja Benaissa. Doch dazu bestand zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung noch überhaupt kein Anlass. Allenfalls ein Anfangsverdacht lag vor, als die Staatsanwälte den Medienrummel auslösten. Von einer offiziellen Anklage ist die Staatsanwaltschaft auch heute noch (27. April) weit entfernt. Die Tatsache der HIV-Infizierung allein sagt noch nichts darüber, wer den Virus übertragen hat. Das hätte die Ermittler eigentlich zur Zurückhaltung veranlassen müssen. Erst spät scheint das auch der Justizbehörde zu dämmern. Als der Haftbefehl schließlich außer Vollzug gesetzt wurde, verweigerte das Gericht jede Auskunft über die Auflagen für Benaissa mit der Begründung, es handele sich hierbei um „höchst persönliche Dinge“. Immerhin.

Bernhard Remmers





Juni

Bischöfe brüskieren katholische Laien

„In der Kirche Deutschlands gibt es Streit um eine Personalie. Die deutschen Bischöfe lehnen den geplanten Führungswechsel bei der Laienorganisation ZdK ab.“ So lautete die Anmoderation des Tagesschaubeitrags vom 8. Mai 2009. Hinter der schlichten Nachricht steckt ein Zerwürfnis der Bischöfe mit den katholischen Laien, das möglicherweise lange nachwirkt und dem Ansehen der katholischen Kirche nachhaltig geschadet hat: Das Zentralkomitee deutschen Katholiken (ZdK) wollte auf seiner Frühjahrsvollversammlung den hessischen Kulturstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU) zum neuen Vorsitzenden wählen. Doch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kündigte an, den einzigen Kandidaten mit der von ihr festgelegten Zweidrittelmehrheit nicht bestätigen zu wollen. Deshalb verschob die ZdK-Vollversammlung im Mai die Abstimmung um ein halbes Jahr.

Das Nein der Bischofskonferenz bedroht die Eigenständigkeit und die Handlungsfähigkeit des Laiengremiums und belastet zudem die Zusammenarbeit mit den Laien schwer. Damit haben sich die Bischöfe keinen Gefallen getan – im Gegenteil, das Ansehen der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit hat einmal mehr Schaden genommen. Für ein überzeugendes, zeitgemäßes Auftreten der katholischen Kirche in Deutschland ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der DBK und dem ZdK unerlässlich.

Brockmann ist Mitbegründer der Schwangerenberatung Donum Vitae und der Zeitschrift kritischer Christen Public Forum. Ob das jedoch der Grund für das Nein vieler Bischöfe zu Brockmann war, ist fraglich. Denn begründet hat die DBK ihre Entscheidung nicht. Getroffen hat sie damit allerdings die ganze Laienorganisation, das wurde bei Vollversammlung in Berlin immer wieder betont. „Die Entscheidung der Bischofskonferenz ist verletzend für Heinz-Wilhelm Brockmann und trifft uns alle genau so wie ihn“, heißt es in der Stellungnahme des ZdK.

Meinungsverschiedenheiten hat es zwischen DBK und ZdK immer einmal wieder gegeben. Zuletzt wegen einer Erklärung zur Judenmission: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte die im März veröffentlichte Erklärung des ZdK-Gesprächskreises Juden und Christen mit dem Titel Nein zur Judenmission „wegen ihrer theologischen Defizite enttäuschend“. Der Gesprächskreis verteidigte sein Papier gegen die Kritik. Man habe nie den Anspruch erhoben, dass die Stellungnahme ein umfassender theologischer Traktat oder ein amtliches Dokument der Kirche sei.

Beim gemeinsamen Studientag von DBK und ZdK Ende April herrschte dennoch eitel Sonnenschein. Zollitsch und Meyer betonten, dass die offene und ehrliche Atmosphäre und das anspruchs- und respektvolle Gespräch während des Studientags den Weg für weitere gemeinsame Überlegungen zur Zukunft der Kirche in Deutschland geöffnet haben. Es gab keine Anzeichen für den baldigen Eklat. Umso schwerer war und ist die nicht begründete Ablehnung Brockmanns nachzuvollziehen. „Wählen und Willkür, das passt einfach nicht zusammen. Wir wollen Gründe hören, das gehört sich im erwachsenen Miteinander“, forderte deshalb Bruder Paulus, der Mitglied der Gesellschaft katholischer Publizisten ist und im Laiengremium sitzt. Dieser Appell stieß bei den Oberhirten auf taube Ohren. Bis heute erreichte das ZdK keine Erklärung.

Carolin Meyer


Juli/August

Moralische Autorität

„Caritas in Veritate – Die Liebe in der Wahrheit“ heißt die dritte Enzyklika von Papst Benedikt XVI., seine erste Sozialenzyklika. Mit viel Spannung ist sie erwartet worden, denn der Papst hatte die Veröffentlichung seines Lehrschreibens mehrmals verschoben, um die aktuellen Entwicklungen der weltweiten Finanzkrise aufgreifen zu können. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war klug gewählt und selten günstiger, um sich weltweit Gehör zu verschaffen.

Einen Tag vor dem G8-Gipfel erschien sie nun, zu dem sich die Mächtigen der Welt im vom Erdbeben zerstörten italienischen L’Aquila trafen, um über Wirtschaftskrise und Klimawandel zu diskutieren. Wer sonst als der Papst könnte dazu mit weltweiter Autorität die moralische Ausrichtung der Debatte um Globalisierung und Gerechtigkeit einfordern.

Benedikt XVI. spricht sich für eine „echte politische Weltautorität“ aus, die nötig sei „um die Weltwirtschaft zu steuern, die von der Krise betroffenen Wirtschaften zu sanieren, eine Verschlimmerung der Krisen und sich daraus ergebenden Ungleichgewichten vorzubeugen“. Außerdem gehe es darum „eine geeignete vollständige Abrüstung zu verwirklichen, die Sicherheit und den Frieden zu nähren, den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren“. Die Einrichtung einer solchen Autorität hatte bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. angeregt.

Benedikts Enzyklika behandelt auf 73 Seite beinahe alle politische aktuellen Themen, von der Krise über die Diskrepanz zwischen armen und reichen Ländern bis hin zu Umweltschutz und Sextourismus. Der Papst fordert dazu auf, die Krise als Chance zu begreifen, um Solidarität und Gerechtigkeit in der Welt zu stärken. Die Medien räumten dem Erscheinen des Lehrschreibens breiten Raum ein – was freilich auch an der zeitlichen Nähe zum G8-Gipfel liegt. Die Bewertung der Kommentatoren fällt unterschiedlich aus, die einen halten den Papst für einen Visionär und Idealisten, die anderen für zu unpolitisch. Entscheidend ist jedoch vor allem, dass die Sozialenzyklika besprochen und diskutiert wird. Denn gerade in Deutschland machte die Kirche in letzter Zeit vor allem Schlagzeilen wegen ihres oft unbeholfenen Umgangs mit den PiusBrüdern. Jetzt wird wieder über das diskutiert, was das Oberhaupt der katholischen Kirche vor allem sein kann: Eine weltweite Autorität in moralischen Fragen.

Katja Auer


September

Wo bist du? - Die Suche nach dem Wahlkampf

Das waren noch Zeiten, als zur Bundestagswahl die Parteien mit rosigen Zukunftsaussichten oder ihrem charismatischen Kandidaten geworben haben. Als Auszüge aus den Parteiprogrammen Thema wurden oder Parteien ganz bestimmte gesellschaftspolitische Felder besetzten.

Damals wussten Deutschlands Wählerinnen und Wähler, wenn sie Grün wählen, ist Umweltpolitik drin, wenn sie SPD wählen, soziale Sicherheit und wenn sie CDU wählen, dann stehen traditionelle Werte ganz oben auf der Agenda.

Heute schreiben sich alle großen Parteien alle brisanten Themen auf ihre Fahne. Soziales, Wirtschaft, Arbeit – alle Themen sind von allen Parteien besetzt. Ökologisch orientiert sind sowieso alle und das Thema Umweltschutz wird nicht mehr besonders fokussiert. Wer kann sich bei Themen wie die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands, steigende oder sinkende Arbeitslosenzahlen oder Bildung auch zurückhalten? Einbußen von Stimmen am 27. September wären wohl die Folge.

Also besetzen alle führenden Parteien alle Themen. Mit anderen Nuancen, aber nur mit zum Teil anderen Lösungen. Diese herauszufinden, erfordert eine ordentliche Recherche. Der mündige Bürger kann und sollte sich schlau machen. Das Internet bietet eine breite Plattform dazu und der ein oder andere Stand der Parteien in den Innenständen gibt Auskunft. Für Journalisten eine Selbstverständlichkeit: erst recherchieren, dann schreiben. Für die Wählerinnen und Wähler hieße das: erst informieren, dann eine Meinung bilden.

Doch wie das so ist im richtigen Leben: Der moderne Mensch macht eine Kosten-Nutzenrechnung auf. Er will wissen: Was nutzt es mir, wenn ich diese Partei wähle? Und das möglichst schnell, ohne lange Recherche. Was aber machen die Parteien? Liefern Sie auf Ihren zahlreichen und teuren Plakatwänden Antworten? Beleidigungen, Negativreklame, ein grinsendes Gesicht springen uns an, aber Inhalte?

Außer ein paar Verbalattacken aus der einen oder anderen Richtung mangelt es zudem an handfesten Diskussionen. Klare Aussagen, gegenteilige Meinungen lassen zu wünschen übrig. Mit anderen Worten: Ein rechter Wahlkampf findet nicht statt. Der nicht stattfindende Wahlkampf geht mittlerweile so weit, dass er selbst zum Thema wird, wie kürzlich im heute journal. „Die Gründungsväter der Bundesrepublik würden sich im Grabe rumdrehen“, ließ dort ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender verlauten. Was da stattfinde, sei langweilig und respektlos den Bürgern gegenüber, da die Politikerinnen und Politiker es an Antworten auf Zukunftsfragen mangeln ließe.

So machen die Medien etwas zum Thema, was faktisch gar nicht stattfindet. Vielleicht gelingt Ihnen, was die Parteien derzeit nicht schaffen: Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes dazu zu bringen, sich Gedanken zu machen und eine Wahlentscheidung zu treffen. Sollten die Politikerinnen und Politiker weiterhin den Wahlkampf verschlafen, dann bleibt uns ab Anfang September noch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung im Internet.

Doch noch ist nicht der 27. September. Vielleicht findet er ja doch noch statt, der Wahlkampf.

Beate Schneiderwind


Oktober

Wo bist du? - Die Suche nach dem Wahlkampf

Das waren noch Zeiten, als zur Bundestagswahl die Parteien mit rosigen Zukunftsaussichten oder ihrem charismatischen Kandidaten geworben haben. Als Auszüge aus den Parteiprogrammen Thema wurden oder Parteien ganz bestimmte gesellschaftspolitische Felder besetzten.

Damals wussten Deutschlands Wählerinnen und Wähler, wenn sie Grün wählen, ist Umweltpolitik drin, wenn sie SPD wählen, soziale Sicherheit und wenn sie CDU wählen, dann stehen traditionelle Werte ganz oben auf der Agenda.

Heute schreiben sich alle großen Parteien alle brisanten Themen auf ihre Fahne. Soziales, Wirtschaft, Arbeit – alle Themen sind von allen Parteien besetzt. Ökologisch orientiert sind sowieso alle und das Thema Umweltschutz wird nicht mehr besonders fokussiert. Wer kann sich bei Themen wie die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands, steigende oder sinkende Arbeitslosenzahlen oder Bildung auch zurückhalten? Einbußen von Stimmen am 27. September wären wohl die Folge.

Also besetzen alle führenden Parteien alle Themen. Mit anderen Nuancen, aber nur mit zum Teil anderen Lösungen. Diese herauszufinden, erfordert eine ordentliche Recherche. Der mündige Bürger kann und sollte sich schlau machen. Das Internet bietet eine breite Plattform dazu und der ein oder andere Stand der Parteien in den Innenständen gibt Auskunft. Für Journalisten eine Selbstverständlichkeit: erst recherchieren, dann schreiben. Für die Wählerinnen und Wähler hieße das: erst informieren, dann eine Meinung bilden.

Doch wie das so ist im richtigen Leben: Der moderne Mensch macht eine Kosten-Nutzenrechnung auf. Er will wissen: Was nutzt es mir, wenn ich diese Partei wähle? Und das möglichst schnell, ohne lange Recherche. Was aber machen die Parteien? Liefern Sie auf Ihren zahlreichen und teuren Plakatwänden Antworten? Beleidigungen, Negativreklame, ein grinsendes Gesicht springen uns an, aber Inhalte?

Außer ein paar Verbalattacken aus der einen oder anderen Richtung mangelt es zudem an handfesten Diskussionen. Klare Aussagen, gegenteilige Meinungen lassen zu wünschen übrig. Mit anderen Worten: Ein rechter Wahlkampf findet nicht statt. Der nicht stattfindende Wahlkampf geht mittlerweile so weit, dass er selbst zum Thema wird, wie kürzlich im heute journal. „Die Gründungsväter der Bundesrepublik würden sich im Grabe rumdrehen“, ließ dort ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender verlauten. Was da stattfinde, sei langweilig und respektlos den Bürgern gegenüber, da die Politikerinnen und Politiker es an Antworten auf Zukunftsfragen mangeln ließe.

So machen die Medien etwas zum Thema, was faktisch gar nicht stattfindet. Vielleicht gelingt Ihnen, was die Parteien derzeit nicht schaffen: Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes dazu zu bringen, sich Gedanken zu machen und eine Wahlentscheidung zu treffen. Sollten die Politikerinnen und Politiker weiterhin den Wahlkampf verschlafen, dann bleibt uns ab Anfang September noch der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung im Internet.

Doch noch ist nicht der 27. September. Vielleicht findet er ja doch noch statt, der Wahlkampf.

Beate Schneiderwind


November

Journalistische Autonomie

Ministerpräsidenten sollten überhaupt nicht in Verwaltungsräten von öffentlich-rechtlichen Sendern sitzen und über die Verträge eben der Journalisten entscheiden, die anschließend wieder kritisch über sie berichten sollten. Dieser Forderung von F.A.Z.-Mitherausgeber Frank Schirrmacher lässt sich leicht zustimmen. Gerade in einer Zeit, in der sich Bürger schwer tun mit den Parteien. Da ist es konsequent, die Einmischung der Politik bei der erneuten Berufung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender kritisch zu sehen. Die Frage des Einflusses der Politik auf das Fernsehen und auf die Medien insgesamt, entscheidet sich aber nicht einzig daran, ob der hessische Ministerpräsident Koch sich gegen eine erneute Berufung Brenders ausspricht. Denn in der Vergangenheit störten sich nur wenige daran, dass Posten bei ARD und ZDF schön abwechselnd an Journalisten mit schwarzem oder rotem Ticket vergeben wurden. Wie wäre es, wenn eine solche Postenvergabe nicht nur bei Intendanten und Chefredakteuren einmal der Vergangenheit angehören würde?

„Es geht um die Gefahr eines Eingriffs in die DNA, in das Erbgut, des Senders“, sagte Schirrmacher bei der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für Fernsehjournalismus, der Brender verliehen wurde. „Es geht um die Demarkationslinie zwischen Journalismus und politischer Macht.“ Zu recht verwies Schirrmacher auf die Berliner Runde am Abend der Bundestagswahl 2005, als Brender Bundeskanzler Schröder in die Schranken gewiesen hatte. Nicht nur, weil seine Elefantenrunde inzwischen Kult ist bei You- Tube, habe Brender nun diese Auszeichnung verdient: „Anders als bei anderen Fällen, in denen das öffentlich- rechtliche Fernsehen unter den Druck der Politik gerät, wurde hier der Zuschauer zum Zeugen journalistischer Autonomie.“

Welche Würze hätte beispielsweise der Wahlkampf 2009 erhalten, wenn es ähnliche Zeugen journalistischer Autonomie gegeben hätte? „Doch viele Journalisten, nicht nur beim Fernsehen, stellen sich überhaupt nicht mehr die Aufgabe, klüger zu fragen, damit Politik für alle verständlicher und spannender wird: Sie sehen ausschließlich die politischen Akteure in der Bringschuld und werfen sich in die Pose der eigentlichen Vertreter des Volkes. Der […] Wahlkampf in einem der dramatischsten Krisenjahre der Republik war den Medienschiedsrichtern nicht aufregend genug“, beklagte Susanne Gaschke in einer Medienschelte in der „Zeit“. Kernaufgabe aller Journalisten ist es, kritische Fragen zu stellen. Denn journalistische Unabhängigkeit zeigt sich nicht nur bei der Berufung eines neuen Chefredakteurs. Sie sollte eine Herausforderung aller Journalisten bei der täglichen Arbeit sein.

Bernhard Rude


Dezember

Eine Lanze für die Freien

Als zunehmend bedrohtes Wesen im Mediendschungel hat Tom Schimmeck beim Mainzer Mediendisput 2009 die freien Journalisten bezeichnet. Der Autor, der selbst für zahlreiche Printmedien Reportagen und Berichte zu politischen und wissenschaftlichen Themen schreibt, hat mit einer gehörigen Portion Sarkasmus die Situation in den Redaktionen beschrieben. Bedroht von einer wachsenden Schar von Dauerpraktikanten, die sich freuen, wenn ihre Artikel (kostenlos) veröffentlicht werden; von festangestellten Redakteuren, die selbst um ihren Job fürchten müssen und keinen Mut haben, sich für ihre Autoren einzusetzen; bedroht von Umstrukturierungen in den Medien, in denen „Content“ für Plattformen und ganze Gruppen von Medienerzeugnissen hergestellt wird; bedroht auch von einer wirtschaftlichen Gesamtkrise, die auf die Medien zunehmend ausstrahlt und mit der die Senkung von Honoraren und Unterwanderung von Tarifverträgen begründet wird.

Schimmeck las den anwesenden Medienvertretern gehörig die Leviten. „Deutsche Medienmacher können bald nur noch billig“, so sein Vorwurf. Eine Diagnose, die vermutlich auch von unseren Mitgliedern durch zahlreiche Beispiele aus eigener leidvoller Erfahrung bestätigt werden kann. Wir alle erfahren nahezu täglich in unserem Beruf, dass die Forderung nach mehr Qualität im Journalismus zwar schnell erhoben ist – und auch die GKP macht sich ja immer wieder dafür stark -, dass aber die Realität eine ganz andere ist. Da sind Redaktionen so ausgedünnt, dass für die Verbliebenen keine Zeit mehr ist für Recherchen oder Fortbildung (eine Entwicklung, unter der die GKPAngebote massiv leiden). Da werden PR-Artikel ins Blatt genommen und buy-out-Verträge mit Autoren gemacht, die schon als unsittlich gelten können. In den Rundfunkanstalten verhindern Verwaltungsvorschriften, dass gute Autoren über ein bestimmtes Maß hinaus beschäftigt werden, damit sie keine Ansprüche auf Beschäftigung oder Bestandsschutz erwerben. Und die Angst vor dem Verlust des eigenen Arbeitsplatzes und/oder dem Niedergang des eigenen Mediums verhindert Auflehnung und Solidarisierung.

Die GKP ist keine Gewerkschaft und nicht befähigt, Tarifverhandlungen zu führen. Wir können auch nicht die wirtschaftliche Großwetterlage mit wohl gesetzten Appellen bekämpfen. Aber wir können dafür sorgen, dass in unseren Reihen keine Mehrklassengesellschaft entsteht, dass der Status des Einzelnen keine Rolle spielt. So wie der Dialog zwischen Jung und Alt, zwischen den einzelnen Mediensparten, zwischen Journalismus und PR-Arbeitern, zwischen Anfängern und alten Hasen, zu den Pluspunkten in der GKP zählt, so sollte auch der Dialog zwischen Festangestellten und Freien, zwischen Auftragserteilenden und Auftragnehmern gepflegt werden. Das kann keine Verpflichtung sein, und wer aus der GKP austritt, weil er sich von der Mitgliedschaft mehr Aufträge versprochen hat, missversteht unseren Verband. Aber der Netzwerkgedanke gehört doch ganz wesentlich zu uns – wir sollten ihn pflegen.

Michaela Pilters







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      Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands  -  Overather Straße 51 - 53, 51429 Bergisch Gladbach
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