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Tretet
nun ein,
eins
mit dem
Kinde zu sein
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Kirchenlied
Seien wir realistisch: In das Geheimnis des Kindes taucht kaum einer mehr ein. Der Zug zur Krippe lichtet sich. Stattdessen werden die Zeichen um Weihnachten bis vor den Advent zerdehnt. Sterne und Christbäume, Stollen und Klingeling erheben wellenweise die Gefühle. Nichts Neues in Sicht. Vielleicht der zweiundzwanzigste Dezember. Dann wird das Weihnachten in den Innenstädten wieder abgebaut.
Die Buden verschwinden. Das Gefühl flaut ab. Nur die Beleuchtung darf noch bleiben.
Jetzt heißt es: Feiertage aushalten. Das Licht der Heiligen Nacht verliert seine Kraft. In Spanien ist von den 18 bis 29- und von den 30 bis 39-Jährigen bereits jeder Vierte ohne Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. In West-Europa machen Personen, die nicht Mitglieder einer Religionsgemeinschaft sind, insgesamt schon etwa 40 Prozent aus. Dabei ist zwischen den Generationen eine deutliche Verschiebung zu erkennen: In ein bis zwei Generationen – zwischen den über 55-Jährigen (25%), den 36 bis 55-Jährigen (40%) und den bis 35-Jährigen (47%), hat sich der Anteil der religiös Ungebundenen nahezu verdoppelt.
Folgt man den Ergebnissen der Europäischen Wertestudie (1999-2004), dann erreicht das – auf einer Viererskala gemessene (1 = ja; 4 = nein) - Vertrauen in „die Kirchen“ noch die höchsten Werte in Portugal und Rumänien (1,54-1,93), gefolgt von Irland, Italien, Polen, Litauen, Slowakei und Kroatien (1,94- 2,32). In den Bevölkerungen Belgiens, Dänemarks, Finnlands, Griechenlands, Schwedens und Ungarns (2,33-3,12) gelangen die Mittelwerte bereits auf die Misstrauensseite, um dann ihre negativsten Werte (2,73-3,12) in Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, in den Niederlanden, Slowenien und Tschechien zu erzielen.
Auch in diesem Jahr wird spekuliert werden, ob an Weihnachten mehr oder weniger Bürger zum Gottesdienst einer christlichen Gemeinde gehen. Das wird aber nichts daran ändern, dass immer mehr Menschen in Deutschland das Kind in der Krippe links liegen lassen. Die allein ihm zu Ehren Weihnachten feiern, sind in der Minderheit: Willkommen in der Wirklichkeit.
Und in ihr wird das Wort Fleisch. Im Ahnenkult mit Mozartmesse, Barockengel, Großmutters Plätzchen und Tannenbaum ist die Provokation vom Neuen Menschen kaum noch zu erkennen. Es geht Gott nicht um das Gestern. Hier und heute ist er gegenwärtig. Der Menschensohn von Bethlehem sensibilisiert für den Mitmenschen. Er hilft, dessen Kultur anzuziehen. Ihm „aufs Maul“ zu schauen. Sein Herz zu öffnen. Ihm zu zeigen, dass er andere Möglichkeiten hat, als die alten Geschichten sinnfrei zu wiederholen. Dass all das nicht sein muss, was er sich, anderen und der Schöpfung antut. Der Einbruch Gottes in diese Welt führt zum Aufbruch aus gewohnten Gleisen.
In wen Jesus eintaucht, und wer ihn „nun“ bei sich willkommen heißt, sieht die eigene Wirklichkeit und die des Nächsten im „Licht zur Erleuchtung der Heiden.“ Gott ist erschienen im Fleische der Atheisten und Sünder, der Rechtgläubigen und Heiligen. Keiner ist auf der sicheren Seite, aber an jedes Menschen Seite geht Gott mit, berührt, fordert, richtet - und er erbarmt sich.
Es sind mehr und andere Mitmenschen in das Geheimnis des Kindes von Bethlehem eingetaucht, als wir ahnen. Auf dem Weg zur Krippe soll uns angesichts des Kindes das Zählen sowieso ganz vergehen. Wer „eins mit dem Kinde“ wird, wird eins mit seinen Mitmenschen und mit Gott, dem „Schöpfer aller Dinge.“ Daraus wächst Hirtenfreude: Armselig mag unsere Wirklichkeit sein. Doch gottvoll. Also „lasst uns“ zur Realität gehen, in der wir leben. Gott gebe uns Hirtenaugen, ihn dort zu finden.
Ihr Br. Paulus Terwitte