7 Fragen an Felix Neumann

Felix Neumann, Jahrgang 1983, studierte Politikwissenschaft und Philosophie in Freiburg, Abschluss mit einer Arbeit über die Piratenpartei. Social-Media-Redakteur bei katholisch.de, dem Online-Portal der katholischen Kirche in Deutschland.
 
Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Auf Umwegen. Schon in der Schule habe ich für die Schülerzeitung geschrieben und wollte eigentlich auch Journalist werden. Dann ist mir die Jugendverbandsarbeit dazwischen gekommen und hat alle Zeit neben Schule und später Studium in Anspruch genommen. In der Katholischen jungen Gemeinde und im BDKJ habe ich aber trotzdem immer „was mit Medien“ gemacht, von den ersten Verbands-Homepages Ende der 90er Jahre bis zur Entwicklung und Umsetzung der ersten Social-Media-Strategie für den BDKJ-Bundesverband. Über die Kontakte aus der Jugendarbeit bin ich dann auch bei katholisch.de gelandet: Die suchten jemand, der Social Media und Kirche kann, und plötzlich war ich im Journalismus.

Ihre Vorbilder?
Ein Kollege, den ich sehr schätze (und der auch GKP-Mitglied ist), ist Ulrich Ruh. Als Chefredakteur der Herder-Korrespondenz und heute als freier Publizist steht er für mich für einen überlegten, sachlichen und klugen Journalismus, der kenntnisreich einordnet und mit Haltung urteilt.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Die passieren immer wieder: Wenn es turbulent wird, wenn eine aktuelle Nachrichtenlage alles über den Haufen wirft. Dann macht es sehr viel Spaß, sich in der Redaktion Bälle zuzuwerfen, schnell zu recherchieren, Fakten zu checken und am Ende saubere Nachrichten zu präsentieren.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Nicht nur zu senden, sondern auch zu empfangen. Die Arbeit eines Journalisten, einer Journalistin ist nicht getan, wenn der Artikel veröffentlicht ist. Gerade heute, wo nicht nur bei den „Lügenpresse“-Rufern Journalismus ein Glaubwürdigkeitsproblem hat, ist es unerlässlich, den Leserinnen und Lesern zuzuhören, Fragen zu beantworten, Hinweise aufzugreifen und Fehler transparent zu korrigieren. Das kostet viel Zeit, aber es verbessert sowohl das eigene Arbeitsergebnis wie den Ruf des Journalismus insgesamt – Journalistinnen und Journalisten sind heute nicht mehr nur selbst Beobachter, sondern sie werden selbst beobachtet und müssen Rechenschaft ablegen. Das ist keine Anmaßung, sondern nur angemessen in einem demokratischen Gemeinwesen.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Eine gute Organisation in der Redaktion hilft – mit klarer Verteilung der Zuständigkeiten und sauberen Übergaben. Dann ist es möglich, dass Feierabend auch wirklich Feierabend ist.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Die GKP kannte ich aus dem ZdK, wo ich den Diözesanrat Freiburg vertreten habe. Erstmals intensiver zusammengearbeitet habe ich dort mit Beate Schneiderwind und Hildegard Mathies in einer Arbeitsgruppe zu Netzpolitik, später habe ich gemeinsam u.a. mit den GKP-Vertreterinnen dafür (erfolgreich) gekämpft, dass die Katholikentage auch Nachwuchsjournalist_innen mit Jugendpresseausweis akkreditieren. Nach dieser guten Zusammenarbeit war es selbstverständlich, dass ich auch GKP-Mitglied wurde, als ich beruflich in den Journalismus gewechselt bin.
Ich schätze an der GKP den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen journalistischen Feldern. Besonders die Jahrestagungen sind eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und aktuelle für den Journalismus relevante Fragestellungen zu diskutieren.

Was erwarten Sie von der GKP?
Die GKP sollte weiterhin aktuelle Fragestellungen im Blick behalten und sich als Vereinigung von professionellen Medienschaffenden zu Themen der Medienpolitik zu Wort melden. Dabei würde ich mir wünschen, dass Zukunftsfragen wie die Veränderungen vor allem durch das Netz nicht in erster Linie bewahrend diskutiert werden, mit dem Ziel, möglichst wenig Veränderungen im Berufsbild zugemutet zu bekommen. Journalismus, die demokratische Öffentlichkeit insgesamt, ist im Wandel – und diesen Wandel konstruktiv mitzugestalten sollte das Ziel der GKP sein.

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