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home > Geistliches Wort > Oktober 2009

Mittel.Punkt.

…an das Leben der kommenden Welt…
Credo


Der Himmel ist in Gefahr. Früher konnte ich noch gut hören, wenn einer scherzhaft bemerkte, er könne gut und gern darauf verzichten, dort neben Frau X. oder Herrn Y. zu sitzen. Dieser Scherz lebte von der Selbstverständlichkeit, dass diese Plätze ein anderer vergibt. Jetzt bleibt mir bei solchen Witzen das Lachen im Halse stecken. Die meisten meinen es nämlich ernst damit: Sie wollen allein bestimmen, wer im Himmel ist. Und natürlich nur in ihrem Himmel. Klar.

Wer „nicht so brav ist“, kommt auch in den Himmel. In seinen. Da gelten ja seine Maßstäbe. Soll er damit glücklich werden. Die Himmelsmetapher ist verschlissen. Sie bedeutet nur noch „alles zu meinem Wohl“, und noch schlimmer: „zu meinem Wohlgefühl“. Sie bezeichnet das, was einst Hölle hieß: Ort der Qual für alle, die mit ihrem Ego andere gequält haben.

Im Himmel will man nur alte Bekannte treffen, eine Art ewiges Stehen in der Fankurve mit ausgewählten Clubmitgliedern. Die „Schöne neue Welt“ des ausgedachten Himmels ist eine monströse Ansammlung von Homunkuli, jener menschengemachten Wesen, vor denen man sich eher fürchten muss als dass man sie lieben könnte. Sie fordern den Menschen nämlich nicht heraus, sondern langweilen ihn: So fantastisch und damit so interessant sie sich geben mögen – sie sind nichts wirklich Neues unter der Sonne, sondern xter Spiegel und Abbild des Alten, des Vorhandenen. Von wegen „Neue Welt“.

Das ist eher die alte Hölle. Die stelle ich mir so langweilig vor. Manche meinen, ihr schon im Fernsehprogramm begegnet zu sein. So technisch berechenbar bis in die Handgeste und Wortwahl gehe es dort zu. Alles Schablonen. Andere finden diese Hölle, wenn nur noch einer vom anderen abschreibt, den Pferdefuß (!) bei wiki oder twitter nicht einmal mehr suchend. Dritte können selbst dem authentischsten Blog im Internet nichts wirklich Neues mehr entnehmen. Das zehnte Krebsoffenbarungsbuch eines Prominenten hilft da auch nichts mehr. So heißt es denn: Zum Teufel mit der Medienwelt. Zum Teufel gleich mit der ganzen Kommunikation. „Das Ich zählt!“ haben Werber getextet, die feinfühliger waren als Kollegen, denen „G… ist g…“ einfiel. Im Kern ist das Gleiche gemeint.

Die Auflösung des Himmels, der alle birgt, bringt die Hölle unter die Menschen. Friedrich Nietzsches Wahnsinnvisionen von den Folgen über den Tod Gottes sind prophetischer als manchem lieb ist. Vielleicht würde er heute den tollen Menschen mit der Fernbedienung einen Sender-suchlauf machen und ausrufen lassen: Wir haben Gott zum Sonderfall der Berichterstattung gemacht. Normal ist er nicht mehr.

Mir leuchtet die fundamentaltheologische Atheismuskritk von Richard Schaeffler ein: Die Neue Welt kann nicht aus der alten Welt kommen. Was immer sich entwickelt, wird aus dem Gestern das Morgen bilden müssen, wenn Morgen nichts Neues da ist, das anders ist als das Alte. Wir weden immer älter - (und am Ende sehen wir ganz alt aus: Dieses Spiel mit Worten sei auch noch erlaubt).

Der Himmel, den ich erwarte, bringt jene Neuigkeit wieder, die in Jesus Christus schon einmal im Vorgeschmack auf Erden lebendig war. Der Gläubige maßt sich nicht an, die Plätze zu verteilen im Himmel. Er will nie der Alte bleiben, sondern neu werden. Das ist interessant. Spannend. Rechnet mit den Möglichkeiten Gottes, die viel größer sind, als wir Menschen uns ausdenken können. Wir beziehen uns auf ein Morgen, zu dem hin wir nicht älter, sondern jünger werden. Frischer. Ideenreicher. Erfüllter. Doch nur dann, wenn wir schon über unser Heute den richten lassen, der unsere Maßstäbe nachmisst und mit Barmherzigkeit eicht. Richtet. Auf sich hin. Und von da auf den, dem ich mich zum Nächsten machen soll. Muss. Darf. Um des Himmels willen.

Ihr Br. Paulus Terwitte



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