Untitled
  Gesellschaft
  Katholischer
  Publizisten
  Deutschlands
  e.V. (GKP)
    Ein freier Zusammen-
schluss von Publizisten, die versuchen, aus christlicher Verantwortung auch im Beruf ihren Dienst für Gesellschaft und Kirche zu leisten. Mehr dazu
Home    Inhalt    Aufnahmeantrag    Links    Kontakt/Impressum    Stellenbörse
Navigation
Navigation
home > Kommentare > Kommentare 2001

Kommentare 2009
Kommentare 2008
Kommentare 2007
Kommentare 2006
Kommentare 2005
Kommentare 2004
Kommentare 2003
Kommentare 2002
Kommentare 2000

Kommentare aus dem Jahr 2001

Zwischen Qualität und Quote

Der Künstler hat eine Vision, er folgt dieser Vision kontinuierlich und offenbart sich auf anderem Wege als dem der Raison. Das ist Kunst - oder nicht?

Um diese Frage sollte es auf der Tagung "Zwischen Kunst und Quote - Das Verhältnis von Kunst und Medien" in Aachen eigentlich gar nicht gehen. Und doch - wie hätte man über Kunst reden sollen, nicht einig darüber, was Kunst ist? Man verstrickte sich also wieder und wieder in Definitionen des Undefinierbaren: Ist Kunst doch nur das, was jeder schön findet? Und vor allem: Ist Kunst noch Kunst, wenn sie uns ärgert? Wer oder was setzt das Maß?

Der christlich denkende Mensch sollte für das Irrationale, das Unerklärbare in der Kunst eigentlich das größte Verständnis haben. Ist nicht auch seine Religion voller Geheimnisse? Treffen wir Christen nicht immer, wenn wir denken, wir hätten es verstanden, an die Grenzen des Unerklärlichen? Und doch ist da eine Wahrheit, von der wir uns wünschen, daß sie verstanden wird, auch ohne daß wir sie erklären können. Dem Künstler mag es ähnlich gehen. Ist er deshalb ein arroganter, Ich-bezogener Sonderling? Ist er verpflichtet, unser Bedürfnis nach Verstehen zu erfüllen? Die Frage bleibt unbeantwortet, zwei Tage lang, denn Kunst ist anscheinend doch noch in einem hohen Maß Geschmackssache.

Den guten Künstler stört das nicht. Er folgt seiner Vision, er folgt ihr kontinuierlich, wenn nötig auch am Wohlwollen der Mitmenschen vorbei - auch, und dann wird es schwierig, am Wohlwollen der Medien. Denn die sind es, die den Künstler mit einem öffentlichen Namen versehen oder eben nicht. Das eine wie das andere kann der Kunst dienen oder sie vernichten. Eine breite Öffentlichkeit kann dem Künstler nützen und doch seine Kunst auf Dauer ruinieren.

Und umgekehrt: Was wäre ein Medium, das sich nicht mit Kunst befaßte? Unmöglich, diesen Wert in unserer Gesellschaft zu ignorieren. Die Menschen leben davon, ob sie es wissen oder nicht. Juristen, Künstler, Journalisten, Lehrende und Kulturmanager betrachteten auf der Tagung verschiedene Aspekte dieser untrennbaren Liaison. Viel zu kurz waren die Gespräche mit den Experten, die regen Diskussionen machten aber immerhin klar, daß von der Kunst - wie eben auch von der Religion - in der Öffentlichkeit nur mit Respekt und mit Kompetenz gesprochen werden kann. Denn nur das, was ich kenne, kann ich mit gutem Gewissen beurteilen, kritisieren oder schützen. Wenn dies nicht gegeben ist, sollte der Publizist und Journalist lieber schweigen - auch wenn es ihm noch so schwer fällt.

Maria Riederer




Ein Medienbischof im Ruhestand

Er war fast 20 Jahre Bischof von Trier und mehr als ein Jahrzehnt Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz. Am 31. Dezember 2000 hat er das 75. Lebensjahr vollendet und gemäß dem Kirchenrecht seinen Rücktritt beim Papst eingereicht: Bischof Hermann Josef Spital. Ein unermüdliches Wirken geht damit zu Ende, aber längst nicht die seelsorgerliche Arbeit, die ihn im Ruhestand begleiten wird und der ihm sowohl Freiraum für neue Forschungen als auch Zeit für ausgedehnte Wanderungen gibt.

Mit dem Rücktritt von Medienbischof Spital geht eine Ära zu Ende. Viele von uns haben ihn in den vergangenen Jahren erleben können. Er galt als Mann des zurückhaltenden und wohl abwägenden Wortes, als jemand, der sich vor öffentlichen Auftritten genauso wenig scheute, wie sich neuen medialen Herausforderungen zu stellen. Gerne erzählte er dabei über seine Erfahrungen vom Umgang mit der mechanischen Schreibmaschine hin zum Schreibegerät mit eingelegter Diskette. Bischof Spital hat von 1989 bis zum Jahre 2000 die kirchliche Medienlandschaft in Deutschland mit begleitet: Die Sanierung des Weltbild-Verlags geht ebenso auf ihn zurück wie die Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung "Chancen und Risiken der Mediengesellschaft" von Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche.

Bei allem Wirken hat Spital die Höhen und Tiefen des bischöflichen Amtes, aber auch des publizistischen Schaffens erlebt. Anfeindungen war er ebenso ausgesetzt wie hohem Respekt zahlreicher seiner Gesprächspartner. Bei allem Engagement konnten wir Journalisten und insbesondere die Gesellschaft Katholischer Publizisten eines ganz besonders von ihm lernen: den Umgang mit dem Wort; sei es das geschriebene Wort, Spitals Passion, oder das gesprochene Wort als Mittel des von ihm in verschiedensten Situationen immer wieder gesuchten Dialogs.

Bischof Spital wusste um das Wirken der GKP. Zu ihrem 50-jährigen Bestehen stellte er treffend fest: "Kirchliches Selbstverständnis ist heute ohne das persönliche Engagement von Verbänden und deren Mitgliedern… nicht mehr zu denken. So hat sich die GKP in den vergangenen Jahrzehnten zu einer vernehmbaren Stimme auf dem publizistischen Markt in Deutschland entwickelt." Das ist doch ermutigend, wenn uns ein Medienbischof so etwas noch sagen kann. Das ist natürlich zugleich unsere Hoffnung an den neuen Medienbischof, der im Herbst dieses Jahres berufen wird und dem wir uns im Gespräch - je früher desto besser - stellen sollten. Und was Spital einmal als Auftrag der GKP formuliert hat, kann uns als Verband auch nach seinem Rücktritt als Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Bischofskonferenz ein Auftrag sein: "Ich wünsche mir…, dass sich die GKP und ihre Mitglieder diesen Herausforderungen stellen: Publizistik nicht nur als öffentlichkeitswirksame Maßnahme zu erkennen, sondern sie als theologisches Element im Mitwirken der Kirche zu nutzen."

Wenn normalerweise an dieser Stelle der Kommentar des Vorstands auftaucht, dann ist es diesmal eine wenigstens kurze Würdigung für jenen, dem das Wachsen und Werden der GKP in der nicht immer einfachen Arbeit auf dem Feld kirchlicher und säkularer Medien ein Anliegen war. Unser Wunsch heißt deshalb: Möge es ein ruhiger Ruhestand werden, der Bischof Spital weiterhin ein enges und gutes Verhältnis zu den Medien beschert. In diesem Sinne: ad multos annos!

Matthias Kopp




Reality-TV ohne Realität

Am Anfang muss es für die Fernsehmacher ein unbeschreibliches Glücksgefühl gewesen sein; jetzt am Ende ist es für alle nur noch eine Qual. Da taten die Herren von ,,Big Brother" doch tatsächlich so, als ob sie mit der neuen Sendung gleich ein ganz neues TV-Format, entdeckt hätten: Erfolgsversprechend, vielfältig reproduzierbar und wirklichkeitsnah. Einwände, wie die von Ministerpräsident Kurt Beck, der solche Sendungen verbieten lassen wollte, weil sie mit der Menschenwürde nicht vereinbar seien, verhallten fast ungehört. Denn für die Fernsehmacher zählten nicht die Einwände von Bedenkenträgern, sondern die Einschaltquote. Und die stimmte - zu Beginn jedenfalls. Da war es auch egal, dass es bei diesem ,,Reality-TV" nicht um Schauspieler ging, die nur eine Rolle spielen, sondern um Menschen, die sich selbst, nämlich ihre Privatheit, verkauften, die letztlich also bloßgestellt werden.

Bekamen gar noch jene TV-Moderatoren recht, die instinktsicher festgestellt hatten: ,,Die Sendung hat nicht nur unser Sehverhalten, sondern unsere ganze Gesellschaft verändert?" Jedenfalls wurden Container-Bewohner über Nacht zu Stars und gefragten Talk-Show-Gästen, auch wenn sie dort eigentlich gar nichts zu erzählen hatten. Jeder kann ein Star sein; das war ein geniales Erfolgsrezept: Wir Zuschauer amüsieren uns zu Tode, und die Fernsehmacher reiben sich die Hände. Ernüchternd sind jetzt aber die neuen Einschaltquoten und Umfrageergebnisse. Plötzlich haben 87 Prozent der Zuschauer von ,,Girlscamp", ,,Big Brother" & Co. schlicht die Nase voll und wünschen sich einer Emnid-Umfrage zufolge lieber wieder mehr Spielfilme und Sport im Programm. Und damit nicht genug. Auch der Appetit auf Talkshows scheint nicht unersättlich zu sein. Zwei Drittel der Befragten sind auch der Ansicht, zumindest auf einige dieser inflationären Sendungen verzichten zu können.

Zahlen, die nun die Medienwächter in ihren Ansichten bestärken: Die ,,Reality Soaps" und der Menschenwürde, meint jetzt wieder die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, die zu einer breiten Diskussion über jüngste Sendungen von RTL, RLT I und SAT1 auffordert. Die Balance zwischen der wirtschaftlichen und publizistischen Legitimation, wie sie auch in den Programmstandards des Rundfunkstaatsvertrags und der Landesmediengesetze vermerkt ist, sei bei diesen Formaten erheblich gestört

Während aber die Medienwächter noch diskutiere, hat eine kleine Kirchengemeinde im Landkreis Darmstadt-Dieburg längst gehandelt: Über 650 Gemeindemitglieder und Fernsehzuschauer beteiligten sich eine Woche lang am freiwilligen Fernsehboykott der Privatsender: Aus Protest gegen die menschenverachtenden Sendungen. Ein Beitrag für mehr Qualität statt Quote - und eine gute Idee für die Fastenzeit.

Bernhard Rude




Gegen das Vergessen

Warum hört ihr nicht endlich auf, nach mehr als 11 Jahren noch immer über die vergangene DDR und die Stasi zu reden? So und ähnlich klingen die Fragen, die mir in diesen Tagen überall - sei es in Leipzig und Mainz, in Berlin und München - gestellt werden. Gemeint ist dabei die in den Medien geführte Diskussion über Stasi-Vorwürfe gegen Mitarbeiter des MDR. Wer den im Oktober des vergangenen Jahres in überregionalen Tageszeitungen begonnenen Schlagabtausch verfolgt, stellt fest, wie tief die Gräben noch sind. Und ich stelle mir die Frage: Wie weit sind wir im Verständnis füreinander zwischen Ost und West noch immer auseinander?

Die meisten Menschen, die in der alten DDR gelebt haben, waren nicht als Handlanger oder Spitzel des diktatorischen Systems tätig, sondern haben sich darum bemüht, ein normales, soweit es möglich war, erfülltes und anständiges Leben zu führen. Das gehört heute noch immer nicht zur allgemeinen Meinung. Deshalb ist um so mehr daran zu erinnern, dass Ideologie und Diktatur in der ehemaligen DDR von einer Siegermacht importiert wurden und nicht hausgemacht waren. Darin besteht auch der größte Unterschied zur Diktatur der Hitlerzeit. Die Mehrheit der Bevölkerung in der ehemaligen DDR hat nicht hinter dem System gestanden. Die meisten mussten eben sehen, wie sie recht und schlecht unter den ihnen aufgenötigten Bedingungen zurecht kamen. Davor sollten die Landsleute aus dem Westen Respekt haben.

Jede Forderung, einen Schlussstrich unter die SED-Diktatur zu ziehen und alles zu vergessen, ist deshalb falsch, weil die Menschen miteinander reden sollten, um einander zu verstehen. Ein Schlussstrich würde bedeuten, so Richard von Weizsäcker, ,,dass man sich mit der Vergangenheit, wie sie entstanden ist, was sie hervorgebracht hat, historisch, politisch, gesellschaftlich und menschlich nicht mehr beschäftigen will. Das darf nicht sein. Man muss aber das beispiellose Stasi-System in seinen furchtbaren, Vertrauen zerstörenden Auswirkungen bis hinein in Freundschaften und Familien als Bestandteil unserer historischen Erfahrung, unseres historischen Gedächtnisses akzeptieren und bewahren."

Deshalb ist die öffentliche Diskussion hilfreich und wichtig. Dazu gehört auch, jedem Schuldigen die Möglichkeit zu geben, dazuzulernen und wieder mitzumachen, um ihm verzeihen zu können. Je nach dem, wie die Vergangenheit des Betreffenden aussieht, kann er seine Stellung in der Gesellschaft finden. Verzeihung heißt jedoch nicht, ehemaligen IM Verantwortung in jedem Bereich zu übertragen, auch wenn sie dazu befähigt wären.

Die Forderung zum Dialog zwischen Ost und West hat es in der GKP schon immer gegeben. Sie ist heute wieder aktueller denn je. Denn wir wissen noch immer zu wenig von einander, um zu verstehen. Einander zuhören, sich gegenseitig die Erfahrungen aus der früheren Zeit und aus der Gegenwart zu erzählen, dadurch wächst das Verständnis füreinander.

Bernhard Wiedemann




Multiplikatoren gefragt?

Der Vorstand unserer Gesellschaft hält es für dringend nötig, ein neues Mitgliederverzeichnis drucken zu lassen. Viele von Ihnen sicherlich auch, denn nicht allen gelingt es, stetig alle eintretenden Änderungen einzutragen. Dem sollte ein neues handliches Büchlein Rechnung tragen.

Wie aber den Druck realisieren in Zeiten immer knapper werdender Mittel? Die Vorstandsmitglieder erklärten sich bereit, sich in Akquisiteure zu verwandeln und verschiedene Institutionen anzufragen, ob sie an einer Anzeige in unserem Verzeichnis interessiert seien.

Nichts leichter als das, hatte ich mir gedacht, denn eine Liste mit Adressen von über 500 Journalisten bedeutet für einen Verlag oder ein Bildungshaus geradezu eine Freihauslieferung von Multiplikatoren beispielsweise. Das müsste doch jedem einleuchten, auch in den in PR oft - immer noch - ungeübten neuen Bundesländern, wo ich lebe. Einige sahen die gute Möglichkeit wirklich sofort, sei zu ihrer Ehre gesagt. Andere aber kamen mit solchen und ähnlichen Ausreden: Wir haben gerade eine Abwasserrechnung von über 100 000 DM zu begleichen, es fehlt an allen Ecken und Enden, ich kann die 250 Mark nicht verantworten....

Mich hat das betroffen gemacht. Bei diesen Gesprächen wurde mir sehr bewusst, wie leicht das Wort Sparzwang manche Menschen zum berühmten Kaninchen vor der Schlange machen kann, sie dazu bringt, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

Natürlich soll man sparen. Auch unser Verein muss darüber nachdenken. Natürlich braucht man nicht Werbung um jeden Preis. Aber wer dabei keine Prioritäten setzt oder Kosten und Nutzen vergisst abzuwägen, der macht sicherlich einen Fehler. Dass vielleicht täglich jemand mit ähnlichem Anliegen vor der Tür der Angefragten steht oder am Telefon hängt, mag lästig sein. Dass wir als GKP ein eigenes Interesse an dieser Anzeige haben, ist logisch. Das ist für mich nicht der Punkt. Was ich so schwer begreife, ist, dass diese Leute die Verbindung zu ihrem eigenen Vorteil nicht sehen. Dass sie kurzsichtig handeln. Grundsätzlich sollte doch immer diese Überlegung gelten: Ehe ich spare, muss ich mir im Klaren darüber sein, was ich erreichen will, wie das mit den weniger werdenden Mitteln gehen kann und wie ich diese Mittel am geschicktesten einsetze.

Unsere Anfrage wurde mir plötzlich zum Sinnbild, zur Frage an mich selbst und auch an viele, die in irgendeiner Weise Verantwortung tragen, wo immer, auch in den Kirchen.

Ursula Wicklein




Werther-Effekt und journalistische Verantwortung

Hat Johann Wolfgang von Goethe Schuld am Selbstmord zahlreicher Menschen? Nach dem Erscheinen seines Romans "Die Leiden des jungen Werther" gab es eine Reihe von Suiziden, die durch die Art und Weise ihrer Ausführung eine klare und nachweisbare Verbindung zum Tod der Goetheschen Romanfigur hatten. Der Dichter selbst wunderte sich über die ungeheure Wirkung seines Buches, machte sich Vorwürfe und beteiligte sich sogar an der Finanzierung einer Gedenkstätte für eine der Toten. Die Wissenschaft spricht seitdem vom "Werther-Effekt", wenn es um Nachahmungstäter von medial vermittelten Suiziden geht.

Die Erforschung dieser Zusammenhänge ist in unserer stark von Medien geprägten Welt von großer Bedeutung. Tatsächlich konnte in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass es einen Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung eines Selbstmordes gibt und dem Ansteigen von Folgetaten. In Heft 1 /2001 der Zeitschrift Communicatio Socialis referieren Hans-Bernd Brosius und Walther Ziegler die Ergebnisse, die den Werther-Effekt nicht länger als Arbeitshypothese, sondern als gesichertes Phänomen belegen.

Was folgt für die Berichterstattung in den Medien aus dem Nachweis, dass detaillierte Darstellungen Nachahmung provozieren? Dass das Tabu einer Selbsttötung fällt, wenn die Tat als künstlerischer Ausdruck und/oder mit Sympathie und Verständnisbereitschaft geschildert wird? Bei allem Mitgefühl, das Menschen gelten muss, die in ihrer Verzweiflung keinen anderen Ausweg sehen als Hand an sich zu legen, besteht die Gefahr, dass zu viel öffentlich gezeigtes Interesse oder die Heroisierung der Tat potentiellen Selbstmordkandidaten hilft, die letzten Barrieren zu durchbrechen.

Aber welche Zeitung, welcher Sender ist angesichts des Konkurrenzdruckes bereit, auf spektakuläre Berichterstattung zu verzichten? Wer wählt schon gerne freiwillig die blasse, unattraktive Darstellung und vermeidet aus Verantwortung Details, die der Geschichte mehr Substanz geben, aber eben auch zur Nachahmung anstiften? Gibt es noch einen gemeinsamen Ehrenkodex, auf den sich alle auch verlassen können? Genau darin liegt das Problem, weil nur gemeinsame Standards etwas wirksam verhindern können. Die aber sind einerseits gar nicht mehr gewünscht, der Wettbewerb bestimmt die Moral, und andererseits sind politische Auflagen und Zensur ein höchst sensibles Feld. Vertragen sich Beschränkungen und Meinungsfreiheit? Auch in anderen Zusammenhängen (Geiselnahme oder Schmuddel-TV) haben freiwillige Selbstverpflichtungen selten funktioniert.

Brosius/Ziegler sehen dennoch eine Chance durch gemeinsame Interventionen, durch Spielregeln, die von Berufsverbänden und einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen werden. Ein großangelegtes Awareness-Programm der Bundesregierung soll jetzt in Nürnberg die Wirkung von suizidpräventiven Maßnahmen evaluieren; ein Medienguide spielt bei diesem Pilotprojekt eine große Rolle.

Ein Versuch, den die GKP sorgfältig beobachten und unterstützen sollte. Die Frage nach unserer journalistischen Verantwortung und danach, was wir in der Öffentlichkeit, aber auch in den eigenen Reihen sinnvoll dazu beitragen können, gehört als dauernde Wiedervorlage zu unseren Themen.

Michaela Pilters




Die publizistische Kommission dümpelt vor sich hin

Seit dem 15. Januar 2001 ist der Vorsitz der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz verwaist. Indem Papst Johannes Paul II. den Rücktritt von Bischof Hermann Josef Spital als Diözesanbischof des Bistums Trier annahm, schied Spital auch als Vorsitzender der Kommission IX, "Publizistische Fragen" aus dem Amt. Die Kommission wird seitdem von Weihbischof Friedrich Ostermann, Münster, dem bisherigen stelllvertretenden Vorsitzenden, kommisarisch geleitet. Auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vom 5. bis 8. März 2001 in Augsburg mochten sich die Bischöfe auf keinen Nachfolger verständigen. Vielleicht konnten sie es auch nicht; immerhin waren zum Zeitpunkt der Frühjahrsvollversammlung (und sind es heute noch) einige Bischofsstühle nicht besetzt, andere Kandidaten schieden aus, weil sie selbst in Kürze ihren Rücktritt werden einreichen müssen, da sie die Altersgrenze (75 Jahre) erreichen. So sah sich der seit dem 1. Juli 2000 amtierende Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, einigen Anfragen gegenüber. Man sähe ihn gerne in der Publizistischen Kommission, aber auch in der Kommission für Wissenschaft und Kultur… Ähnlich ergeht es dem jetzt ernannten neuen Bischof von Fulda, Heinz-Josef Algermissen, den manche bereits in der Nachfolge von Paul-Werner Scheele an der Spitze der Ökumene-Kommission sehen wollen.

So dümpelt die Publizistische Kommission weiter ohne Leitung dahin. Die Frage einer personellen Neubesetzung mit fachkundigen Laien, die ebenfalls ansteht, kann wohl auch kaum ohne den Vorsitzenden geregelt werden.

Nun ist die Publizistische Kommission, obwohl erst als neunte der 14 Kommissionen der DBK aufgeführt, bei weitem nicht die unwichtigste. Sie hat - nach der Kommission Weltkirche - den zweithöchsten Etat; hier werden auch die Fördergelder für katholische Medien mit entschieden. Und sie hat die wohl breiteste Wirkung in der Öffentlichkeit, ihre Stellungnahmen (zu Pressekampagnen gegen die Kirche zum Beispiel) finden weites Gehör.

Gerade jetzt stehen wichtige Entscheidungen an. Es geht um ein gemeinsames Internetportal der katholischen Kirche, es geht um die Zukunft der katholischen Presse, um die Neuregelung der Rundfunklandschaft und um die Frage, wie die Kirche mit dem § 166 StGb umgehen soll (s. Stellungnahme der GKP dazu in dieser Ausgabe).

Die Publizistische Kommission hatte mit Weihbischof Walter Kampe, Bischof Georg Moser und Bischof Hermann Josef Spital große Persönlichkeiten und gute Vorsitzende.Es ist wichtig, dass schon bald die Vakanz an der Spitze beendet wird. Dann kann die Kommission neu besetzt werden. Dabei bietet die GKP, das betonte der Vorstand vor kurzem erneut, ihre sachkundige Hilfe und Mitarbeit an.

Christian Frevel




Gescheiterte Geiselnahme

Noch nie bin ich so oft auf den Namen Leo Kirch angesprochen worden wie in den vergangenen Wochen, und das mit doppeltem Hintergrund - einerseits geht es um die verzögerte Berichterstattung zur Fußball-Bundesliga am Samstagabend erst ab 20 Uhr 15; andererseits fragten viele, ob Bundesliga-Fußball komplett zur teuren Exclusiv-Ware im Bezahl-Fernsehen konvertiert wird. Erstmals wuchs in weiten Kreisen auch vieler Südkurven-Fans der Argwohn, ein Mann namens Leo Kirch könne sich mit ihrem Geld die Taschen vollstopfen, indem er jeden einzelnen als Premiere-Geisel nähme, verbunden mit dem Ultimatum: Wenn Du nicht Fußball-los bleiben willst, dann mußt Du meinen Decoder plus aller Pay-Sortimente kaufen, kaufen, kaufen. Weiter: Furcht klang oft in den Fragen an, ob Leo Kirch denn künftig über alle attraktiven und wichtigen TV-Inhalte gebieten könne - gegen Bezahlung natürlich.

Fabelhaft: Die Geiselnahme scheitert durch Aushungern, die massenhaft anvisierten TV-Konsumenten verweigern sich dem Bezahlfernsehen: Die Pläne des Leo Kirch scheitern; gleichzeitig reißt er den TV-Sender Sat 1 und ein Markenprodukt - "Ran" - in eine Krise; Scherbenhaufen statt Monopol. Und: Gerade die oft Gescholtenen, ARD und ZDF, sichern den freien Markt der aktuellen Information, sorgen dafür, dass die heiße Ware Bundesliga-Fußball zumindest schnell und damit aktuell zum Kunden kommt. Vor allem die Radiowellen der ARD erleben einen neuen Ansturm auf die emotionale Konferenzschaltung mit Gänsehaut. So macht Leo Kirch im Besonderen das Radio stark. Die Geiselnahme im Fußball-Sommer hinterläßt folgende Eindrücke: o Nicht jedes Ereignis läßt sich beliebig blähen, verzögern und dehnen zu einer großen TV-Show (mit Werbung) am Abend.

o Die Verführungskunst des Fußballs hat eine Grenze. Diese Grenze heißt Aktualität. Wer schon nicht live dabei sein kann, will am Spieltag so schnell wie möglich Gewißheit zwischen Rostock und Freiburg. o Die Vernunft hat gesiegt, vom Blick in die Geldbörse bis hin zum Familienrat. Fußball ist eben doch nicht ganz unser Leben.

o Der TV-Konsument ist nicht beliebig erpressbar.

o Auch gigantische Werbefeldzüge, selbst die Bild-Zeitung sowie beliebte Stars als willfährige Decoder-Schwärmer, können offenbar nicht alles hinbiegen.

o Schließlich: Der Medien-Konsument hat sich offenbar schon entschieden: Eine Forsa-Umfrage ergibt, dass die meisten eher in billiges ISDN, in PC sowie in Internet-Zugänge und Handy-Mobilität investieren wollen als in spezielle Pay-TV-Programme. Und dann ist der Medien-Alltag teuer genug. So sichert sich jeder seine Vielfalt der Informations-Zugänge. Für ein Monopol gibt es keine Sympathie. Möge der Medien-Konsument standhaft bleiben - und vernünftig.

Winfried Bettecken




GKP WILL NIKOLAUS GROSS EHREN

Wie kein anderer Papst hat Johannes Paul II. eine Vielzahl von Männern und Frauen zur Ehre der Altäre erhoben. Angesichts dieser "Inflation" nimmt die …ffentlichkeit immer weniger davon Notiz, die moderne Gesellschaft sucht ihre Helden und Vorbilder anderswo. Am 7. Oktober wurden wieder zwei Deutsche selig gesprochen: Schwester Euthymia und Nikolaus Groß. Man kann das Leben von Menschen nicht gegeneinander aufrechnen, nicht das eine als wertvoller bezeichnen als das andere. Wohl aber gibt es Menschen, die durch ihr Leben für bestimmte Gruppen zum besonderen Vorbild werden kšnnen- Nikolaus Groß ist so einer. Einer von uns, für uns. Er war Journalist und Schriftleiter bei der Westdeutschen Arbeiterzeitung in Essen, dem Verbandsorgan der katholischen Arbeitervereine. Und er ging für seinen Glauben und seine Überzeugungen in den Tod, verhaftet im Zusammenhang mit dem Widerstandskreis des 20. Juli und hingerichtet in Berlin-Plötzensee. Wer mehr über ihn wissen mšchte, sollte Erich Kocks Biographie lesen ( vgl. S. 4) oder die "Briefe aus dem Gefängnis", herausgegeben von Jürgen Aretz. Groß war ein einfacher Mann, kein Intellektueller, aber mit sicherem Gespür für politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Bereits 1929 warnte er vor dem Ruf nach dem starken Mann, er hatte "Mein Kampf' gelesen und seine Schlussfolgerungen daraus gezogen. Nikolaus Groß war ein katholischer Publizist, mutig in seinen Veršffentlichungen, stark im Glauben und ein wacher Zeitgenosse, der nicht nur analysierte, sondern sich auch einmischte, weiterdachte, Impulse gab. Seiner Familie, der Frau und sieben Kindern, mutete er viel zu, aber er schrieb auch aufmunternde Briefe aus dem Gefängnis: "Gott schickt uns nicht mehr, als wir tragen kšnnen. Darum immer getrost und starken Mutes." Solches Gottvertrauen angesichts des sicheren Todes ist bewundernswert und wohl auch nur von einem starken Beter zu erringen. Für uns Journalisten heute gibt es - zumindest in Deutschland - keine Verhaftungen und Foltern, niemand wird wegen seiner Artikel oder seines Glaubens zum Tode verurteilt. Trotzdem fehlt es oft an Zivilcourage, halten Konkurrenzdruck und die Angst vor einem Karriereknick oder gar einer Entlassung eher davor zurück, die Dinge beim Namen zu nennen. Politischer Weitblick, journalistisches Kšnnen, mutige Analysen, Engagement für eine christliche Gesellschaft und ein klares Bekenntnis zum Glauben machen das Profil eines Publizisten aus, der uns in vielerlei Hinsicht ein Vorbild sein kann. Sein Leitwort als Journalist "Es kommt darauf an, nicht die Wahrheit zu vergewaltigen" gilt damals wie heute. Die GKP möchte dazu beitragen, Nikolaus Gro? und sein Wirken bekannter zu machen. In Respekt vor dem Menschen, Publizisten und Christen schlägt sie daher vor, den Katholischen Journalistenpreis ihm zu Ehren Nikolaus-Groß-Preis zu nennen.

Michaela Pilters




Kirche in Funcity

Gestern nacht war ich in der Kirche St. Bonifaz. Sie liegt direkt neben dem Pressehaus in der Kirchstraße und hat rund um die Uhr geöffnet. Die Tür steht offen, Kerzen brennen, ein Fürbittbuch liegt aus... ach, übrigens, ich bin in Funcity.

Funcity - das gebe ich zu - ist nicht mehr ganz neu. Trotzdem war ich bis gestern nacht noch nie dort. Bei der Suche nach einer Information zu "Kirche in den Medien" stehe ich plötzlich auf der Schwelle von St. Bonifaz. Ich gehe durch die hölzerne Tür und trete in das Kircheninnere. Dort ist eine rege Unterhaltung unter gesichts- und namenlosen, offenbar jungen Menschen im Gange. Allerdings ist dies hier keine Diskussion über Glaubensfragen, sondern ein heilloses Durcheinander von kurzen Redebeiträgen, die sich erst nach langem Hinhören als Dialoge entschlüsseln. Warum sie sich hier unterhalten und nicht nebenan im Café, möchte ich wissen. Hier gibt es auch mal ernste Beiträge - lautet die Antwort.

Ich sehe mich im Raum um: Ein Beichtstuhl lädt zum Zweiergespräch. Ich trete ein und stehe vor einer Wand mit echten Fotos. Menschliche Gesichter mit Namen. Hier kann ich mir einen Beichtvater aussuchen. Darauf bin ich nicht vorbereitet. Ich wollte jetzt nicht beichten. Nur mal sehen, wen oder was ich hinter dem Vorhang finden würde. Ich stehe wieder im Vorraum der Kirche. Was jetzt? Ratlos blättere ich im Fürbittbuch. Hier stehen ein paar ernste Anliegen. Es gibt sie also. Und zwar in Massen.

Ein direkter Durchgang führt zum Gemeindezentrum, in dem reges Treiben herrscht. Eine Mutter schiebt ihren Kinderwagen durch die Tür des Beratungszimmers, ein junges Paar sieht sich die Aushänge an, eine Rollstuhlfahrerin bahnt sich ihren Weg zu einer Tür mit Informationen zur Gemeinde. 75.000 Menschen gehen hier pro Monat ein und aus: Kontaktfreudige, Rat- und Sinnsuchende - meistens junge Leute unter 20... Hatte da nicht jemand behauptet, das Thema "Kirche" sei in den Medien ein Rausschmeißer?

In den neuen Medien kann man das nicht behaupten.

Gehen Sie mal rein - www.funcity.de. Keine Angst. Es gibt auch einen Ausgang.

Maria Riederer




Alle Jahre wieder !

Es ist wieder soweit: Es weihnachtet nicht nur, es chronikt auch! Pünktlich zum Jahresende werden wir erneut Zeugen von Rückblicken auf 365 bewegte Tage im Jahr 2001. Alles wird uns noch einmal zugetragen, hautnah können wir dieses Jahr nacherleben. Das letzte Kalenderblatt fällt.

Und doch wird der Jahresrückblick dieses Mal nicht wie "alle Jahre wieder": Da war der 11. September und die neue Zeitrechnung danach. Nichts ist mehr so wie vorher. Die Bilder vom 11. September mit den einstürzenden Türmen von New York werden unsere Chroniken prägen, kombiniert mit den Bomben auf Afghanistan. Und deshalb wird auch Weihnachten nicht wie "alle Jahre wieder": Das Licht der Weihnachtsnacht ist konfrontiert mit den Leuchtspuren von Raketen und explodierenden Flugzeugen. "Friede den Menschen auf Erden" - heißt es auf den Feldern von Bethlehem, und der Friede ist so weit entfernt. Am 24. Dezember werden wir den 11. September nicht ausblenden können, weder im Gedächtnis noch am Fernseher, denn es gilt die Erinnerung. Da ist einerseits das Gedenken an jenen längst vergangenen Tag in Bethlehem vor 2001 Jahren, als Gott Mensch wurde. Da ist andererseits das Gedenken an jene, die ihr Leben am 11. September und danach lassen mussten. Es wird vielleicht ein anderes, nachdenklicheres Weihnachten, ein Heiliger Abend, der in das Weltgeschehen eingebettet ist, an dem man aber hoffentlich die Freude über das Fest nicht vergisst. Können da Medien hilfreich sein, diesen Widerspruch aufzulösen? Was werden wir zu Weihnachten lesen, hören und sehen? Es wird Konzerte und andächtige Sendungen, Action-Spielfilme und Sport geben. Auch das scheint wie ein Widerspruch, der sein darf, wenn er nicht zu Lasten der Erinnerung geht.

Weihnachten 2001 macht deutlich: Erinnern ist eine schwierige Sache. Ausblenden, vergessen, das geht einfacher. Auch im medialen Alltagsgeschäft, besonders an Weihnachten, wenn alles "alle Jahre wieder" seinen festen Ritus haben muss. Aber Erinnerung tut not, deshalb sind die Jahresrückblicke mehr als das brave Abarbeiten einer chronologischen Last, weil es gerade noch dafür ein paar Sendeminuten und Druckzeilen gibt. Das Erinnern an die Ereignisse eines Jahres ist Pflicht, um das Gedächtnis wach zu halten. Und vielleicht ist es ganz versteckt die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr besser oder zumindest anders wird. Weihnachten und die Jahreswende können da eine Chance sein: Erinnernd und dankend zurückzublicken und motiviert auf das schauen, was vor uns liegt.

In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten und "alle Jahre wieder" ein gutes neues Jahr!

Matthias Kopp