7 Fragen an Bartosz Dudek

Bartosz Dudek (geb. 1967 in Szczecin/Stettin) ist der Leiter der Polnisch-Redaktion der Deutschen Welle und seit April 2014 GKP-Mitglied.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Ich stamme aus einer Familie, die gewisse Traditionen auf diesem Feld vorweisen konnte. Im kommunistischen Polen war aber Journalismus fast ausschließlich den parteitreuen Genossen vorbehalten, daher habe ich mich entschlossen, etwas ganz Unpolitisches und gleichzeitig zutiefst Humanistisches zu studieren: die Musikwissenschaft. Ich wollte über Musik  schreiben, Musikkritiker werden, Musik unterrichten.
Anfang der 90er Jahre, kurz nach der Wende, entstand aber in Polen eine neue Situation. Es wurden die ersten privaten Medien, vor allem kirchliche Rundfunksender, gegründet. Man brauchte junge, unbelastete Menschen, neue Feder, Gesichter und Perspektiven. Die neuen Macher waren damals etwa so alt wie ich: Die Mittzwanziger, die meistens über die katholischen Hochschulgemeinden gut miteinander vernetzt waren.
Weil ich zur damaligen Zeit mein Musikstudium in Köln fortsetzen konnte, haben mich gleich zwei Freunde aus katholischen Kreisen angesprochen, ob ich für die Rundfunksender als Deutschlandkorrespondent arbeiten könnte. Zwei Zeitungen kamen hinzu. Ich habe mit Freude entdeckt, dass ich nicht nur über Musik, sondern auch über andere mich bewegende Themen sprechen und schreiben konnte. Mit dieser Erfahrung kam ich zur Deutschen Welle und zum Deutschlandfunk, wo ich mich zunächst für deutsch-polnische Themen mit Schwerpunkt  Musik und Kirche spezialisierte.

Ihre Vorbilder?
Meine Vorbilder sind Bruder Roger von Taizé und Wladyslaw Bartoszewski. An Taizé und seinem Gründer fasziniert mich die tiefe Spiritualität, gepaart mit Ökumene und Universalismus der Kirche. In der Biographie Wladyslaw Bartoszewskis spiegelt sich das, was mir so wichtig ist: Der Glaube, der Journalismus, das Engagement für die Menschenrechte und die deutsch-polnische Aussöhnung auf allen Ebenen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Ich war am 4. Juni 2014 in Warschau bei den Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der ersten (halb)freien Wahlen in Nachkriegs-Polen. Ich konnte aus der Pressetribüne, also aus der Nähe, die Rede von Barack Obama live erleben. Es war für mich und meine polnischen Landsleute eine zutiefst bewegende Rede. Kein amerikanischer Präsident hat je so zum polnischen Volk gesprochen, das Freiheitsstreben so vieler Generationen, aber auch die großen Errungenschaften der letzten Jahre, gewürdigt. Es war für mich die symbolische und historische Klammer, die diese Rede mit der berühmten Warschauer Predigt von Johannes Paul II. vom Juni 1979 und seinem prophetischen Gebet um die Erneuerung der Erde verband. In solchen Momenten ist man einfach dankbar, dass man als Journalist dabei sein darf.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Für unerläßlich halte ich die Leidenschaft für diesen nicht so einfachen Beruf, der mit viel Engagement verbunden sein muss. Wichtig ist natürlich auch die Professionalität, die sich z.B. in der Objektivität und der journalistischen Distanz widerspiegeln muss.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?
Man braucht auf jeden Fall einen verständnisvollen Partner, der die Eigenarten dieses Berufs kennt und sie akzeptiert. Weil ich während der Woche von morgens bis abends unterwegs bin, versuche ich auf jeden Fall, die Wochenenden für meine Frau und Tochter frei zu halten.

Warum sind Sie in der GKP? Was hat Sie hineingebracht, was hält Sie?
Ich habe einfach ein Bedürfnis gespürt, mich besser zu vernetzen, um mich im Kreis der Menschen auszutauschen, die sich für die Themen interessieren, die mir nahe sind. Auch das Vorbild meines DW-Kollegen und GKP-Mitglieds Christoph Strack hat mir diese Entscheidung leichter gemacht.

Was erwarten Sie von der GKP?
Ich freue mich vor allem auf interessante Gespräche und  Bildungsreisen. Ich hoffe auch, dass meine polnischen Wurzeln und Erfahrungen aus meiner Heimat auch für die anderen eine Bereicherung werden können.

Die Seite mit den 7 Fragen im Septemberheft der GKP_Informationen finden Sie hier.

Druckversion

AddThis

|||||