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home > Geistliches Wort > Oktober 2008

Mittel.Punkt.

Das ist mein Evangelium. 2 Tim 2,8


Es geht um Einfachheit. Die Idee der Computerfirma mit dem angebissenen Apfel setzte sich durch: Eine grafische Oberfläche am Bildschirm führt den Benutzer seitdem intuitiv. Eine Revolution. Endlich musste man nicht mehr komplizierte Formeln hinter einem kleinen blinkenden Rechteck eingeben, um ein Schreibprogramm zu öffnen und damit zu arbeiten. Endlich zeigte die Oberfläche, was sich in der Tiefe des Rechners tat. Microsoft und andere zogen nach. Seitdem braucht keiner mehr ein Hochschulstudium. Seitdem fühlen sich viele wie Eva nach dem Früchtebiss: Als hätten sie Erkenntnis.

Oder doch nicht? Die Einfachheit verführte dazu, die Programme selbst komplizierter zu machen. Immer mehr kann man damit zwar machen. Immer weniger aber wissen intuitiv, was alles. Und stehen ziemlich nackt da, wenn es plötzlich heißt: ERROR.

So beginnt eine neue Suche nach Einfachheit: Wie wäre es, wenn der Computer selbst intuitiv errechnet, was der Benutzer eigentlich will. Sprachbefehle gibt es ja schon; vielleicht wird man ja eines Tages das Denken selbst zum PC übertragen können. Die Tendenz zur noch größeren Vereinfachung der Bedienung von Mac und Windows, iPod und Handheld endet, so weiß der leidgeprüfte Leser von Bedienungsanleitungen, in noch komplizierteren Abläufen, die mit noch weniger Knöpfen einstudiert werden müssen.

Wer immer da auch noch mehr Vereinfachung erfinden will, er wird es wie die Apple- Ingenieure machen müssen: Er wird sich in das Einfachste vertiefen: Alles im Rechner basiert ja auf dem Wechsel von Eins und Null - staunenswert, aber wahr. Die Apple- Leute waren die ersten, die daraus wahrhaft Faszinierendes geschaffen haben. Welches Programm auch immer: Wer nur die Oberfläche kennt, hält sich zu leicht für einen Kenner. Bedienen mag er vieles können, wirklich bewegen nur wenig.

Nur wer radikal, von der Wurzel her, der Dynamik des Einfachen folgt, bewegt nachhaltig. Im Oktober beginnen die franziskanischen Orden ein Jubiläumsjahr: Vor 800 Jahren wurde die Franziskanische Ordensregel von Papst Innozenz III. anerkannt. Die Inspiration dieser letzen seitens der Kirche anerkannten Ordensregel: Einfach das Evangelium leben.

Auch in den franziskanischen Orden ist daraus so manches „Programm“ entwickelt worden. Wir Kapuziner sind eine Frucht daraus. Die Gefahr spüren wir wohl: Wir bleiben fasziniert von der Oberfläche. Die Tradition gibt uns Instrumente in die Hand, die uns eine gewisse einfache Bedienbarkeit des Evangeliums vorgaukeln. Das Ergebnis: Wir wissen viel. Wir können viel. Wir zeigen viel. Der Weg jetzt: Die Grunddynamik eines einfachen Lebens nach dem Evangelium neu zulassen lernen.

Eine evangeliumsgemäße Bildungsoffensive tut not. Nicht nur unserem Orden. Studieren statt Cut and Paste. Einfach radikaler werden.

Ihr Br. Paulus Terwitte



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