![]() | Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands e.V. (GKP) | ![]() | Ein freier Zusammen- schluss von Publizisten, die versuchen, aus christlicher Verantwortung auch im Beruf ihren Dienst für Gesellschaft und Kirche zu leisten. Mehr dazu |
Die Kirche sitzt im Gefängnis ihrer Bildsprache. Dass sich hinter Kathedralen und Klosteranlagen Unausdenkbares zutrug, beschädigt diese Medien der Gottesverherrlichung. Zeitgenossen, die solche Architektur schon immer eher mysteriös fanden, sehen sich bestätigt. Statt sich eingeladen zu fühlen, dem Mysterium näher zu treten, fragen sie lakonisch: Und wer wurde dafür ausgebeutet? Mit immer weniger Verständnis wird auch das Pfarrhaus betrachtet, das der Priester allein auf 150 und mehr Quadratmetern bewohnt: Eltern, die ihr Kind im katholischen Kindergarten nebenan betreuen lassen, stoßen sich daran. Der gottgesandte Hirte seiner Herde mit Ehrensitz neben der Kirche, 17. Jahrhundert, von der Baubehörde aufwändig renoviert? Das ist auch nicht wenigen Insidern nicht mehr schlüssig. Schon lange nicht mehr. Die Reihe lässt sich fortsetzen: Vorfahrt von Bischöfen in Wagen oberer Preisklassen im Kloster Himmelspforten, Petersdom in Rom, auch mein eigenes Ordensgewand, selbst das Kruzifix in Ihrer Wohnung und die Madonna – alles uns sprechende Zeugen einer langen Tradition. Für unsere Mitmenschen aber sprechen sie eher so etwas wie chinesisch.
Der Trendmonitor legt nochmal nach. Wir Katholiken seien separiert von unseren Mitmenschen. Warum sollen sie zu uns kommen? Was da an Bauten, Kleidung und Sprache, - ach, die Sprache! - in der Geschichte geworden ist, verstellt den Kontakt zwischen Botschaft und Adressaten. Und nun kommt zur Fremdheit der Bildsprache noch hinzu, dass der Kirche als Kommunikator nicht mehr vertraut wird. Da kann ich mir noch so sehr zureden, mich würde das nicht anfechten. Es wird, so meine ich, Zeit, dass auch wir Katholiken untereinander sagen: Ja, es ficht uns an. Und es ficht uns an, was andere über uns denken (müssen).
Erste Aufgabe nun: Ich muss nun schärfer erfassen, was am katholischen Glauben wesentlich ist und zur Ewigkeit des Auferstandenen gehört. Dann muss ich genauer hinsehen, was daran zum respektablen Überkommenen gehört, aber doch Vergänglich ist.
Das ist keine Kleinigkeit. Denn das Äußere, all die Zeichen, Riten und Bauten, sind ja Ausweis des Katholischen. Stehen wir vor einer Zeit der Bilderstürmerei? In der Scham über geschehenes Unheil erscheint all das Herrliche am Katholischsein wie der Stoff aus des Kaisers neue Kleider: Nur wir reden noch von seiner Schönheit. Tradition. Geschichte. Andere jedoch spotten: Die sind ja nackt. Und während wir uns frei wähnen, urteilen andere: Die sitzen im Gefängnis.
Ich möchte Sie einladen, diese Stunde der Kirche als geistliche Übungsstunde zu nehmen. Der Herr selber schenkt sie uns. Nie war mir so wichtig wie in diesen Tagen, dass die Kirche sich „Werkzeug“ nennt. Sie ist im Dienst, in Gottes Dienst Kirche. Sie ist strukturwerdende Vergegenwärtigung des Auferstanden. Deshalb bin ich katholisch. Weil Jesu Christi umfassendes Erlösungswerk sich in der umfassenden Kirche ausdrückt.
Diese Botschaft hat mich einst erreicht. Sie will durch mich mit der Kirche andere erreichen. Sie ist eine persönliche im wortwörtlichen Sinn: Der auferstandene Herr selbst will verlässlich übersetzt sein. Aus dem Gefängnis der Bildsprache heraus ist das schwer. Wir brauchen Engel, die uns daraus befreien. Doch wollen wir das überhaupt? „Fahrt weit hinaus!“ gab Papst Johannes Paul II. der Kirche ins Dritte Jahrtausend mit auf den Weg. Ein evangelischer Kernsatz von katholischer Weite. Das Gefängnis, in dem die Kirche sitzt, wird leider gut bewacht. Die Schlüsselsätze ihrer Wärter heißen - oft abschließend (!) erklärend -: Erstens war das schon immer so. Zweitens: Das hat es noch nie gegeben. Und drittens: Die Leute wollen das nicht.
Derart verschlossen, entsteht für Außenstehende ein antiquarischer Eindruck. Um Kirche zu verstehen und Jesus, müsse man zunächst ein Grammophon erwerben. Was sie zu sagen habe, sei nur auf den alten Platten zu haben. Oder man müsse geschraubte Rede üben. Oder Schäfchen ausschneiden für eine sogenannte Erstkommunikanten- Tafel – … Wer auf unserer Jahrestagung in Paderborn war, hat noch Professor Topel im Ohr, wie er sich über ästhetische Körperverletzung durch kirchliches Fehldesign beklagte. Die Krise jetzt kommt wie ein Engel daher, wenngleich ein furchtbarer. Im Gefängnis der Bildsprache löst er Fesseln. Er führt hinaus. Als katholische Publizisten brauchen wir seine Hand. Sie führe uns ins Weite. Sie mache uns geistlicher katholisch.!
Ihr Bruder Paulus