Abenteuer Journalismus
Josef Surholt -
Vis-a-vis mit den Politikern Josef Surholt war nach journalistischen Stationen in Dortmund und Frankfurt 16 Jahre Chefredakteur einer westfälischen Tageszeitung und hatte immer wieder Gelegenheit, ranghohe Politiker aller Lager zu befragen. Das Foto zeigt ihn mit anderen GKPlern beim Workshop des Bundespresseamtes 2009 mit Kulturminister Neumann.
Geben wir es doch zu, wir Journalisten, dass wir gar nicht so abgebrüht sind, wie uns oft angedichtet wird. Und dass wir nicht nur gespannt, sondern nervös sind, wenn wir die politische und sonstige Prominenz im Gespräch erleben, sie befragen können. Geben wir doch zu, dass es ein Abenteuer - ein kleines zwar, aber doch eine Herausforderung mit ungewissem Ausgang - bleibt, wenn man den echten oder vermeintlichen Berühmtheiten mit Kugelschreiber und Ringblock gegenübersitzt.
Das Abenteuer ist allerdings erlernbar. Und wohl dem, der einen verständigen Chef hat, der um die Aufregung des journalistischen Nachwuchses weiß. Meiner nahm mich als Jungredakteur als staunenden Mitläufer zu einer großen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Adenauer. Der trat vor Hunderten von Kollegen aus dem gesamten damaligen Bundesgebiet in der Bonner Beethovenhalle auf. Der Anlernling hörte nur zu - und staunte, wie ungezwungen und oft gar nicht druckreif sie ihre Fragen an den “Alten” richteten.
Man hatte mitzuschreiben bei diesen Begegnungen, denn Tonbandgeräte im Kleinformat wurden erst später üblich. Und man durfte staunen, wie gern sie letztlich alle für solche Meinungserkundungen zur Verfügung standen.
Die Pressereferenten sorgten besonders in Wahlkampfzeiten dafür., dass auch Bundesminister und Parteivorsitzende zu sprechen waren - oft nur für wenige Minuten allerdings, oft auch umgeben von drängelnden Zu- und Mithörern, manchmal mit den Tönen der Blasmusik im Hintergrund. Dies machte etwa die Niederschrift eines Interviews mit dem damaligen SPDChef Hans-Jochen Vogel fast zur Unmöglichkeit.
Eine zweite Informationsschiene waren und sind jene oft als verschwörerisch umschriebenen Begegnungen der Politiker mit festen journalistischen Kreisen, in denen nicht mitgeschrieben wird, keine Aufnahmegeräte erlaubt sind und die Weitergabe von Zitaten ganz und gar als ausgeschlossen zu gelten hat. Denn das sind die Vorbedingungen der Erwartung, dass der mehr oder minder ranghohe Partner aus dem politischen Nähkörbchen plaudert. Kanzler Kohl lud zum Treffen an den Kabinettstisch ein, die Außenminister baten in ein Gästehaus. War damit auch der Rahmen gelockert, so galt dies nie für den Inhalt der Gesprächsrunden. Denn es wird gearbeitet bei diesen Treffen - durch den Politiker, der etwas “zu verkaufen“ hat, und die Journalisten, die erfahren wollen, wohin der politische Karren läuft. Und ganz nebenbei geben Politiker bei derartigen Gelegenheiten mehr zu erkennen, als man üblicherweise von ihnen weiß. Beispielsweise dass Hans Jürgen Wischnewski ein geradezu begnadet guter Erzähler war, Johannes Rau sich erschrocken zeigte über die viele Arbeit, die ihm das Amt des Bundespräsidenten auferlegte, und CDU-Politiker Gerhard Schröder an seinem Dienst-Schreibtisch den eigenen ledernen Sessel benutzte und bei Umzügen in andere Ressorts mitnahm, um nach eigenen Worten niemanden die Möglichkeit zu geben, an seinem Stuhl zu sägen.
Aber natürlich sind derartige Begegnungen auch Herausforderungen an den journalistischen Befrager. Der sollte sich möglichst gut über sein Gegenüber informiert und mit sich selbst abgeklärt haben, welche Fragen vor allem er beantwortet haben will. Ob er sie allerdings selbst stellen kann, bleibt, zumindest in den großen Pressekonferenzen, oft nur ein frommer Wunsch beim Abenteuer “Begegnung mit der Prominenz“. sie allerdings selbst stellen kann, bleibt, zumindest in den großen Pressekonferenzen, oft nur ein frommer Wunsch beim Abenteuer “Begegnung mit der Prominenz“.
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