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home > Geistliches Wort > Februar 2009

Mittel.Punkt

… bis Christus in uns Gestalt annimmt. Gal 4,19

„Was uns am meisten fehlt, … (ist) das Erlebnis einer selbstverständlichen spirituellen Verbundenheit im Alltag.“ Der Schriftleiter der Zeitschrift für christliche Spiritualität, der Jesuit Andreas Schönfeld legt in „Geist und Leben“ Nr. 1/2010, S.3 den Finger auf eine schmerzende katholische Wunde. Und er benennt noch etwas Zweites: „Weiterhin fehlt uns die Leichtigkeit des Spirituellen, in der nachchristlichen Gesellschaft allemal, in der Kirche und ihren Gemeinschaften nicht selten. Man könnte von einem ‚spirituellen Mainstream‘ oder ‘kontemplativen Fluidum‘ sprechen, das wir vermissen. Die zunehmende Differenziertheit des Persönlichen und aller Lebensbereiche ist hier sicher ein zusätzliches Problem. Es braucht eine stärkere Integration des Individuellen in das Spirituell-Gemeinsame.“

Dem stimme ich gern zu. Wohin man schaut, brechen gewohnte Formen weg. Bis auf eine kleine Gruppe Neo-Konservativer in diversen Strömungen gibt es nur wenige überzeugende Antworten, die den suchenden Menschen von heute entgegenkommen. Das Evangelium wird von der gesellschaftsprägenden Mitte ferngehalten, und dies nicht nur von den Kritikern der Kirche.

„Wir haben noch keine neue Grundform im Spirituellen gefunden, die uns dies (die Integration des Individuellen in das Spirituell-Gemeinsame. P.T.) erleichtert: Lebenspraktisch, meditativ, liturgisch, ästhetisch. Was wir vermissen, ist eine trosthafte kollektive Grundströmung, die uns unwillkürlich mitträgt, die tiefer greift als religiöse Eventmentalität, mehr ist als äußere Gemeinsamkeit.“ (ebd., S. 3) Schönfeld diagnostiziert das Unbehagen der Katholiken am Katholischen, ein Unbehagen, das die katholischen Verbände besonders hart trifft.

Ihre Identität fanden sie in den Nachkriegsjahren vor allem in einem „Nie wieder!“ und im Aufwind eines demokratiebewegten Zeitgeistes, der sich in immer mehr auch kirchliche Bereiche Teilhabe erstritt und Mitbestimmung. Jener Zeitgeist führte bis hin zum Kampf für Auflösung aller Verbindlichkeitsstrukturen, der gemeinhin am Phänomen der 68-er festgemacht wird.

In der Folge verbindet sich mit dem Katholischen für die einen eine Allumfasstheit, die allem Rechnung zu tragen hat. Und für die anderen eine strikte Richtungsanweisung, der alle umfassend zu folgen haben. Besonders deutlich wird dies in der Gemengelage des öffentlichen katholischen Kultes. „Es gibt nicht nur eine ‚Häresie der Formlosigkeit‘ (M. Mosebach), sondern auch eine ‚Häresie der Formen‘. Ein Ritus stiftet liturgische Einheit, vermag aber aus sich allein keine authentische Solidarität zu stiften.“ (ebd., S. 4) Der Jesuit fährt dann fort: „Verbindliche Formen und ihre zeitgemäße Durchgestimmtheit müssen ineinandergreifen. Dies kann die Liturgie nicht als solche leisten, sondern ist Frage eines kontemplativen Glaubensbewusstseins. Spirituelle Ästhetik wurzelt in einer meditativen Innerlichkeit. ... Spirituelle Form erfordert heute personale Transparenz, kontemplative Ästhetik, integrative Identität. Der Christusglaube ist in seinem Erfahrungszugang nicht auf eine ewig uniforme Gestalt festgelegt, sondern er hat einen geschichtlichpersonalen Zeitindex. Das Glaubensbewusstsein unterliegt einer geistigen Evolution, ist Reifungsprozess „bis Christus in uns Gestalt annimmt“ (Gal 4,9).

Was manche Krise nennen, lädt im Namen Gottes dazu ein, in Gemeinden, Bistümern, Ordensgemeinschaften und eben auch in katholischen Verbänden ehrlich zu fragen, ob dieser „Reifungsprozess“ wahrgenommen wird, und wenn nicht, was dem entgegensteht. Unsere Jahrestagung im kommenden Monat kann für unseren Verband auch dazu beitragen. Ich freue mich auf Begegnungen mit vielen von Ihnen und hoffe auf eine neue Erfahrung unserer „spirituellen Verbundenheit“ im Verband und der „Leichtigkeit im Spirituellen.“

Ihr Bruder Paulus


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