Das ihm anvertraute »Evangelium«, das Wort der ewigen Weisheit, hat Jesus nicht nur verkündet, sondern vor allem durch sein Werk vollbracht. Daher war dieses Evangelium auch ein »Evangelium der Arbeit«, weil der, der es verkündete, selbst ein Mann der Arbeit war, der handwerklichen Arbeit, wie Josef von Nazaret.
JOHANNES PAUL II., Laborem exercens
Was willst du werden? Oft wird Kindern diese Frage zu spät gestellt. Eltern halten ihre Sprösslinge zu lange für zu jung dafür. Der üppige Unterrichtsstoff in den Schulen lässt Lehrern zu wenig Raum, den Schülern bei ihrer Selbstfindung zur Seite zu stehen. Grupenleiter in der Gemeinde wollen sich nicht ausdrücklich darin einmischen. Priester delegieren die Klärung dieser Frage an Elternhaus und Schule. Das Ergebnis sind unsichere Fünfzehnjährige wie etwa jene, die in diesem Monat das letzte Halbjahreszeugnis vor ihrem Haupt- oder Realschulabschluss im Sommer erhalten.
Damit sollen sie sich bewerben. Die Frage, oft zu spät gestellt, ist nur: Wofür? Die Zahl der Lehrstellen ist begrenzt. Die Erforschung des ganzen Feldes der Ausbildungsberufe haben sie häufig vor sich hergeschoben. Von Arbeit und Ausbildung haben sie noch die kindlich verbogene Vorstellung, dass man damit Geld verdienen muss für das eigentliche Leben, das in der Freizeit stattfindet.
Die Stadt Mainz hat mit der Initiative Initiative „Jobfux“ drei Sozialpädagogen beauftragt, auf den Schulhöfen der Stadt junge Jugendliche zu fragen: Was willst du werden? Sie sollen deren meist erstaunten Blick nutzen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Oft wird daraus ein Kontakt zum Elternhaus, bei dem nicht selten die Mütter und Väter beruhigt werden müssen, die sich fragen, warum sich Fremde in die privaten Angelegenheiten ihrer Kinder einmischen. Frucht dieser Initiative sind stark erhöhte Prozentzahlen von Schulabgängerinnen und –abgängern, die mit einem Lehrvertrag in der Tasche in die nächste Lebensphase eintreten.
Unsere jungen Jugendlichen brauchen unsere praktische Unterstützung, um zu reifen für die stolze Unterschrift unter einen Lehrvertrag. Von ihren Eltern müssen sie lernen, dass Ausbildung und Arbeit zur Würde des Menschen gehören. Sie brauchen Kontakt zu handarbeitenden Gemeindemitgliedern, die in Gruppenstunden und Ferienfreizeiten von Erfahrungen in der Arbeitswelt berichten. Kinder dürfen nicht ungeachtet ihrer Eignung nur um des Ansehens der Eltern willen aufs Gymnasium geschickt werden. Um der Vielfalt der Fähigkeiten junger Menschen willen plädiere ich für einen neuen Stolz auf die Lehrlinge in unseren Gemeinden. Wer gut reden kann, kommt auf die Bühne der Liturgie. Wer gut schreiben kann, sieht seinen Namen im Gemeindebrief. Wer mit Internet und Digitalkamera umgehen kann, sieht eigene Beiträge bald auf der Gemeindehomepage (so sie denn gepflegt wird). Handwerkliche Jugendgruppen, die Reparaturleistungen der Gemeinde ausführen, sind kaum zu sehen. Ein Team junger Krippenbauer etwa, in der Tischler-, Elektriker- und Malerlehrlinge zusammenarbeiten, habe ich noch nicht erlebt. Selbst die Sorge um den Kirchbau könnte eine Gruppe junger Meister im Handwerk verantworten. Auszubildende Verkäuferinnen könnten ihre Talente bei Verkaufsaktionen einbringen, die für die Fastenzeit geplant werden. Das nächste Grillfest könnten die Lehrlinge des Bäcker- und Metzgerhandwerks in die Hand nehmen.
In die Reihe der Vorschläge für Gemeinden fügt sich auch die Einladung ein, den Stellenwert der handwerklichen Arbeit in der Berichterstattung zu überprüfen. Wenn Jesus „ein Mann der Arbeit war, der handwerklichen Arbeit“ (Johannes Paul II.), dann müssen junge Menschen lesen und sehen und hören können, welche Achtung dieser Art zu arbeiten entgegengebracht wird. Ich habe den Eindruck, dass in Folge eines Rückfalls in die griechische Trennung von Seele und Leib allen Arbeiten, bei denen man sich nicht buchstäblich die Finger schmutzig machen muss, ein ungebührlicher Vorrang gegeben wird. Die Frage, was jemand werden soll, braucht eine ausgewogene Anregung und Pflege. Unsere jungen Leute suchen nach einer achtsamen Begleitung, die ihnen alle Formen menschlicher Arbeit wertschätzend nahe bringt. Wir können dazu beitragen, dass sie früh genug den Beruf finden, für den Gott ihnen Fähigkeit und Auftrag gibt: Das sollst du werden!
Br. Paulus Terwitte ofm.cap
.„Vor allem muss ein Christ über seine Religion mal wissen, dass er mit erhobenem Haupt durch die Straßen gehen kann und dass er sagen kann: Ich bin ein Erlöster. ... In unserem Gestus, in unserem Auftreten müssen wir als Triumphatoren durch die Straßen gehen und sagen können: Schaut mich mal an! Ich, der Erlöste.“ Prinz Aswa-Woffen Asserate (in : chrismon 2005/1)
Kürzlich zitierte Prinz Aswa-Woffen Asserate im Magazin Chrismon (2005/1) Nietzsche mit seinem Wort, die Christen müssten erlöster aussehen, um daraus zu schließen, wir Christen müssten „in unserem Gestus, in unserem Auftreten ... als Triumphatoren durch die Straßen gehen und sagen können: „Schaut mich mal an! Ich, der Erlöste.“ Der Erfolgsautor („Manieren“), den ich in Frankfurt oft in den Eucharistiefeiern der Liebfrauenkirche antraf, berührt einen wunden Punkt christlicher Existenz heute. Angesichts der Vielfalt der Meinungen und Philosophien wird mit dem Stichwort der Toleranz alles als gleichgültig bewertet. Wer wollte da auch noch hervortreten als Botschafter der Wahrheit? Kein Wunder, dass, wo alles gleich gültig zu sein hat, Gleichgültigkeit die Menschengemeinschaft lähmt. Warum soll man sich auch engagieren, wo doch morgen schon wieder alles anders sein kann? Und ist einem etwas wertvoll und wichtig, ist es „political incorrect“, weil es einen Kollegen oder den Nachbarn bis hin zu einem Familienmitglied vor den Kopf stoßen oder ins Herz treffen könnte. Weit weg scheinen jene zu sein, die schwach an Zahl stark bekannten: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.“ (1 Joh 1,1). Sie waren sich bewusst, auf Gottes Vorgabe reagiert zu haben, als sie Christen geworden waren. Vielleicht können heute nur jene der Kirche geschenkten Christen, die als Erwachsene getauft wurden, davon reden, dass andere eben noch zögern oder sich gar verweigern, dieser Vorgabe ihre Antwort zu geben.
Sie könnten uns bekehren zu demütig selbstbewussten Zeugen von dem Ereignis, wie Gott uns erreicht hat und wie wir zu Menschen wurden, die in Jesus das Original gefunden haben, das uns nicht unter Druck setzt, sondern uns erschlossen hat, wozu es die Welt und uns darin gibt. Dass er gekreuzigt wurde, weil Menschen lieber ohne den Anspruch des Originals leben wollten und dass er auferweckt wurde, weil Gott diesen Anspruch als Provokation erhalten wollte. Es geht uns um Gott und um den Menschen. Wir bezeugen, dass jede und jeder von Gott dringend und persönlich eingeladen ist, mehr zu vertrauen, als es ihm nützt; mehr zu lieben, als er von Menschen Liebe empfangen hat; gerechter zu sein, als ihm selber an Gerechtigkeit widerfahren ist.
Wir Christen reden von diesem Mehrwert des Lebens, ohne die Welt schön zu reden. Wir sind selber Sünder, und wir sind auch Opfer von Sündern. Was uns antreibt und froh macht, ist die Solidarität Gottes mit uns Schwachen: „Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2 Kor 5,21)
Wenn ich vor Scham über mich oder über die Menschheit versinken möchte, taucht Jesus Christus neben mir auf, trägt meine Schuld und motiviert mich, trotz allem aufzustehen. Das macht demütig: Der Grund für unsere Stärke kommt nicht aus uns selber. Aber es macht uns auch selbstbewusst: Wir wissen um Jesus, der „für uns“ (vgl. Röm 8,34) beim Vater eintritt. Wir schauen voller Hoffnung (Hebr 12,2) auf ihn und lernen von ihm Maß des Lebens und Übermaß der Gnade. Er schaut uns trotz aller Schuld und in all unserer menschlichen Hoffnung unentwegt voller Liebe an. Seinen Blick neu erwidern könnte uns in der österlichen Bußzeit zum lebendigen Bekenntnis formen: Schaut mich mal an! Ich, der Erlöste.
Br. Paulus Terwitte, Kapuziner
März 2007„Eine Gesellschaft, die aufgrund falsch verstandener Toleranz alles akzeptiert und erträgt, stärkt ihre Feinde und zerstört letztlich sich selbst.“
Bischof Franz Kamphaus (in einer Ansprache vor Studierenden und Dozenten der Katholischen Fachhochschule (KFH) in Mainz)
Botschafter Jesu Christi haben es heute schwer. Wer bekennt, dass Jesus „Der Weg“ für alle ist, bekommt leicht zur Antwort: Für Dich ist das vielleicht wahr - aber nicht für mich! Dann wird auch gern um Toleranz gebeten. Um ihretwillen habe alles als gleich gültig zu erscheinen. Mich wundert es nicht, dass daraus schnell eine Haltung der Gleichgültigkeit wird nach dem Motto: Warum soll man sich auch engagieren, wo doch sowieso niemand weiß, was wirklich Sache ist?
Wenn Sie also von Ihrem Christsein sprechen, kann es Ihnen passieren, dass man Ihnen andeutet, Sie mögen das doch bitte als „Ihre private Sache“ behandeln. Sie könnten mit Ihrem festen Bekenntnis ja einem Kollegen, Ihren Nachbarn oder gar ein Familienmitglied vor den Kopf stoßen. Es gehört sich offenbar nicht, sich zu dem zu bekennen, was die ersten Christen, zwar noch schwach an Zahl, aber stark an Zeugnis offen bekannten: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.“ (1 Joh 1,1,).
Man muss freilich auf den richtigen Moment warten. Franziskus rät seinen Brüdern zwei Weisen, zu missionieren. Die wichtigste sei, unter den Menschen so zu leben, dass sie zu fragen begännen. Erst dann solle man das Wort verkünden.
Damit hat er einen wichtigen Hinweis gegeben. Christsein muss sich in einer anstößigen Praxis erweisen, die vom Evangelium her die Logik der „Welt“ durchkreuzt. Wenn dies dann gelingt und die Fragen auftauchen, sollten Antworten möglich sein, die klar und fest sind. Wie herausfordernd es ist, so zu bekennen, können heute besonders gut jene nachvollziehen, die als Erwachsene getauft wurden oder wieder zur Kirche zurückgefunden haben. Sie müssen in ihrem Umfeld auf viele Rückfragen antworten. Die neue Beziehung zu Gott ändert den einzelnen ja so, dass sich auch sein Familien- und Freundeskreis auf die neue Praxis einstellen muss.
Das erfahren die Taufbewerber und jene, die in die katholische Kirche eintreten, besonders deutlich. Sie sind für uns in unseren Gemeinden besonders wertvoll. Sie müssen besonders üben, dass Toleranz nicht heißt, sich anzupassen oder angepasst zu bleiben. Ihnen ist der Prozess bekannt, in dem sich Jesus im Leben eines Menschen als Fundament zeigt, das für die ganze Welt relevant ist. Dieser Anspruch führt eben zum Vorwurf der Intoleranz. Das ist ernst zu nehmen. Ich erinnere meine Gesprächspartner daran, was „Toleranz“ bedeutet. Dem Wort nach meint es „tragfähig sein“. Und dies kann man eben nicht aus sich heraus. Eine engagierte Offenheit für den Nächsten nährt sich für uns Christen aus dem Glauben an Gottes Offenheit für jeden. Weit davon entfernt, gleichgültig abzuwarten, drängt uns diese Offenheit Gottes für uns, mehr zu vertrauen als es einem nützt; mehr zu lieben, als man von Menschen an Liebe empfangen hat; gerechter zu sein, als einem selber an Gerechtigkeit widerfahren ist.
Nach dieser Erläuterung frage ich dann jene, die mir Intoleranz vorwerfen, was denn für sie gültig ist, worauf sie stehen, und was ihre Fundamente sind, von denen sie sich getragen wissen? Daran entspinnt sich ein Dialog, ob und wie der Mensch zum Botschafter der Wahrheit berufen ist. Und dass er darin mit allen Menschen auf dem Weg bleibt, auch wenn er „Den Weg“ gefunden hat.
Br. Paulus Terwitte
„Das Schweigen Gottes ist es, das dem Boden Festigkeit gibt, auf dem wir unsere Kämpfe austragen; ließe Er uns fallen, so stürzten wir mitsamt der ganzen lauten Wichtigkeit unserer Taten zerschmettert hinab in den Abgrund des Vergessens.“
Thomas MertonZur Eucharistiefeier während unserer Jahrestagung ging ich mit unserem Mitglied Dr. Johannes Bernhard Uphues, Chefredakteur der Monatsschrift MAGNIFICAT. Er war im Vorfeld der Tagung auf mich zugekommen. Ich hatte ihn dann eingeladen, einige Gesänge bei der Liturgie zu übernehmen.
Auf dem regenreichen Weg nach St. Kunigund kamen wir unversehens ins Gespräch über die Pflege der geistlichen Dimension der Berufung zum Christsein. In diesem Zusammenhang ergab sich ein erfreulicher Einklang in der Sicht auf die Wichtigkeit des Karsamstags. Er machte mich auf einen Text von Thomas Merton aufmerksam, der mich in seiner Sprachgewalt gleich eingenommen hat, als er mir dann vorlag:
„Das Schweigen Gottes treibt die Stürme vor sich her, es türmt die Gebirge auf, zerwühlt das Meer und lässt es gegen die Felsen branden. Aus dem Schweigen Gottes schöpft die Menschheit alle Kraft für ihr Getriebe, und wiederum kraft dessen, was in seinem Schweigen verborgen ist, tun wir lärmend unsere Werke bis zur Auflösung der Elemente, die unser gequältes Universum ausmachen, in ihre Bestandteile. Das Schweigen Gottes ist es, das dem Boden Festigkeit gibt, auf dem wir unsere Kämpfe austragen; ließe Er uns fallen, so stürzten wir mitsamt der ganzen lauten Wichtigkeit unserer Taten zerschmettert hinab in den Abgrund des Vergessens.“
Herr Uphues schrieb mir dazu: „Schauen wir auf den Karsamstag und die Stunden vor der Auferstehungsfeier. Liturgisch gedenken wir in dieser ruhigsten Zeit des Kirchenjahres der Grabesruhe Jesu. Aber sieht unser Tun nicht ganz anders aus? Auch ich habe den Karsamstag lange genutzt, um die letzten Ostervorbereitungen zu treffen.“ Mir erging es ebenso. Die liturgische Ordnung unseres Ordens kennt außer den Trauermetten an diesem Tag keinen besonderen Akzent. Jetzt pflegen wir bewusst das Schweigen. Ich setze eine Versammlung der Brüder und unserer Nachbarn an. Wir verzichten darauf, schon ab Karfreitagabend den Osterschmuck aufzustellen. Wir knüpfen an die Tradition des Heiligen Grabes an, die in unserer Gegend in Hessen nicht mehr lebendig ist. Um 15 Uhr sind wir gemeinsam eine Stunde in der leeren Kirche.
Dabei wird beklemmend deutlich: Es ist nicht leicht, sich dem Tod Gottes auszusetzen. Und doch ist der Hinabstieg des Gottessohnes in das Reich des Todes für die Verstorbenen wie für uns Lebende DAS Heilsereignis schlechthin. Die Worte von Merton, so schreibt mir Uphues weiter, „könnten uns anleiten, unsere Welt völlig anders wahrzunehmen, als wir es gemeinhin gewohnt sind. Ist uns die Stille, die Leere, das buchstäbliche Nichtstun nicht meist unangenehm, wenn nicht gar unerträglich? Heißt nicht die Devise: Wenn ich mich nicht mehr bewege, bin ich tot?“
Wie die Musik der Schmuck ist für das Schweigen, die Pausen erst dem Ton den rechten Takt geben, so gehört zum Einstimmen in den Osterjubel das sich Einlassen auf Gottes Schweigen in allem, was an Fragen an uns heranbrandet. Einhalten, schweigen, nicht gleich reden oder reagieren: Wieviel „laute Wichtigkeit“ (Merton) ersparte das? Ich bin dankbar für diesen Hinweis aus der geistlichen Erfahrung unserer Mitglieder. In der Kraft des Schweigens Gottes in Ton und Schrift für Ihn auf(er)stehen: Unser Verband ist auch eine geistliche Weggemeinschaft.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest.
Br. Paulus Terwitte
Woher kommt alle Bewegung in der Welt und zwischen den Menschen? Die plausibelste Antwort ging mir im Studium der orthodoxen Theologie erst auf. Sie wird nicht müde, auf den dreieinen Gott zu verweisen. Er ist Ursprung und Ziel der gesamten Schöpfung. Ihr Anfang und ihr Ende, Welt und Gott sind verbunden durch den Heiligen Geist, der vom Vater und vom Sohn bzw. durch den Sohn ausgeht.
Yves Congar hat in seinem Standardwerk „Der Heilige Geist“ nach dem 2. Vatikanischen Konzil die Früchte seiner intensiven Beschäftigung mit dieser weithin vergessenen göttlichen Person weitergegeben. Besonders nachhaltig wirkt in mir seine Rede vom Heiligen Geist als der Intimierungskraft Gottes. Mir wurde sofort plausibel, worauf der Jesuit Bernhard Grom hinweist: Die Firmkatechese über den Heiligen Geist könne in frühen Jugendjahren wenig fruchten. Wenn Gott mir näher sei als ich es mir selber sei, brauchte man schon eine gefestigte Persönlichkeit, um das zu ertragen und nicht als Bedrohung zu empfinden. Da die Katechese über den Heiligen Geist wenig fruchte, blieben zu viele Mitchristen in einem primitiven Monotheismus stecken. Ich erinnere mich noch heute an seine Analyse, wenn ich Menschen vom „Herrgott“ reden höre oder vom „lieben Gott“.
So ist es auch nicht zufällig, dass den Wenigsten zu Pfingsten das Rechte einfällt. Dabei wäre hier die zu feiern, die alles bewegt: Gottes schöpferische Liebe, in der Gott wortwörtlich Gegen-Über ist, aber auch Mitten-unter. „Was der Heilige Geist berührt, ist geheiligt und völlig verwandelt“ (Cyrill von Jerusalem). Pfingsten ist das Fest der bleibenden Gottzugewandtheit zur Welt, und auch der unzerstörbaren Zugewandtheit der Welt zu Gott. Diese Welt bleibt Gottes Welt, auch wenn sie ganz und gar nicht danach aussieht. Gott bleibt in ihr im Heiligen Geist, der uns Jesus als fort-währenden Träger der Sünde der Welt präsent macht. Weil Jesus die Sünde trägt, können wir aufstehen. Wir müssen uns weder bei ihr aufhalten noch uns von ihr aufhalten lassen.
Pfingsten reißt uns im Heiligen Geist mit Jesus weg vom Trauern am Grab und am Kreuz. Es ist ein Osterfest. Wir feiern, dass die Auferstehung nicht nur einen betrifft, sondern die ganze Schöpfung. Es ist ein universales Hoffnungsfest, das einem freilich gleich wieder den Atem (!) stocken lässt: Darf man davon sprechen, dass das Antlitz der Welt erneuert wird? Müssen nicht erst alle gefragt werden? An Pfingsten proklamieren wir ein Ende, das Gott setzen wird. Political incorrect wird Gott jeden Sohn und jede Tochter nennen, gleich, welche Grenzen bis dahin noch als unverrückbar gegolten haben mögen.
Pfingsten feiert die Hoffnung, die Gott selber der Schöpfung und seinen Menschen in ihr macht: Es werden allen die Augen aufgehen, weil er „alles in allem“ sein wird.
In der Eucharistiefeier zeigt das Erheben des Leibes und Blutes Christi am Ende des Hochgebetes den Weg dazu an: Wie der Sohn sich gibt, so geben wir stellvertretend für die Welt in heiliger Vorwegnahme alles dem Vater zurück, dem Sohn hinterher – und das in der Einheit des Heiligen Geistes. Diese Einheit des Heiligen Geistes – das sind in diesem Moment die Versammelten. Vater und Sohn spiegeln sich in uns wider im Heiligen Geist, der beide und uns zusammenhält. Pfingsten bewege uns aufeinander zu. Als Menschen, als Kollegen, in unserem Verband, in der Kirche.
Ja, komm Heiliger Geist. Und entzünde die Herzen deiner Gläubigen!
Br. Paulus Terwitte
Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Messbuch 1.Kor 11,26
In meiner Aufgabe, Menschen auf ihrem Berufungsweg zu begleiten, traf ich auf einen Mittfünfziger, der mir begeistert von seinem Pilgerweg nach Santiago di Compostela erzählte. In der Distanz zum Alltag habe er einen ganz neuen Blick darauf gewonnen. Nun wolle er sich radikal ändern. So fragte er mich, wie er Bruder in unserem Orden werden könne. Vielleicht rührte er mit seiner Begeisterung für den Pilgerweg an meine Skepsis, die mich angesichts des trendigen Jakobus-Pilgerns befallen hat. Oder ich erinnerte mich an das Gespräch mit unserem Kaplan daheim, dem ich eher kleinlaut eröffnete, ich hätte das Gefühl, ich sollte Priester werden. Dessen Antwort und vielleicht meine Skepsis brachten den Rat hervor: Versuchen Sie es doch einmal mit Pilgern zum Gottesdienst ihrer Gemeinde.
Mein Kaplan hatte nämlich damals wenig Aufhebens von meiner Mitteilung gemacht, sondern mir einfach geraten, öfter den Gottesdienst zu besuchen. Dann würde mir schon aufgehen, ob es mein Weg sei, Priester zu werden.
Der mittfünfziger Pilger verstand nicht gleich, was ich ihm beschied. So erläuterte ich ihm, dass ich nur deswegen in der Gemeinschaft der Christen und des Klosters bleiben könnte, weil es jenen regelmäßigen Pilgerweg aus meinem Alltag zum Brot, das gebrochen wird, und zum Kelch, der sich austrinken lässt, gibt. Von dort könnte ich dann beglückt wie er von Santiago wieder an meine Aufgaben im Privatleben einer Gemeinschaft und in den beruflichen Herausforderungen gehen.
Es hat noch etwas gedauert, bis er begriff, dass Santiago de Compostela eine Faszination hat, die mehr ist als das Gehen auf Pfaden, die von Menschen der Generationen vor uns ausgetreten wurden. Faszinierender noch ist, dass der Grund ihrer Pilgerschaft sich auch heute noch ebenso vergegenwärtigt, nicht nur dort, sondern auf allen Altären der Welt. Es sind eben nicht Bauten und Wege, Bilder und Gerüche das Ziel des Pilgerns. Nicht der Ritus ist heilsam, sondern die Mitte, um deretwillen oder besser: um dessentwillen er vollzogen wird.
Papst Benedikt hat in seinem Schreiben über die Feier der Eucharistie nochmals darauf hingewiesen, dass die einfachen Zeichen, würdig vollzogen, den Blick auf das innerste Geheimnis unserer Existenz öffnen können. Die modernen Asketen auf Zeit ahnen das auf den Pilgerwegen. Es braucht nicht viel, um ergriffen zu werden. Freilich braucht es das schwerste: die Demut, sich ergreifen zu lassen, ungeplant und herausfordernd, klärend und störend von der Person dessen, der nicht verstummt zu sagen: Kommt und esst. Kommt und trinkt.
Mein Gesprächspartner wird dem Ergriffensein und seinem Plan, ein neues Leben zu beginnen, nachgehen. Vielleicht wird er es versuchen: von seinem Wohnsitz aus vielleicht einmal, zweimal in der Woche die fünf Stunden zur Messe zu pilgern. Dem Sonntag das Gesicht zu geben eines Tages der Rast durch eine ausgerichtete Bewegung auf das Zentrum der Erlösung hin.
Bilder vom morgendlichen Weg am Samstag unserer Jahrestagung zur gemeinsamen Eucharistiefeier kommen mir wieder in den Sinn. Was immer es an Pflichten, an Termindruck und Nachrichtenzwang in Ihrem Alltag geben mag: Ich wünsche Ihnen die stoische Ausrichtung Pilgernder auf ihr Ziel hin. Manche Kolleginnen und Kollegen tauchen auch (mal) werktäglich in die andere Welt an Seinem Tisch ein. Sie finden dort eine Distanz zu den Dingen der Welt, die wirklich gute Nachrichten ermöglicht.
Br. Paulus Terwitte
Mich hat die Sentenz von Arthur Schnitzler zum Glück erst einmal stutzig gemacht. Ich fand sie im Buch meines Mitbruders Ludger Schulte, Gott suchen – Mensch werden. Vom Mehrwert des Christseins, Freiburg, 2. Auflage, 2007.
Er zitiert Schnitzler, nachdem er gefragt hat: "So sehr wir auch nach dem Glück fragen, wollen wir eigentlich unser Glück? Oder sperren wir unsere Glückserfahrungen nicht vielmehr aus? Glück ist immer eine Herausforderung an uns. Verschließen wir uns nicht vor dem Glück vielleicht aus Angst, vielleicht aus Sorge, im Bisherigen verwirrt zu werden?" (S. 14)
Das ist ein überraschender Befund, der sich jedoch mit meinen Beobachtungen deckt. Glücklich zu sein trauen sich die Menschen kaum noch. Man gerät aus dem Tritt, wenn man sich einfach beglücken lässt von etwas. Ein Gedanke, ein Plan und schließlich ein Mensch könnten einen ja nicht mehr loslassen.
Vor lauter Sorge um sich verhindern Menschen, glücklich zu sein – was für ein Paradox! Das wird verständlicher, wenn man bedenkt, dass jedes Glück den Keim der Vergänglichkeit in sich trägt: "Glück lässt sich nicht konservieren, es ist nicht wiederholbar, schon gar nicht machbar und immer endlich. Sich dem Thema Glück stellen bedeutet immer auch, sich seiner abschiedlichen, endlichen Existenz zu stellen. Ist das ohne umfassenden Sinnhorizont überhaupt möglich? Entschwindet uns das nahe Glück, weil wir uns im Letzten (Hervorhebung von mir) nicht loslassen können und deshalb auch nicht empfänglich sind für den Moment? Wenn uns Letztes, wenn uns Gott nicht hält, können wir die Herausforderungen und das Geschenk des Jetzt kaum zulassen. Das Leben kann nicht vorkommen, weil wir es schon immer im Griff halten müssen." (ebd., S. 15) Die Urlaubszeit ist eine gute Gelegenheit, sich in solches Loslassen einzuüben. Für uns Christen geht es nicht um Wellness und ein zielloses Relaxen. Im Licht der eben gesagten Worte üben wir im Urlaub ein, glücklich werden zu können.
Nicht mehr getrieben von Termin zu Termin, lädt der leere Tagesplan dazu ein, "sich durcheinander rütteln" (Schnitzler) zu lassen. Man braucht einige Zeit nicht nach der Uhr zu leben. Der Herzschlag darf regieren, das Geneigtsein zum Schönen und Guten, Brücke zum Glück, darf uns bestimmen.
Ich wünsche Ihnen von Herzen eine Urlaubszeit, die Sie zum Glück hin bereit macht. Etwas zu erfahren ohne die Frage, was man damit anfangen kann, ist ein Privileg, das Sie sich gönnen sollten.
Sie könnten auch fragen, ob etwas mit Ihnen anfangen darf, ein neues Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin, eine Versöhnung, für die Sie sich nun Zeit nehmen mögen, ein Lied, das nun endlich einmal von Ihnen gesungen wird. Es gibt viele Wege, die sich das Herz zum Glück bahnt.
" … ich muss auch mit meinem Glück irgendwohin, um mich von ihm von mir wegreißen zu lassen, denn es hat gerade in allem Beglückenden etwas unwägbar Provozierendes an sich. Es bricht mich auf. Es ruft nach mehr. … Wie? Und wohin?" (ebd., S. 16)
Das Glück zu genießen gelingt mir, seitdem ich es annehme als Vorboten einer Beglückung, die Gott allein schenkt. Mit dem Urlaub mache ich es ähnlich. Ich nehme die Tage mit ihren Höhen und Tiefen zu meinem Glück nur als Vorzeichen einer Freizeit entgegen, die mich bei Gott erwartet. Das entpflichtet von überzogenen Erwartungen und macht neugierig gespannt auf das Mögliche. Ich wünsche Ihnen spannend-entspannende Tage!
Ihr Br. Paulus Terwitte
Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und geh umher? Mt 9,5
Ihr Br. Paulus Terwitte
Denn Gottes Sohn Jesus Christus, der euch durch uns verkündigt wurde, ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht. 2 Kor 1,19
Warum wir nicht heiraten wollten, werde ich gelegentlich von jungen Leuten gefragt. Die Menschen sollten doch fruchtbar sein und sich mehren. Die Jugendlichen staunen nicht schlecht, wenn ich darauf verweise, dass unter den 35- bis 40- jährigen Männern (in D) 33,6 % kinderlos sind und immerhin noch 17,4 % der Frauen. Meike Dinklage, Redakteuerin der „Brigitte“, selber kinderlos und über 40, sprach mit Singles und Paaren. Sie berichtet, dass diese ihr viel vom Vorteil der Freiheit, von freiwilligem Verzicht, verpassten Chancen und vergeblichen Fruchtbarkeitsbehandlungen erzählten. Ihr Fazit legt sie in ihrem Buch „Der Zeugungsstreik“ dar: Viele Männer zeigten sich in der Kinderfrage als Bremser, Familienverzögerer und Frauenvertröster. Sie wollen sich selbst aus eigener Kraft nicht auf klare Nachwuchsabsichten festlegen. Dinklage nennt dieses Phänomen nach einem britischen Schauspieler „Hugh-Grant-Komplex“. Der sei vor allem damit bekannt geworden, dass er sich jenseits der Vierzig im Film wie im wirklichen Leben wie ein Bub in der „Grundsätzlich sage ich nicht nein“-Diplomatie übte. Diese Unsicherheit sich selbst und dem Leben gegenüber wirke wie eine trotzig zur Schau gestellte Kindsköpfigkeit; durch Hugh Grant sei sie geradezu salonfähig geworden.
Meine jugendlichen Frager haben nicht mit dieser langen Antwort gerechnet. Sie sind mit ihrer Frage nach der Legitimität von entschiedener Kinderlosigkeit plötzlich bei der Frage nach ihrer eigenen Entschiedenheit. Und bei ihrer Frage, ob man überhaupt entschieden sein darf. Zu unwägbar ist ja, was die Zukunft bringt. Weiß man denn, ob das Geschwätz von heute einen morgen noch etwas angeht?
Bei der Verleihung des Katholischen Medienpreises konnte man diese Spannung mit Händen greifen. Die ausgezeichnet Reportage über Frauen, die nach der pränatalen Diagnostik erfuhren, dass ihr Kind behindert sei, machte einmal mehr deutlich, in welchen Gewissenstaumel der Mensch geraten kann. Auch der zweite geehrte Beitrag über Münchner Geschichten vom Ostfriedhof zeigte unter anderem, in welchen Brüchen ein gegebenes Ja standhalten kann, aber auch, zu welchem Schmerz es führen kann.
Dass Gott nicht allein dafür zuständig ist, Bruch und Schmerz aufzuhalten, gehört zum Fundament christlichen Glaubens. Erlösung ereignet sich in den Wunden und an den Bruchstellen des Lebens. Gerade wo wir uns nicht in der Hand haben, bringt Gott seine Hand ins Spiel.
Die Jugendlichen waren nach diesen Erörterungen einigermaßen ruhig. Sie wissen sehr wohl, dass auch ihre Zukunft nicht automatisch fruchtbar wird. Ob ihre Ausbildung gelingt und der Arbeitsplatz der sein wird, für den sie jetzt arbeiten, ist völlig offen. Auch der Wunsch nach einem Partner und dann nach Kindern braucht andere Grundlagen als Emotion und Biologie. Es ist kein Ideal, auf die optimale Bedingung zu warten. Besser ist es, klug zwar aber dann doch entschieden ein Ja zu wagen. Möglich ist dies, weil der Glaubende mit Gott rechnet. Treue und Tatkraft in Ehe wie Ehelosigkeit gründen auf die Erwartung Gottes: Wer mit Seinem Ja rechnet, dessen Leben wird fruchtbar – so oder so.
Ihr Br. Paulus Terwitte
„In der Kirche oder bei Großveranstaltungen bin ich immer so zuversichtlich, dass mein Glaube stark ist - aber dann kommt im Alltag alles ganz anders - und alles wird ganz klein.“ So sprach mich ein junger Mann an, der es mit dem Glauben sehr ernst nehmen wollte. Irgendwie packe er das begeisterte Glauben nicht. Es komme immer ganz anders, und wie er es sich gedacht habe bei solchen Großereignissen. Wer kennt diesen Frust nicht: Am Ende bleibt scheinbar nur die Enttäuschung.
Ich denke da etwa an Jona. Er war berufen, Buße zu predigen. Sie erinnern sich an die Geschichte mit dem Walfisch: Auf der Flucht vor diesem Auftrag bringt er andere in Seenot, bietet sich als Opfer an und wird schließlich wunderbar gerettet. Als er dann mit aller Macht auftritt und Buße und Bestrafung durch Gott predigt, hat seine Predigt Erfolg: Die Leute kehren wirklich um, wie wir gehört haben.
Doch Jona zieht sich frustriert zurück: Er hatte mit dem Eintreffen der Strafen gerechnet. Hatte seine Verkündigung nicht diesen ernsthaften Hintergrund? Dass Gott aus dem, wozu er seinen Diener gesandt hat, etwas anderes macht, als der Diener erwartet: Das ist ihm zuviel.
Die Enttäuschung des Jona ist typisch für Anfänger im geistlichen Leben. Man denkt: Jetzt habe ich es. Und dann marschiert man los und will es durchsetzen, was man sich in den Kopf gesetzt hat. Unweigerlich kommt es, wie es kommen muss: Man erleidet damit Schiffbruch. Leicht vergisst der frisch Begeisterte, dass es nicht auf die menschlichen Ziele ankommt. Wichtig ist allein Gott, der jeden einzelnen einsetzt, wozu er will. Bei allem, was an menschlichem Planen sinnvoll ist: Für die persönliche Frömmigkeit zählt, wie sehr ich auf den ausgerichtet bleibe, der mich berührt und gesandt hat. Gott erfüllt eben nicht alle unsere Wünsche, sondern bindet uns ein in sein Werk. Sicher werden wir hin und wieder klagend oder zumindest fragend eine Bilanz ziehen: Hat es was gebracht? Wer dies wie Jona tut, ist bald - wie er - am Ende; unter dem Ginsterstrauch werden kleinlich Erbsen gezählt: Ist es so, wie ich es mir gedacht habe? Habe ich die Kraft des Anfangs noch? Ist Gott so, wie ich es mir ausgemalt habe in meiner Anfangsbegeisterung? Wenn dann als Antwort immer: Nein! kommt, ist die Lähmung vorprogrammiert.
Die Medizin dagegen ist leicht und schwer zugleich: Sich täglich neu mit Gott zu verbinden. Gebet heißt da: Täglich neu mit Gott rechnen - und mit Neuem von ihm. Die Frage des hl. Franziskus am Anfang seines neuen Lebens: Was willst Du Herr, das ich tun soll? hat er sich zur täglichen Aufgabe gemacht. Die Euphorie des Anfangs muss sich mäßigen zu einer Kraft, die auch in den einsamen Alltagsstunden trägt. Vielleicht dies als Weghinweis dazu: Beginne täglich neu. Blick nicht zurück. Verbinde dich mit Gott und lasse fröhlich ihn sein Werk tun.
Mir erschien bei meinem ersten Besuch eines GKP-Mitgliedes daheim etwas davon auf. In seinem Arbeitszimmer umgab mich Günther Graf gleich mit einem freundlichen und aufmerksamen Willkommen. Wir sprachen darüber, was sich mit der Zeit alles ändert. Aufmerksam und zugewandt dem Neuen gegenüber erlebte ich ihn. Sein Zeugnis schien mir einfach und klar: Sich im Wandel treu bleiben durch die Treue zu Dem, Dem man glaubt - auch wenn manches ganz anders kommt.
Ihr Br. Paulus Terwitte
Du, Bethlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel. Mt 2,6
Gott bringt sich zur Welt. Neun Kilometer südlich von Jerusalem, 790 m über dem Meeresspiegel liegt die Stadt der Geburt Jesu. Die Anhöhe scheidet die fruchtbare Region von Beit- Jalah (Giloh) von der trockenen Wüste von Judäa. Das Dorf hatte keine einzige Quelle, nur Zisternen, in denen Regenwasser gesammelt wurde.
Wer heute in Israel Bethlehem besucht, findet nicht mehr viel von dem, was der hl. Hieronymus noch „stilles Landhäuschen Christi“ nannte. Mit den heute zweiunddreißigtausend Einwohnern ist die Beschaulichkeit vorbei. Vierzig Prozent von ihnen nennen sich Christen - vor fünfzig Jahren waren es noch achtzig. Bethlehem gehört bereits zum palästinensischen Autonomiegebiet; die Besetzung Bethlehems durch israelische Truppen wird wohl auch das diesjährige Weihnachten prägen.
Wer von Jerusalem nach Bethlehem fährt, findet auf halbem Wege das Grab Rahels, das von Israelis stark bewacht wird. Von dort aus in Richtung Geburtskirche befinden sich - wiederum auf halbem Weg - auf der rechten Seite die Brunnen Davids. Hat man den Krippenplatz erreicht, sieht man links die festungsartige Geburtsbasilika und ihr gegenüber die erst in den fünfziger Jahren erbaute Moschee. Die Geburtskirche wurde über der Grotte errichtet, die seit frühester Zeit an die Geburt Jesu erinnert. Damit diese Stätte in Vergessenheit geriet, überbauten die Römer sie mit einem Adonis-Tempel. Doch gerade dadurch blieb dieser Ort bekannt, denn als im Jahre 326 die Kaiserinmutter Helena alle heidnischen Tempel in Kirchen umfunktionierte, kam die Geburtsgrotte Jesu wieder ans Licht.
In der Basilika befinden sich wertvolle Mosaiken, dank derer die Kirche beim Perseransturm 614 verschont blieb. Die Perser glaubten nämlich in den dargestellten Personen die eigenen Volksgenossen wieder zu erkennen. Weil es auch später immer wieder zu Überfällen kam, bei denen sogar mit Pferden in die Kirche hineingeritten wurde, um sie dadurch zu entweihen, musste der Eingang siebenmal verkleinert werden bis auf den berühmten kleinen Zugang, der heute den Zugang nur gebückt erlaubt. Die Basilika ruht auf 44 monolithischen Säulen. Die eigentliche Stelle der Geburt wird durch einen Stern mit der lateinischen Inschrift Hic de Virgine Maria Jesus Christus natus est angezeigt: Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren. Neben der griechisch--orthodoxen Basilika befindet sich die römisch--katholische Katharinenkirche mit der Grotte, in der der Hl. Hieronymus die Septuaginta ins Lateinische (Vulgata) übersetzte. Er hat den Ort passend gewählt. Als Publizist wollte er dem Geheimnis der Veröffentlichung des Logos Gottes nahe sein. Wir können es ihm gleichtun. Es ist ein erwachsenes „nach Bethlehem gehen“: Im Ringen ums rechte Wort, die vermittelnde Geste oder den sinnvollen Schnitt wissen wir uns im Dienst Gottes, der dieser Weltgeschichte sich real präsent machte; heute leben wir schon im Jahr 2007 mehr mit Christus als nach ihm.
Daraus folgt etwas ebenso Einfaches wie Anregendes: Keiner halte sich mehr für so unbedeutend, dass aus ihm nicht hervorgehen kann eine Idee, ein Wort oder eine Tat, mit der Gott sich auch heute zur Welt bringt. Eine gesegnete Adventszeit, inspirierende Besuche der Krippe und einen guten Weg im Jahr 2008!
Ihr Br. Paulus Terwitte