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Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands e.V.

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Abenteuer Journalismus

Max Kronawitter -

neulich in Tansania

Max Kronawitter realisiert seit zwanzig Jahren Filmreportagen für die Steyler Missionare. Auf seinen Drehreisen ins Ausland erlebt er das Abenteuer Journalismus als Herausforderung an das Verstehen. Mit seinem Artikel beginnen wir eine neue Reihe unserer Mitglieder.

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass mir ein Massai- Krieger in Tansania seine Frau und seine Hütte überlassen wollte. Ein Zeichen besonderer Gastfreundschaft, das ich zwar nicht angenommen habe, das mich aber tief bewegt hat. Aber auch andere Bilder werden bei dem Thema wach: die angstbesetzte Fahrt durch das kriegsgeschüttelte Angola, eine atemberaubende Reise im Einbaum auf Papua Neuguinea oder die Woche im quälenden Rauch einer philippinischen Müllhalde. Obwohl mich auch hierzulande Fernsehfilme an außergewöhnliche Orte und in äußerst intensive Situationen führen, sind es doch vorwiegend die Fernreisen, die den Duft des Abenteuers verströmen.

In Deutschland gehören wir Journalisten zu den Starken: ausgestattet mit Sonderrechten fühlen wir uns als Teil einer Klasse, die sich zu wehren weiß. Wer im Bürgerkrieg von Angola von einer betrunkenen Militärpatrouille angehalten wird oder sich einer Flussreise auf dem Sepik ausliefert, weiß, dass ihm jetzt weder Papiere helfen können noch das Handy oder die Mastercard.

Es gibt tausend Gründe, anderen von diesen Erfahrungen abzuraten: Moskitoschwärme in malariaverseuchten Gebieten, Schikanen am Zoll, tagelanges Warten im tropischen Urwald, nachdem der Jeep versagt hat…und doch sind es gerade die damit ermöglichten Erfahrungen, die mich journalistisch geprägt haben. Nur in der Fremde bin ich wirklich ein Fragender. Abenteuerlich wird es für mich, wenn ich sicheres Terrain verlasse Wie leidenschaftlich habe ich in den letzten Wochen über die Beschneidung der Frau diskutiert. Man muss hautnah erleben, was das Leben der Massai zusammenhält, um zu verstehen, warum unsere westliche Sicht nur eine mögliche ist. Deshalb muss man seine Position nicht aufgeben, sehr wohl aber den eigenen Absolutheitsanspruch.

Im Umgang mit Fremden habe ich festgestellt, dass sie sich dann öffnen, wenn man die Nähe, die sie anbieten, erkennt und wenigstens ansatzweise zulässt. Das kann sehr hart sein: etwa dann, wenn ein armer indonesischer Bauer aus Gastfreundschaft seinen Hund schlachtet, um ein Festmahl zu bereiten. Kann ich angesichts seines „Opfers“ so tun als wäre ich Vegetarier? Ich habe mir angewöhnt, einen Anstandsbrocken zu essen, auch wenn mich das unendlich viel Überwindung kostet. Dieses „Sicheinlassen“ ist auch eine Absage an gewohnte Annehmlichkeiten. Für eine Reportage über die Mangianen, einem bedrohten Bergvolk auf der philippinischen Insel Mindoro, haben wir auf dem Boden ihrer Hütten genächtigt. Wir haben das Ungeziefer, ja selbst den Hunger mit ihnen geteilt. Nach drei Tagen haben sie aufgehört, wie eine Folkloregruppe vor der Kamera zu agieren. Sie haben uns an der Hand genommen, mitten hinein in ihr Leben.

Abenteuer Journalismus heißt für mich aber immer auch, Ohnmacht auszuhalten: Wenn man unmittelbar Zeuge wird, wie zwei Buben beim Müllsuchen von einem Bulldozer zermalmt wurden, wenn man nach dem Besuch eines afrikanischen Gefängnisses das Gefühl hat, die Viehhaltung hierzulande sei äußerst human, wenn man Mädchen trifft, denen Freier brennende Zigaretten in den Körper gebohrt haben, dann möchte man aufschreien. Es ist dann gut, als Journalist den eigenen Aufschrei in Worte und Bilder fassen zu können, um sie heimzutragen und hinauszuschreien in ein Sysem, das einem dannwie das gelobte Land erscheint.




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