so spreche ich dich los von deinen Sünden Feier der Versöhnung des Einzelnen
Priester haben Kinder sexuell missbraucht. Und die Kirche hat es vertuscht. Ein Skandal, der ganz Deutschland erschüttert. Das Vertrauen in die Kirchen und ihre Verantwortlichen hat einen Schaden genommen, der so schnell nicht wieder gut zu machen ist. Eigentlich gut so: Denn der ungleich größere Schaden, den die Kirche und soviel Verallgemeinerung müssen wir hier einfach zulassen Kindern zugefügt hat, möge auf diese Weise noch lange bewusst bleiben.
Gleichzeitig bin ich froh, dass sich schon seit etwa fünfzehn Jahren ein radikaler Sinneswandel in der Kirche abgezeichnet hat, der sich schließlich in den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz niederschlug, die besser sind, als manche glauben machen wollen. Sie legen kleinlich fest, was im Fall einer Verdachtsanzeige zu geschehen hat und wie man solche Anzeigen fördern kann. Vom deutschen Sportverband oder vom Ärztebund sind solche Richtlinien bisher noch nicht bekannt.
Ich bin froh, dass wir auf unserer Jahrestagung mit Dr. Thomas Busch sprechen können, der maßgeblich die Öffentlichkeitsarbeit der Jesuiten leitete, die alles daran setzten transparent zu machen, was in den letzten Wochen aufgedeckt wurde. Dass wir es auf unserer Jahrestagung tun, ist auch ein Zeichen der Aufmerksamt für alle in der GKP, die in den letzten Wochen herausgefordert waren, als Mitglieder der Kirche journalistisch sauber zu berichten und dabei oftmals formulieren mussten, was die inneren Werte berührt hat, die uns in der Kirche Halt und Heimat geben.
Mit dem Rücktritt von Bischöfin Kässmann ist auf eine ganz andere Weise nochmal in die Öffentlichkeit gezogen worden, dass wir Menschen offensichtlich in der Lage sind, wider besseren Wissens zu entscheiden und zu handeln. Besonders nachdenklich hat mich gemacht, dass der Eindruck erweckt wurde, sie habe zurücktreten müssen, weil sie nun in der Öffentlichkeit beschädigt war. Und ich frage mich ernsthaft, ob sie wie so manch anderer es in diesem Sinn noch vor sich hat sich nicht auch Gedanken über einen Rücktritt hätte machen müssen, wenn sie ohne entdeckt zu werden so verantwortungslos gehandelt hätte Sünde, strafwürdig und beschämend ist ja nicht nur, was öffentlich wird. Konsequenzen in der Lebensführung müsen wir auch dann ziehen, wenn wir unentdeckt so handeln, dass es sich mit unserer Lebensentscheidung nicht in Einklang bringen lässt. Doch wer ist da schon ohne Sünde?
Manche folgern aus der Erfahrung, dass wir alle sündigen, es gebe so etwas wie Reinheit in der menschlichen Lebensführung nicht. Deswegen lohne es sich nicht, besonders darauf auf zu achten. Sie verlegen sich darauf, möglichst nicht entdeckt zu werden. Und wenn es keiner merkt wen stört es dann? In der Folge wird dann weniger gefragt, was erlaubt ist, sondern was man sich erlauben kann. So gerade noch. Und so, dass man nicht entdeckt wird. Kein Wunder, dass als modernes Auge Gottes allenthalben Videoüberwachungskameras Sünder aufspüren und solche, die es werden wollen, davon abhalten sollen.
Ein Leben an der Grenze zum gerade noch Erlaubten ist uns Christen fremd. Wir sagen klipp und klar: Menschsein ohne Sünde ist möglich. Einer hat es gelebt. Und selbst, als er brutal zum Opfer wurde, ließ der das Böse der Bösen in sich totlaufen, um es in Liebe aufzufangen und ins Gute zu wenden. Zu Ihm geh ich gern, und das immer wieder. Im Sakrament der Versöhnung lasse ich sein Auge ganz menschlich durch einen Priester auf mir ruhen. Spricht er mich los unter Ausstreckung seiner Hände und Herabrufung des Heiligen Geistes, werde ich neu mit diesem einen Guten aus uns Menschen verbunden.
Damit ist noch längst nicht alles wieder gut. Aber wenigstens in mir. Und ich starte neu. Ich schlage Ihnen vor: Starten Sie mit!
Ihr Bruder Paulus
Mittel.Punkt. wird gestaltet und verantwortet vom geistlichen Beirat der GKP, Br. Paulus Terwitte, Kapuziner