7 Fragen an Iris Haschek

Seit drei Jahren ist Iris Haschek Mitglied der GKP. Seit etwas mehr als dreißig Jahren ist sie außerdem auch Frau und gehört als TV-Filmproduzentin mit ihrer 2015 gegründeten Firma „Inspiris Film“ damit immer noch zu den Wenigen:
Weil der weibliche Blick in unserem täglichen gesellschaftlichen Diskurs in der Öffentlichkeit immer noch viel zu wenig stattfindet, beleuchtet sie in ihren Filmen ethische, soziale oder politische Fragestellungen dann auch mit einem zusätzlichen Akzent aus Frauensicht.
Dementsprechend ist es naheliegend, dass Iris Haschek als Produzentin gerade eine Hochglanz-Dokumentation über Friedrich Wilhelm Raiffeisen (200.Geburtstag im Jahr 2018) für das Schweizer Fernsehen, die RAI, die ARD und den ORF aus Sicht seiner Tochter Amalie erzählt. Iris Haschek ist als Speakerin zu journalistischen und TV-Themen aktiv, und führt bei ausgewählten Dokumentationen und Kulturprojekten auch Regie.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Nach einer kurzen erfolglosen Karriere als jugendliche Initiatorin von Agatha-Christie-Neuverfilmungen beschloss ich, aus der Provinz Steiermark in die große Welt zu ziehen und etwas Handfestes zu lernen: in Wien studierte ich also Theater-, Film- und Medienwissenschaft.
Dazu gehörte ein Pflichtpraktikum, das ich bei Golli Marboe bei Tellux Wien absolvierte. Ab da war das dokumentarische Feld meine Lehrstelle, meine erste journalistische Spielwiese, und die ist es bis heute geblieben. Nach Jahren als TV-Producerin bin ich trotz noch mehr Arbeit, Verantwortung und spannenden bis verzichtbaren Herausforderungen glückliche Unternehmerin.

Ihre Vorbilder?
Für unerschrockenen Aktivismus ist es mein Großvater, meine Mutter für Umsicht, meine Schwester für Gelassenheit und mein Vater für Kreativität. Eigentlich ist mir fast jeder beruflich und privat nahe Mensch in einem seiner Aspekte ein Vorbild. Eine Erkenntnis, die mich als (zuagraste) Wiener Misanthropin jetzt doch ein wenig überrascht.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Ein Anruf des Leiters einer Selbsthilfegruppe für Hinterbliebene nach Suizid.
Die Gruppe hatte meinen ersten produzierten Film gesehen: „Papa hat sich erschossen“. In der Dokumentation erzählt die feinfühlig in die menschliche Seele blickende Regisseurin Dagmar Knöpfel die Geschichte der jungen Journalistin Saskia Jungnikl, deren Vater sich das Leben genommen hat.
Der Gruppenleiter berichtete in dem Anruf, wie sehr unser Film den Mitgliedern geholfen hat. Sie fühlten sich weniger allein mit ihrer sonst meist tabuisierten Erfahrung. Das ist das Beste, was ein Film auslösen kann – die Menschen berühren und im schönsten Fall auch trösten, zum Nachdenken bringen oder sogar etwas froher machen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Neugierde, ethisches Handeln, Respekt gegenüber Quellen, Interview-partnern und ganz einfach Menschen an sich, und vor allem auf die Grundprinzipien des Journalismus zu achten. 100%ige Objektivität gibt es nicht, aber die Verpflichtung, sich jede Seite so vorbehaltlos wie möglich anzusehen und keine Manipulationen zuzulassen – weder bewusst noch unbewusst.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Vieles an meinem Beruf ist quasi „Privatvergnügen“, weil es mir Freude bereitet. Großen Wert lege ich aber darauf, nicht ständig erreichbar und online zu sein. Weder beruflich noch privat. Obwohl ich Unternehmerin bin.
Und bisher ist die Welt davon noch nicht untergegangen.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
In meiner Tätigkeit bei makido Weimar wurde ich von meinem damaligen Chef Golli Marboe mit GKP-Mitgliedern bekannt gemacht.
Gerade für mich als Österreicherin ist die Begegnung mit den Kollegen aus verschiedenen Ecken Deutschlands besonders spannend.
Dadurch haben sich tolle Kooperationen ergeben und ich freue mich immer, wenn man im Gespräch zu gemeinsamen Ideen oder auch länderübergreifenden Projekten findet.
 
Was erwarten Sie von der GKP?
Die Vernetzung mit Kollegen, die sich mit ähnlichen ethischen Fragen befassen und denen publizistische Grundsätze und Berufsethik nicht nur am Herzen liegen, sondern die diese auch leben und diskutieren, ist unglaublich bereichernd.

 

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