Kommentare 2009
Kommentare 2008
Kommentare 2006
Kommentare 2005
Kommentare 2004
Kommentare 2003
Kommentare 2002
Kommentare 2001
Kommentare 2000
Kommentare im Jahr 2007Januar Journalisten in Gefahr Auf der Internetseite der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ gibt es ein makabres Barometer. Es wird angezeigt, wie stark die Bedrohung von Journalisten seit Beginn eines Jahres angestiegen ist. Für das Jahr 2006 gibt es zum Jahresende folgenden Stand: Getötet wurden 81 Journalisten und 32 Medien-Assistenten. Zum Stichtag 29.12.06 sind 142 Journalisten, 3 Medien-Assistenten und 60 Online-Dissidenten inhaftiert. Noch vor zwei Jahren wurden „nur“ 53 getötete Journalisten als trauriger Rekord vermeldet. Die Spirale der Gewalt und die kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit schlagen sich auch in diesen Zahlen nieder. Am meisten in Erinnerung geblieben ist 2006 wohl der Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Sie hat sich für die Menschenrechte eingesetzt, hat unbequeme Fakten recherchiert und veröffentlicht und ihr Engagement mit dem Leben bezahlt, - eine von vielen Kolleginnen und Kollegen, deren Mut nicht genug bewundert werden kann. Die Situation der Menschenrechte und der Pressefreiheit lässt in vielen Ländern der Welt sehr zu wünschen übrig, und wer unter solchen Bedingungen als Journalist arbeitet, muss mit ernsthaften Bedrohungen rechnen. Es ist wichtig, dass die internationale Öffentlichkeit sich mit diesen Kolleginnen und Kollegen solidarisiert. In Deutschland sind Leib und Leben der Journalisten zum Glück nicht gefährdet. Wir, die wir am sicheren Schreibtisch sitzen, sollten unseren Einfluss zumindest dahingehend geltend machen, dass der Kampf der Ermordeten nicht vergessen wird. Und wir müssen dafür sorgen, dass Menschenrechte und Pressefreiheit gewährleistet werden, in welchem Land der Welt auch immer. Grund, uns bequem zurückzulehnen, haben wir auch in Deutschland nicht. Denn auch bei uns gibt es Gefährdungen der Pressefreiheit, von außen durch Monopolbildungen, politische Einflussnahme und wirtschaftliche Zwänge, von innen durch die Verschmelzung von PR und Journalismus, durch mangelnde Zivilcourage und ein Verhalten, das nicht nach ethischen Grundsätzen fragt, wenn es um die eigene Karriere geht. Es sind auch die vielen kleinen Einschränkungen, das Ellbogenprinzip und die alltäglichen Schlampereien, die Betriebsklima vergiften und das Leben als Journalist schwer machen können. Nicht alles erfordert gleich eine öffentliche Stellungnahme und ist eine Gefahr für die Pressefreiheit, aber es gilt doch, wachsam und solidarisch zu sein. Zum Selbstverständnis der GKP gehört es, sich aktiv für die Qualität im Journalismus einzusetzen, für Pressefreiheit und die Einhaltung berufsethischer Forderungen einzutreten. Wir haben dies im vergangenen Jahr getan und werden auch in 2007 an diesem Kurs festhalten. Dabei hoffen wir auf Ihre Unterstützung, indem Sie uns informieren und antreiben, aber auch an Ihrem eigenen Arbeitsplatz das Ihnen Mögliche tun. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein erfolgreiches Jahr 2007. Michaela Pilters Februar Qualität gibt’s nicht zum Nulltarif Qualität im Journalismus hat ihren Preis. Gute (und vor allem: gut ausgebildete) Journalisten gibt es nicht zum Nulltarif, und es ist richtig, wenn Papst Benedikt XVI. in seiner Botschaft zum 41. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel feststellt, „ dass die in den Medien Tätigen besonderem psychologischen Druck und ethischen Dilemmata (cf. Aetatis Novae, 19) ausgesetzt sind, weil gelegentlich der wirtschaftliche Wettbewerb Medienschaffende zu niedrigeren Standards drängt“. Der wirtschaftliche Wettstreit (oder auch der Wunsch mancher Verleger, mehr Rendite zu erzielen) hat in den vergangenen Monaten vor allem in Nordrhein- Westfalen etliche Journalisten die Arbeitsplätze gekostet und wird – so fürchten es Fachleute und Journalistenverbände – zu schlechterer Qualität in den Blättern führen, so sie denn noch existieren. Da schließen die Ruhrnachrichten im März 2006 ihre Lokalredaktionen in Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen und geben die Buersche Zeitung auf. Im Kreis Recklinghausen (gleich nebenan) gibt die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) im Juni ihre gesamten Lokalredaktionen auf. Im September kündigt die Rheinische Post in Düsseldorf an, jeden zehnten der derzeit 650 Arbeitsplätze bis zum Jahresende zu streichen. Das ebenfalls in Düsseldorf ansässige Handelsblatt zieht 12 Tage später mit der Ankündigung nach, ebenfalls bis zum Jahresende 120 Arbeitsplätze abzubauen. Bei den Lüdenscheider Nachrichten und bei den Ruhr-Nachrichten werden die Fotografen gekündigt. Die Verlage fordern sie auf, künftig als Agentur für die entsprechenden Ausgaben zu arbeiten. Jüngster Höhepunkt der Entwicklung ist die „Freistellung“ der gesamten Lokalredaktion der „Münsterschen Zeitung“, die durch jüngere (und preiswertere) Mitarbeiter ersetzt wurden. 19 Journalistinnen und Journalisten verloren ihren Arbeitsplatz. Es ist eine Entwicklung, die nicht nur zu Lasten der Geldbeutel der Angestellten geht (die Tageszeitungsverleger in NRW haben die Tarifverträge ohnehin nicht unterzeichnet), sondern vor allem auf Kosten der Qualität. Wenn immer weniger Redakteure immer mehr Arbeit machen müssen, bleibt für Recherche und Kontaktpflege keine Zeit mehr. „Sachgerecht, umfassend, kritisch, unabhängig zu berichten, hat seinen Wert und braucht deshalb gerechten Lohn und nicht Tarifflucht“, hat der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker im Januar betont. Mit Sorge beobachte er Leiharbeit und Outsourcing im Verlagswesen und Journalismus. Für die GKP, die in der „Initiative Qualität im Journalismus“ mitarbeitet, ist die derzeitige Entwicklung Grund genug, die Stimme zu erheben. Für Qualität. und die gibt es nicht zum Nulltarif. Christian Frevel März Bedenklicher Trend Eine neue Entwicklung ist seit einiger Zeit auf dem Medienmarkt zu beobachten, die nicht nur Journalisten bedenklich finden: Immer mehr so genannte Leserreporter werden – inzwischen nicht mehr nur von einer großen deutschen Boulevardzeitung – losgeschickt, um aktuellste Bilder zu liefern. Geknipst mit dem Handy oder einer kleinen Digitalkamera. Den selbsternannten Journalisten winkt dafür meist ein stattliches Honorar, die Bild-Zeitung zahlt 500 Euro für ein veröffentlichtes Foto. Die Folge: An Unfallstellen drängen sich Freizeit-Papparazzi auf der Jagd nach dem besten Schnappschuss. Zur Sorge der Polizisten, denn dabei behindern sie nicht nur die Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit, sondern zeigen zumeist wenig Achtung vor den Persönlichkeitsrechten der Opfer. In den entsprechenden Medien sind dann Bilder von eingeklemmten Unfallopfern zu sehen, mit dem lobenden Vermerk, dass der Leserreporter ganz nah dran gewesen sei. Nun hat sich die Polizeigewerkschaft zu Wort gemeldet und das Verhalten der knipsenden Gaffer kritisiert. Die Beamten hätten auch deswegen Probleme, da die Leserreporter mit eigens erstellten Ausweisen der Bild-Zeitung ihr Verhalten zu legitimieren suchten und diese Dokumente den offiziellen Presseausweisen täuschend ähnlich sehen. Nicht nur bei Unglücksfällen ist das Verhalten der Leserreporter ein Problem, auch Prominente werden mehr denn je gejagt. Denn peinliche Bilder eines zumindest halbwegs bekannten Menschen werden noch lieber gedruckt. Und durch die Jagd nach dem aufregendsten Bild wird das gegenseitige Bespitzeln nicht nur gesellschaftsfähig, sondern auch noch lukrativ. Die Folge sind nicht nur praktische Probleme wie die Behinderung von Einsatzkräften. Mit ihrem unprofessionellen Verhalten bringen die Leserreporter einen ganzen Berufsstand in Verruf, der ohnehin nicht das höchste Ansehen genießt. Die fundierte Ausbildung, das Wissen um die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die freiwillige Verpflichtung, den Pressekodex zu beachten – all das sollte für einen Journalisten selbstverständlich sein. Ob das Veröffentlichen von unscharfen Handy-Fotos die Qualität im Journalismus fördert, ist zudem fraglich. Und so setzt der Einsatz von Leserreportern – wenn auch längst nicht so gravierend – einen Trend fort, der zugespitzt formuliert als Niedergang des Qualitätsjournalismus bezeichnet werden kann. Da sind die Leserreporter freilich nur ein kleiner Aspekt – der doch irgendwie zur zunehmenden Vermischung von Journalismus und PR passt, zum Outsourcing von ganzen Lokalredaktionen und zum Journalisten, der immer mehr dafür da ist, Zeitungsseiten, Internetauftritte und Sendezeit nicht möglichst gut, sondern möglichst schnell zu befüllen. Schnell, aber flach – keine besonders erstrebenswerte Entwicklung. Katja Auer April
Benedikt XVI. zum 80.Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch, möchte man sagen! Und der erste Schreck umfängt den Leser: Wieder eine Laudatio auf den päpstlichen Geburtstag, wovon der Büchermarkt boomt und die Zeitungen in diesen Tagen voll sind? Ja, gerade deshalb! Denn auch für einen katholischen Journalistenverband lohnt der Blick nach Rom. Natürlich hat der Stil des Pontifikats gewechselt, und für manchen Journalisten, der sich der besonderen Nähe des Umfelds von Johannes Paul II. rühmte, ist es ruhiger geworden. Selbst die bekannte Hamburger Boulevardzeitung ist nicht mehr sicherer Garant für die Topmeldungen aus dem Vatikan und überhaupt: Benedikt XVI. zeichnet ein Pontifikat, das von der Macht der Bilder Abschied genommen hat und längst bei der Kraft der Worte angekommen ist. Glückwunsch, Heiliger Vater, denn eine solche Form des Pontifikats ist auch eindrucksvoll für uns Journalisten. Wir müssen zwar wieder mehr Theologie lesen und verstehen, vor allem lassen sich Ihre brillanten Sätze kaum kürzen, und doch sind Sie sicherer Zulieferer knapper 1.30-er Beiträge, die in jedem Hörfunksender unterzubringen sind. Benedikt XVI. schätzt die Medien, auch wenn er auf ihrer Klaviatur längst nicht so spielt wie sein Vorgänger. Er lässt sich von ihnen weniger instrumentalisieren und begegnet ihnen gleichzeitig mit Respekt. Wir erinnern uns: Die erste Audienz nach Amtsantritt galt den Medienvertretern, die sich zu dem Großereignis in Rom akkreditiert hatten. In der Folge hat der Papst manche Gelegenheit genutzt, um seine Auffassung von Kirche und Medien darzulegen. Verkündigung in den Medien ist ihm ebenso ein Herzensanliegen wie die solide Existenz einer breiten Medienvielfalt. Glückwunsch, Heiliger Vater, denn in Ihrem unkomplizierten Zugehen auf die Medien begeistern Sie Journalisten und Fotografen, Redakteure und Tontechniker gleichermaßen. Ihr freundliches Lächeln und Ihr bescheidenes Auftreten umfangen Ihr Gegenüber. Die Herzlichkeit und das Interesse am anderen prägen Ihren Stil. Das dürfen wir Journalisten im Alltag leider nicht immer erfahren, bei Ihnen offensichtlich schon. Tatsächlich geht Benedikt XVI. nach zwei Pontifikatsjahren mutige Schritte: Ein Jesuit als Pressesprecher, die sichtbare Reduktion medial inszenierter Veranstaltungen und die Konzentration auf das Wort. Der Papst mahnt uns, genauer hinzuhören, trotz Hektik, trotz Alltag, trotz Nachrichtenflut. Auf das „mehr“, auf das „Innere“ kommt es ihm an. Auch im Umgang mit den Medien. Deshalb: Wir mussten uns an den neuen Umgang schon gut gewöhnen, Heiliger Vater. Vor allem ist es eine Art des medialen Miteinanders, die wir schätzen. Daher sagen wir - die Gesellschaft Katholischer Publizisten - „Herzlichen Glückwunsch“, Heiliger Vater. Matthias Kopp Mai
StimmungsmacheEine Grundsatzdiskussion beschäftigt seit Wochen die Republik: Sollen vermehrt Kinderkrippenplätze eingerichtet werden? Eigentlich ist das ja eine einfache Sachfrage; doch ganz schnell entwickelte sich aus dem von Familienministerin von der Leyen verkündeten Vorhaben, die Zahl der Krippenplätze insbesondere im Westen der Republik kräftig zu vermehren, unter tätiger Mithilfe der Medien eben die Grundsatzdiskussion: Sollen Kinder innerhalb oder außerhalb der Familie sozialisiert werden? Und das nochmals überhöht: Was ist die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft? Eine drastische Formulierung von Bischof Mixa, dass er vor einer eine Entwicklung warne, welche zum Missbrauch der Frau als reiner Arbeitskraft führe, diente vielen Journalisten als willkommener Anlass, den Bischof und die Katholische Kirche als nicht bekehrbare Vertreter der „Küche-Kinder-Kirche-Ideologie“ zu brandmarken. Meist waren solche wertenden Urteile auch noch als Nachrichten getarnt. Merkwürdig ist es zu beobachten, wie oft gerade Journalisten, die sonst den Unternehmen jedwede moralische Verantwortung im Streben nach Gewinn absprechen, an dieser Stelle offenbar gar keine Gefahr sehen. Der allzu grobe Keil, den Bischof Mixa bei einem Seitenthema angesetzt hat, das noch lange nicht aktuell sein wird, war den Medien offensichtlich hoch willkommen, um „Skandal, Skandal“ zu schreien und dabei wesentliche Fakten auszublenden: Erstens: Die Kirchen und auch die Katholische Kirche in Augsburg haben die Zahl der von ihnen angebotenen Kinderkrippenlätze erheblich gesteigert. Zweitens: Unter den jungen Erwachsenen, also den jungen oder zukünftigen Eltern, gibt es in dieser Frage gar nicht das medial so gern beschworene Entweder – Oder. Wir wissen aus Umfragen: Nur jeweils 10% Prozent wollen nur Mutter sein oder nur Karriere machen, 80% wollen Mutterschaft (besser Elternschaft) und Beruf und Karriere miteinander verbinden und erwarten dabei Hilfe vom Staat, von den Arbeitgebern und vom Partner. Sie wollen in ihrer situationsbedingten Entscheidung Wahlfreiheit haben. Ein klareres Anforderungsprofil der betroffenen Gesellschaftsgruppe an den Staat kann man sich kaum vorstellen. Da wird es nun wirklich interessant. Frau von der Leyen hat sich listig um die Finanzierungsfrage herumgedrückt, sie tendiert aber wohl zu Mehrausgaben des Staates für die Einrichtung zusätzlicher Krippenplätze, sowie zur Einrichtung eines Familiensplittings, das Familien umso mehr von der Steuerlast auf dem von ihnen Verdienten befreit, je mehr Kinder sie haben. Letzteres würde natürlich auch Familien nützen, in denen ein Elternteil nicht berufstätig ist. Und siehe da: Das ist denn doch so manchen Befürwortern der Wahlfreiheit der Frau zuviel Familienförderung. Es soll vielmehr umgeschichtet werden. Wenn mehr Kinderkrippenplätze eingerichtet werden, kann zumindest an anderer Stelle Familienförderung nicht gesteigert werden, wenn sie nicht gar gekürzt werden muss. Ist das Ausdruck der immer wieder geforderten Wende der deutschen Gesellschaft zu mehr Kinderfreundlichkeit? Wer ist hier eigentlich konservativ? Dank der Vielfalt unserer Medien, haben sich die Fronten inzwischen etwas geklärt, denn das Fernsehen kam nicht umhin, den Protagonisten der Diskussion wiederholt Sprechzeit einzuräumen, so dass sich journalistische Verzerrungen als solche entpuppten. Am Thema aber ist die Bedeutung einer journalistischer Grundforderung wieder einmal deutlich geworden: Nachricht und Meinung sind strikt zu trennen. Georg Stingl Juni Das Recht auf freie Meinungsäußerung
Von der internationalen Großdemo, über Blockaden der Zufahrten in Heiligendamm bis hin zu Alternativgipfel in Rostock: Die Menschen lassen den G8-Gipfel nicht einfach geschehen. Ihre Forderungen, den ärmsten der Armen die Schulden zu erlassen, den Reichtum dieser Welt gerechter zu verteilen, Kriege zu vermeiden, Menschrechte zu wahren und viele mehr sollen von denen gehört werden, die an der Macht sind. Und es sollen diejenigen mobil gemacht werden, die noch schweigend dem Unrecht zusehen. Das ganze wird von Konzerten angesagter Künstler wie z. B. Herbert Grönemeyer, von Aktionstagen zu Landwirtschaft, Migration und Militarismus eingerahmt. Nicht zu vergessen sind der Gottesdienst in Bad Doberan und Gebetsketten an allen Tagen des Gipfels. Sie sind alle dabei: Christen, Humanisten, Atheisten, alle, die ihre Meinung zur Globalisierung kundtun wollen. Bleibt es bei Konzerten und Diskussionen, bei Kundgebungen und friedlicher Demonstration? Es wäre sehr zu wünschen. Denn Frieden und Gerechtigkeit haben sich noch nie mit Gewalt erzwingen lassen. Aber leise und nett sollte es wohl auch nicht werden! Denn wer immer nur nett ist, den nimmt jemand mit Macht auf Dauer nicht ernst. Wo aber ist die Grenze zwischen friedlichem Protest und lautstarker Kundgebung, die in Gewalt mündet? Wer ist friedlicher Demonstrant? Wer ist ein so genannter „Störer“ und muss in „Unterbindungsgewahrsam“ genommen werden? Diese Fragen werden nicht wirklich beantwortet. Die Razzien bei den Globalisierungsgegnern haben die Öffentlichkeit wachgerüttelt. In allen Medien war zu sehen, zu hören oder zu lesen, was geschehen ist. Und in fast allen Medien kamen sie zu Wort: die Rechtfertiger für die Razzien gleichermaßen wie die Globalisierungsgegner. Gut so, denn manchen wurde jetzt erst bewusst, um was es bei dem G8-Gipfel geht. Manche erkannten jetzt erst, dass sie auch nicht mit allen Begleiterscheinungen der Globalisierung einverstanden sind. Aber manche haben auch Angst bekommen. Angst, in eine Ecke mit militanten Globalisierungsgegnern gesteckt zu werden; Angst, selbst in den Verdacht zu geraten, ein „Störer“ zu sein. „Lieber kein Risiko eingehen und nicht dabei sein, auch wenn mir nicht gefällt, was die sieben Staatschefs und ihre Präsidentin, Dr. Angela Merkel, entscheiden,.“ mag sich der eine oder andere denken. Mut macht der kürzliche Beitritt des früheren CDU-Generalsekretärs und ehemaligen Jesuitenschülers Dr. Heiner Geißler zu Attac. Das Recht auf gewaltfreie Demonstration, für das Attac eintrete, sei der Beweggrund für seine Mitgliedschaft. Mut macht auch der ungebrochene Wille vieler kirchlicher Gruppen, die ihre Veranstaltungen lange geplant haben, die garantiert nur eine friedliche Art der Kundgebung im Sinn haben. Ihnen kann man sich beruhigt anschließen. Und Mut macht die Pflicht der Medien zur Information. Auf diese Weise können weder groß angelegten Razzien unbemerkt durchgeführt werden, noch Krawalle und Gewalt unter dem Deckmäntelchen einer gerechtfertigten Demonstration bleiben. Gut so! Beate Schneiderwind Juli/August NÄHE UND DISTANZ VEREINT
Genau in dieser Zeit, in der tausende Journalisten ein solches Politikertreffen zum Medienereignis machten, sorgten sich aber auch Printjournalisten um die Zukunft der Reportage und veranstalteten deshalb kürzlich erstmals in Hamburg ein Reporter-Forum. Nichts ist erregender als die Wahrheit, meinte einst Egon Erwin Kisch. Die Reportage ist aber auch eine sehr moderne Form, so Spiegelreporter Cordt Schnibben, die Anschaulichkeit mit Hintergründigkeit und die Wirklichkeit auf intelligente Art spiegelt. Eine journalistische Form, die nah an den Menschen und deren Problemen ist. Überdies hilft sie den Printmedien, sich gegen Online und Fernsehen zu behaupten, weil sie den Wunsch der Leser nach Authentizität und Zeitzeugenschaft befriedigt. Die großen Globalisierungsthemen, aber auch die großen gesellschaftlichen Veränderungen in unserem Land hätten es verdient, dass ihnen nicht weniger, sondern mehr Platz in den Zeitungen eingeräumt wird. Denn der Aufwand, den Reportagen erfordern, lohnt sich und ist mehr als entbehrlicher Luxus. Ein Jurymitglied des Henri-Nannen-Preises, in dem der renommierte Kisch-Preis aufging, berichtete von der Schilderung eines amerikanischen Kollegen: Ein sehr guter Reporter müsse in einer sehr guten Geschichte immer so tun, als sei er als eine Art Kommissar einem Serienmörder auf der Spur. Und am Ende werde natürlich der Täter gefangen. Vielleicht bietet die ereignisärmere Sommerzeit dem einen oder anderen Journalisten die Möglichkeit, Themen anders aufzugreifen: Fern von Statements von Politikern und nah am Menschen. Mit nötiger Distanz und Nähe zu den Problemen. Bernhard Rude September "Wir wollen lieber draussen bleiben"
Unter großem medialen Rummel will der Konzern Mitte Oktober in München seine „BMW Welt“ eröffnen, eine Mischung aus Erlebnispark und Abholzentrum, beworben als „Raum für die Begegnung von Mensch zu Mensch in ästhetischem Ambiente“. Berichten dürfen darüber allerdings nur Journalisten, die von Landeskriminalamt und Verfassungsschutz für „sauber“ und „ungefährlich“ befunden werden. Oder im Fall ausländischer Kollegen gar vom Bundesnachrichtendienst. Vor wem haben die Autobauer Angst? Vor als Medienleuten getarnten Terroristen, die auf BMW als eines der deutschen Kapitalismus-Symbole zielen könnten? Oder machen sie sich einfach nur wichtiger als sie sind? Natürlich, auch bei so einer Eröffnung ist viel Prominenz anwesend, sei sie aus der Politik, der Wirtschaft oder der sonstigen Gesellschaft. Aber das rechtfertigt nicht solche Praktiken! Es scheint sich ein Trend abzuzeichnen, uns Journalisten das Arbeiten in vielerlei Hinsicht zu erschweren: durch Akkreditierungshürden, durch Knebelverträge für Fotografen oder Einschränkungen der Pressefreiheit, etwa durch die Aushebelung des Informantenschutzes oder anderes. Gleichzeitig versucht man, uns immer mehr für die eigenen Zwecke einzuspannen. Ich bin optimistisch, dass es immer genug findige und mutige Kolleginnen und Kollegen geben wird, die dafür sorgen, dass von wirklich wichtigen Ereignissen berichtet wird, und die die nötige Aufklärung über brisante Themen leisten. Und ich hoffe, dass es zuneh- Informationen Herausgegeben von der Gesellschaft Kmend vernünftige Journalisten geben wird, die die Spiele der tatsächlich oder vermeintlich Reichen, Mächtigen und Prominenten nicht mitspielen und zu Hause bleiben. Nicht mit einem schmollenden „Wir müssen leider draußen bleiben“, sondern mit einem von vornherein selbstbewussten „Danke nein, wir wollen lieber draußen bleiben“ auf den Lippen. Stell Dir vor, es ist Pressekonferenz und keiner geht hin; stell Dir vor, eine neue (Schein-)Welt wird „erschaffen“ – und es dreht sich kein Medienrummel drumherum. Das wäre eine schöne neue Welt, nicht nur für Journalisten... Hildegard Mathies Oktober
Ende eines „Informationen“-ZeitaltersMit dieser Ausgabe der „Informationen“ endet eine Ära, die Ära Graf. Seit Januar 1988 hat Dr. Günter Graf unsere Mitgliederpublikation als Herausgeber betreut. Fast hätte er es geschafft, das zwanzigjährige Jubiläum zu erreichen. Aber sein Gesundheitszustand macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Er braucht seine Kraft jetzt für einen anderen Kampf und hat den Vorstand gebeten, ihn von seiner Aufgabe zu entbinden. Die GKP hat Dr. Graf viel zu verdanken. Nicht nur seine langjährige Tätigkeit im Vorstand, sondern vor allem die engagierte Herausgeberschaft war ein wichtiger Dienst an unserer Gesellschaft. Immer wieder haben wir von unseren Mitgliedern gehört, dass die „Informationen“ für sie ein wertvolles Bindeglied sind und dass sie es zu schätzen wissen, so kompakt die Neuigkeiten aus dem kirchlichen und säkularen Medienbetrieb zusammengestellt zu bekommen. Vor allem diejenigen, die keinen Zugang zu den entsprechenden Fachdiensten haben, waren dankbar dafür, eine journalistisch sorgfältig aufbereitete Auslese zu bekommen. Und auch jene, die einiges schon gelesen hatten, haben noch Neues gefunden, wenn sie die „Informationen“ auf dem Tisch hatten. Zehnmal im Jahr kam die GKP dank der Arbeit von Günter Graf in den Briefkasten jedes Mitglieds – zuletzt auch als pdf.Datei auf die Rechner. So war der Kontakt auch für alle, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an den Veranstaltungen teilnehmen können, stets gesichert. Oft haben wir aus Kostengründen darüber diskutiert, ob wir uns die „Informationen“ noch leisten können, ob wir auf weniger Ausgaben oder eine andere Erscheinungsweise umstellen sollen – die Mitglieder haben sich stets mit deutlicher Mehrheit für eine Beibehaltung der „Informationen“ ausgesprochen. Dieses klare Votum ist der Arbeit ihres langjährigen Redakteurs zu verdanken. Fleißig, zuverlässig, unermüdlich hat er gesammelt und redigiert, die Autoren ermahnt und knifflige Probleme durch sensible Telefonate gelöst. Er hat akribisch Korrektur gelesen und war mit ganzem Herzen dabei. Nach seiner Pensionierung wurden die „Informationen“ ein großer Teil seines Lebensinhaltes - ein Engagement, das alle Leser gespürt haben. Der Vorstand war dankbar für diese Arbeit; dass sie noch ganz altmodisch geleistet wurde ohne PC und email-Account war der Tribut, den wir Günters Arbeitsweise gerne gezollt haben. Unterstützt wurde Günter Graf lange Jahre durch Christian Frevel, der für das Layout verantwortlich war. Er wird diese Arbeit auch weiterhin machen und so die Kontinuität wahren. Herzlichen Dank dafür. Dankbar sind wir, dass Georg Stingl sich kurzfristig bereit erklärt hat, als neuer Redakteur die „Informationen“ zu betreuen. Sicherlich haben Sie, liebe Mitglieder, Verständnis, wenn die „Informationen“ in dieser Ausgabe und in der nächsten Zeit vielleicht nicht die gewohnte Qualität erreichen. Jeder Redakteur muss seinen Stil finden, neue Arbeitsabläufe müssen eingeübt werden und vielleicht bringt die Umstellung auch im Layout Änderungen mit sich. Günter Graf ein großes Vergelt’s Gott und viel Kraft in den nächsten Monaten. Michaela Pilters November Verbale Entgleisungen
Es geht schon über die Grenze des Zumutbaren heraus, was in den vergangenen Wochen zwischen Kirche und Politikern, zusätzlich verzerrt und dadurch verschärft durch verkürzte Zitate in den Medien, verbal und schriftlich alles hin und her funkte. Als Journalist kann man sich nur wundern oder aber freuen (je nach Medium, bei dem man arbeitet), wie tief die das Debattier- Niveau inzwischen gesunken ist. Und man staunt, dass sogar kirchliche Pressestellen sich eifrig bemühen, das gleiche Niveau zu erreichen. Dirk Hermann Voß, Pressesprecher des Bistums Augsburg, hatte nach beileidigenden Äußerungen der Grünen-Politikerin Claudia Roth gegen den Augsburger Bischof Walter Mixa („durchgeknallter spalterischer Oberfundi“) sich an die Propaganda-Hetze der Nazionalsozialisten erinnert gefühlt, warf der Vorsitzenden der Grünen „faschistoide Züge“ vor und bezeichnete die Partei der Grünen als für Christen unwählbar. Damit war Dirk Hermann Voß weit über das Ziel hinausgerudert. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Politiker, Medien und auch der Zentralrat der Juden in Deutschland forderten Voß zur Rücknahme seiner Äußerungen auf, was der Pressesprecher auch schnell erledigte und „verbale Abrüstung“ auf beiden Seiten forderte. Dirk Hermann Voß ist kein „grüner Junge“, kein Berufsanfänger oder im kirchlichen Bereich nicht beheimatet. Nein, er ist gestandener christlicher Verleger, Chef der „Katholischen Sonntagszeitung“, die in Augsburg, Berlin und Regensburg als Kirchenzeitung fungiert. Und der Jurist und Wirtschaftswissenschaftler ist seit Jahren für die Paneuropa-Union politisch aktiv. Doch es erscheint derzeit als opportun, Vokabeln zu nutzen, die früher als „geht nicht, weil historisch belastet“ galten. Ein „Beitrag zur Demokratischen Streitkultur“, wie Voß seine Äußerungen später bezeichnete, sieht anders aus. Das gilt übrigens auch für die anderen eingans zitierten Äußerungen. Harald Schmidt hatte in seiner (mehr schlechten als rechten) ersten Ausgabe seiner neuen Sendung mit Oliver Pocher versucht, mit einem „Nazometer“ diesen Trend auf die Schippe zu nehmen - nur mäßig komisch, meine ich. Es gilt, wieder zur Sachlichkeit zurückzukehren. Und sich zu erinnern: Pressesprecher sind keine politisch handelnden Generalsekretäre. Gerade die Kirche, die ja stets Zeit brauchte, um über Änderungen nachzudenken, sollte mäßigend wirken und nach dem Motto handeln: „Erst denken, dann reden“. Und: „Erst wägen, dann wagen“. Christian FrevelDezember „Spiegel“-Leser wissen mehr
Dabei geht es gar nicht um die Frage, ob ein 61-jähriger Chefredakteur nach 13 Jahren nicht einmal ausgewechselt werden darf. Doch es geht um das Wie. Im Urlaub auf Bali erfuhr Aust, dass die Mitarbeiter KG, die 50,5 Prozent der Spiegel-Anteile hält, seinen Vertrag nicht über den 31. Dezember 2008 hinaus verlängern wolle. Und auch das nur durch eine Indiskretion. Stefan Aust war seit seiner Installation als Chefredakteur 1994 umstritten. Spiegel-Gründer Rudolf Augstein setzte ihn damals gegen den Willen der Belegschaft durch. Aust gilt als Machtmensch, die Redaktion habe er mit harter Hand geführt. Dennoch gilt es als sein Verdienst, dass der Spiegel die große Zeitungsund Zeitschriftenkrise nahezu als einziger unbeschadet überstanden hat. Die Auflage ist stabil, der 1993 eingeführte Focus konnte die Vormachstellung des Spiegel nicht gefährden. Einen Modernitätsschub brauche der Spiegel, lautet eine Begründung für den Rausschmiss Austs, man wolle jüngere Leser binden. Die Suche nach einem Chefredakteur gerät damit zur Richtungsentscheidung und wirft die Frage auf, mit welcher Ausrichtung ein Nachrichtenmagazin künftig die Marktführerschaft beanspruchen kann. 2005 kritisierte Franziska Augstein, die Tochter des Gründers, öffentlich, der Spiegel habe unter der Ägide Austs seinen Platz als Leitmedium verloren. Tatsächlich sind die Zeiten längst vorbei, in denen ganz Deutschland über Spiegel-Titelgeschichten diskutierte. Der Spiegel schafft es längst nicht mehr, den Wettstreit der Positionen zu beleben, mit einer eigenen pointierten Meinung die Diskussio- nen in Wallung zu bringen. Allerdings macht das auch kein anderes Medium. Aust ließ als Chefredakteur zu, dass der Spiegel boulevardesker wurde, dafür auch populärer, was wiederum zum wirtschaftlichen Erfolg führte. Einen positiven Aspekt gibt es bei Rauswurf Austs dennoch: Auf einmal machten sich sogar die härtesten Konkurrenten wie Focus-Chef Helmut Markwort für den guten Umgangston im Journalismus stark. Wenn auch mit der etwas zweifelhaften Formulierung, die Spiegel-Belegschaft sei eine „Meute“, die ihren Chef davongejagt habe. Katja Auer Druckversion
Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands -
Overather Straße 51 - 53,
51429 Bergisch Gladbach
Tel.: 02204-408472, - Fax: 02204-408420, - email: info@gkp.de |













